Variable oder Festbrennweite: Zoom vs Prime. Lichstärke gewinnt!

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Prime- oder Zoom-Objektiv? Sind 35mm wirklich ausreichend für alle Lebenssituationen, oder wäre da ein 18-55mm eher passend für Landschafts- UND Portraitaufnahmen? Oder sogar ein 18-200mm dazu, um noch Motorsport zu fotografieren? Hier meine 2 Cent zu diesem Thema, und warum ich feste Objektive liebe.

Was ist überhaupt so eine „Prime Lens“ oder „Prime Objektiv“? Hört sich doof an, ist aber sehr einfach zu verstehen, sobald man den deutschen Begriff dafür benutzt: ein Objektiv mit fester Brennweite ist genau das! Die Brennweite ist fest, also nicht variabel.
Die populärsten sind 35mm, 50mm, 85mm, 135mm oder 200mm Primes.
Das heisst dann, dass man nur diesen Brennweitenwert hat, nicht also rein- oder rauszoomen kann.

Die meisten Lomo-Kameras haben Prime-Objektive. Die 120er Holga hat ein 60mm-Prime, die Diana Mini ein 24mm festes Weitwinkel und eine Lubitel 166B hat ein 75mm-Prime-Objektiv.

Objektive mit fester Brennweite sind einfacher und billiger herzustellen als Zoomobjektive und ihre generelle Konstruktion gibt ihnen einen sehr entscheidenden Vorteil gegenüber Zoomobjektiven: hohe Lichtstärke.

Zoomobjektive sind Objektive mit variabler Brennweite, also Objektive „wo man raus- und reinzoomen tut“. Die beliebten Verbraucherobjektive sind 18-55mm, 18-135mm oder 18-200mm. Diese Objektive werden als Allround-Objektive hergestellt, das heisst sie werden für alles benutzt und sind nicht für eine spezielle Aufgabe/Genre gemacht (wie z.B. eine 50mm-Festbrennweite für Portraits).
Man muss also nicht 20 Objektive mithaben, nur um bei dem selben Ausflug Landschaftsaufnahmen mit 18mm, Portraits mit 50mm und ein bisschen Straßenspionieren bei 200mm zu schießen.
Doch diese Vielseitigkeit kostet meistens viel Geld.
Es gibt jedoch auch einen Nachteil bei Zoomobjektiven: die Lichtstärke.

Weil Festbrennweiten so einfach herzustellen sind, vom Prozess her, sind diese auch sehr lichtstark.
Die billigeren Primes haben Lichtstärken von f2.8, und etwas teuerere haben auch schon f1.8. Die richtig guten liegen bei f1.4 oder sogar f1.0 (wie z.B. ein paar Leica Objektive, die selbst gebraucht knapp 3000 Euro kosten).
Bei Zoomobjektiven ist es meist so, dass sich die Lichtstärke zusammen mit der Brennweite verändert. Wenn man also ein 18-200mm f3.5-5.6 Objektiv benutzt, hat man bei 18mm zwar f3.5, bei voll ausgefahrenen 200mm jedoch nur f5.6, was in schlechter Beleuchtung manchmal fatal ist.

Was bedeutet denn hohe Lichtstärke für uns?
Als Allererstes bedeutet es VIEL Licht! Mit einer f1.4 Lichtstärke kann man ohne Probleme ISO 50 oder ISO 25 Filme benutzen, und das bei Verschlusszeiten von 1/500 oder sogar 1/1000 – absolut fantastisch für sich bewegende Motive. Man kommt dann auch in schlecht beleuchteten Räumen ohne Blitz aus, und ohne den Bulb-Modus, und ohne schnellen Film (z.B. ISO 800), und ohne Verwackelungen!
Mit hoher Lichtstärke bekommt man auch eine sehr geringe Schärfentiefe, was zur Isolation des Hintergrunds führt und dein Motiv sehr stark hervorhebt!

Momentan besitze ich zwei absolut geniale Festbrennweiten für meine Konica SLR: Hexanon 57mm, f1.4 und Hexanon 135mm, f3.2.
Bei den nächsten Bildern merkt ihr den Unterschied:
Bild 1 – f1.4 (also komplett offen). Bild 2 – f2.8 (höchste Lichstärke der LC-A). Bild 3 – f4.5 (höchste Lichstärke der Lubitel 166B). Eine 120er Holga hat gerade mal f8, also noch kleiner.

Die nachfolgenden Bilder sind mit dem 57mm Hexanon Objektiv aufgenommen worden, mit Lichstärken zwischen f1.4 und f2.
Guckt sie euch an und lasst euch von der Schärfentiefe beeindrucken!

Ja, ich gebe es zu, Zoomobjektive sind super.
Durch die lässt es sich vermeiden, konstant mehrere Objektive oder Kameras mitzuschleppen.
Aber ich liebe die Schärfentiefe zu sehr dass ich mein Hexanon jemals aufgebe oder mir stattdessen ein Zoomobjektiv zulege.

Wer gerne über Schärfentiefe im Detail nachlesen möchte, bitte hier: wikipedia.de

written by xxxanderrr on 2011-05-25 #gear #tutorials #tutorial #aperture #tipster #zoom #prime #kamera #requested #tiefenscharfe #scharfentiefe #objektiv #blende #lichtstarke #festbrennweite #brennweite
translated by xxxanderrr

8 Comments

  1. emmasknopf
    emmasknopf ·

    Festbrennweiten ftw, ohne Frage (zumindest für mich). Das geht bei mir schon so weit, dass mir die 2.8 Blende im Grunde zu klein ist :-D

  2. zark
    zark ·

    Sehr gute Übersetzung!

  3. xxxanderrr
    xxxanderrr ·

    @zark: lol danke, ich hab's ja im Original geschrieben ;))

    und jo, festbrennweiten sind einfach GEIL. Ich liebe mein F1.4 Hexanon.
    Einer der Gründe warum ich bei der LC-Wide zögere - scheiß 4.5 Blende..

  4. maggiesue
    maggiesue ·

    schöner artikel.wieder was gelernt.danke :)

  5. patriciapetunia
    patriciapetunia ·

    also die schwarz weiß fotos sehen so nach shift objektiv aus. kriegt man das echt nur mit der blenden einstellung hin???

  6. xxxanderrr
    xxxanderrr ·

    Ist alles nur die 1.4er Blende.
    Es kommt noch hinzu, dass es eine "Miniatur" Welt ist - die berühmte Miniatur Wunderland in Hamburg. Sind also alles "Close-up" Aufnahmen. Aber die Schärfentiefe ist wirklich nur der Blende zu verdanken

  7. caroni
    caroni ·

    schöner artikel, ich kann jedem auch nur zu einer festbrennweite raten......so ein 1.4 ist schon klasse

  8. laurasulilly
    laurasulilly ·

    Ja, ich hab für meine Minolta x-700 ein 50mm mit 1.4er Blende und ich liiiiiieeebe meine 1.4er (auch die 2er und 2.8er die ich ja auch einstellen kann). Mein Fotokurs-Lehrer meinte ausserdem, dass Festobjektive meist bessere Bildqualität haben, weil dann nicht soviele Linsen hintereinander geschaltet werden müssen (oder so ähnlich) und vor allem, dass man dann ein Auge bzw. Gefühl für die jeweilige Brennweite entwickelt- das wär bei mir dann das 50mm-Gefühl :)

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