Das Element der Überraschung beim Fotografieren und Nachbearbeiten

Die Kontrolle zu verlieren kann unersichtliche Wahrheiten aufdecken und erlaubt der Kunst besser zu sein, als erwartet. Es gibt die analogen Fotografiertechniken, die wir kennen und lieben, aber es gibt auch Wege, wie man einen digitalen Druck manipulieren kann, um einen ähnlichen Nervenkitzel und eine vergleichbare Begeisterung hervorzurufen.

“Überrasche mich.” Daran lag der ganze Spaß der Fotografie, als ich damals in der High School damit begann. Meine Freunde und ich wagten uns in Dunkelkammern und belichteten 35mm Filme mit Blitz und waren ganz verblüfft, wie die Fotos entwickelt aussahen. Es war witzig und aufregend und manchmal entdeckten wir eine Art von kosmischer Wahrheit, zum Beispiel fanden wir heraus, dass Gebäude Seelen haben.

Im Moment hab ich zwei digitale und vier analoge Kamera, davon ist eine die Diana F+. Wenn ich die Diana fallen lasse oder versehentlich eine Doppelbelichtung mache oder meine Kinder den Auslöser drücken, wenn ich nicht hinsehe oder wenn der Film nicht straff genug aufgezogen wird, so dass Lightleaks entstehen – dann machte all das die Bilder besser als jemals erwartet. Weil Phoenix – meine Heimatstadt – so viel Sonne abbekommt, brennen sich die Zahlen auf dem Film auf die Bilder. Bei einem Bild war vor kurzem eine “666” darauf, oder vielleicht war es auch eine “999”. Diese Zahlen sind unwiderruflich auf das Bild gebrannt. Ich habe gelernt, diese glücklichen Zufälle zu akzeptieren, so dass ich auch meine Scans nicht nachbearbeite, wenn sie Kratzer oder Staub aufweisen.

Die Liebe zur analogen Fotografie muss nicht an Filmfotografie gebunden sein. Auch Nachbearbeitung kann man als analog ansehen, selbst wenn es sich um ein digitales Bild handelt, wenn man es so sieht, dass die Bilder reines Rohmaterial sind. Digitale Negative können für analoges Kontaktabzugsverfahren wie Cyanotypien und Van Dykes benutzt werden — alles, was man braucht ist eine Folie, die man durch einen Drucker oder Xerox Maschine laufen lässt. Collagen und Fotomontagen kann man auch ganz traditionell mit einer Schere und einem Kleber erstellen, dazu braucht es kein Photoshop.

Ich bekam kürzlich einen Hinweis von einer befreundeten Schauspielerin, die mir gelernt hat, dass wenn du die Leute glauben machen willst, dass du schreist, musst du auch tatsächlich schreien. Ein einfaches Konzept. Ich übertrug das Konzept auf andere Bereiche, wenn Leute mit unbekannten Kräften interagieren — die unsichtbaren Kräfte, die uns manipulieren: Dinge, die wir “Glück”, “Schicksal” oder “Fügung” nennen. Vielleicht könnten wir diese Kräfte kontrollieren, statt das sie uns kontrollieren, wenn wir verstehen würden, dass es sie gibt?

Eine Art, wie ich die Arbeiten für diese Serie erstellt hab, war den Abzug eines digitalen Bildes zu nehmen und Stickereien daran anzubringen — Stricke, die an einem Model ziehen, mentale Wellen, die von ihrem Schädel ausströmen, visualisierte Klänge und Energie bildhaft dargestellt. Neben den ähnlichen Linien, nahm ich auch ein paar Abzüge und fror sie in einer dünnen Schicht aus Wasser mit Schmutz und Schutt ein. Als es gut gefroren war, hab ich Brüche in die Oberfläche gemacht und alles nochmal abfotografiert. Ich glaube, diesen Effekt hätte ich mit Photoshop nicht hin bekommen. Es ist eine Überraschung, eine Offenbahrung, wie die Dinge durch Tugendhaftigkeit, Handarbeit und physikalische Manipulierung herauskommen.

Ich glaube ganz ernsthaft, dass ein gewisses analoges, ästhetisches Level in unserem Leben notwendig ist. Es sind die unperfekten, organischen Arbeiten, die graziös altern, Unterhaltungen zwischen Fans und Betrachtern auslösen und die Erschaffer begeistern und überraschen.

written by dbmillerphoto on 2011-11-25 #lifestyle #35mm #kunst #frozen #lomography #diana-f #uberraschung #fotografie #analogue-lifestyle #art-photography
translated by wolkers

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