Ein Jahr analoge Liebe...

Vor ungefähr einem Jahr fing es bei mir an…. mein Herz fing an, analog zu schlagen.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich meine erste analoge Kamera in einer Zeitschrift entdeckte. Ich sah die rote Holga CFN und ich wusste genau, die musst du haben!
Zu dem Zeitpunkt wusste ich weder etwas über Rollfilme, noch über Lomografie. Ich sah sie einfach nur an und war sofort verliebt. Mir war es egal, was diese Kamera für Fotos machen konnte und auch, ob ich mit ihr überhaupt klar kommen würde.
Mich faszinierte einfach ihre andere Art im Gegensatz zu digitalen Kameras. Diese schrille Farbe, diese Klobigkeit und doch der Charakter eines Spielzeuges.
Also setzte ich mich vor den Computer und begann im Internet nach ihr zu suchen. Bald darauf fand ich eine Seite, wo man diese Kameras bestellen kann (aber nicht den Lomo-Shop, davon wusste ich noch immer nichts). Ich fackelte nicht lange und schon war meine erste analoge Kamera bestellt und auf dem Weg zu mir.

Erst danach wurde mir bewusst, dass ich von dieser Kamera gar nichts weiß. Ich begann, weiter zu forschen und entdeckte wunderschöne quadratische Bilder mit leuchtenden Farben und die allerschönsten Vignetten. Ich konnte es kaum noch abwarten, die Kamera endlich zu benutzen.

Als sie dann schließlich ankam, öffnete ich das Päckchen, öffnete die Kamera und – die erste Ernüchterung! Normale 35mm-Patronen, wie ich sie noch aus Kindertagen kenne, schienen hier nicht reinzupassen. Ich las die Bedienungsanleitung und fand heraus, dass diese Kamera mit Rollfilm zu benutzen war. Was zum Teufel war Rollfilm?
Also wieder vor den Computer gesetzt und weiter recherchiert. Dabei fand ich dann auch gleichzeitig heraus, wie man einen 35mm Film in dieser Kamera verwenden kann. Also bestellte ich eine Packung Fuji Reala 100 ISO Rollfilme, ohne darauf zu achten, wie die Fotos damit aussehen könnten, und lud, weil ich es nicht abwarten konnte, bis sie da waren, einen alten Kodak Color 35mm Film, den ich bei meinen Eltern gefunden hatte, in die Kamera. Ich verklebte sie ordentlich mit dem Isolierband und begann meine ersten Fotos mit meiner neuen Holga zu schießen.
Ich blätterte noch ein bisschen durch das mitgelieferte Buch und erfreute mich der bunten Bilder und vielen schönen Ideen und wusste, das ist genau mein Ding.

Bald war der Film voll und ich brachte ihn in das städtische Fotolabor zum Entwickeln. Ich konnte es kaum abwarten, sie nach zwei Tagen wieder zu holen und war voller Erwartungen an leuchtende und satte Farben. Ich hatte auch Abzüge machen lassen, ohne zu wissen, dass die Fotos auf den Filmen keinen Standartmaßen entsprachen.
Als ich dann schließlich im Fotoladen stand und mir die Abzüge anguckte, hätte ich fast geheult. Zerstückelte Bilder, ein Grauschleier, der sich über den ganzen Film zu legen schien, und die Doppelbelichtungen – meine Güte, man erkannte gar nichts! Zu guter Letzt hatte sich auch noch der Schwamm aus der einen Kammer beim Aufwickeln in den Film gewickelt, wodurch auf manchen Bildern schwarze Flecken entstanden.

Völlig enttäuscht kam ich zu Hause an und wollte gar nichts mehr von der Holga wissen, hatte sie mich doch so enttäuscht.

Allerdings kamen am Tag darauf die frischen Rollfilme und ich versuchte doch noch mal mein Glück. Die gelangen mir dann auch tatsächlich schon ein bisschen besser, dennoch fehlten immer noch diese leuchtenden Farben.

Bald darauf stieß ich dann endlich auf die Lomography-Community und las mich hier schlau über ISO-Werte, pushen Cross-Prozesse. Davon sind die Farben also so schön! Inzwischen hatte ich meinen Freund auch von der analogen Fotografie überzeugt. Er machte sich ein bisschen schlau und schon bald darauf bestellte er seine erste Kamera und ich mir ein paar Filme.
Darunter auch den Kodak Ektarchrome 64T. Den nahm ich mit in den Rom-Urlaub und es war der erste Film, mit dem ich wirklich zufrieden war.

Endlich die Blautönung in den Bilder, satte Farben und die Vignetten.
Von da an waren wir Feuer und Flamme für die Lomografie.

Bald schon folgten die nächsten Kameras: die Spinner 360°, die Sprocket Rocket, eine Fisheye und zur Krönung eine alte Lomo LC-A, welche wir uns alle teilen.
Auch ein Scanner konnte nun nicht mehr lange auf sich warten lassen, die extremen Formate von Sprocket Rocket und Spinner kann man auf Abzügen vergessen.

In meinem ersten Jahr Lomografie habe ich viel erlebt, aber vor allem auch gelernt.
Aus vielen Enttäuschungen, die ein bisschen Unüberlegtheit und Unvorsichtigkeit eben mit sich bringt, entstanden viele Erkenntnisse:

1. Lasse den Schalter niemals auf B, nachdem du Langzeitbelichtungen gemacht hast. Damit habe ich schon einen halben Film verloren. Gleißendes Sonnenlicht macht sich damit nicht so gut.

2. Vergiss niemals, den Objektivdeckel abzunehmen, der Film bleibt völlig schwarz.

3. Überschätze nie die Lichttoleranz eines Filmes! 100 ISO funktioniert nicht mit Low-Light Situationen.

4. Liebe die Lightleaks, sie sind das beste, was deinen Fotos passieren kann.

5. Lasse den Film im Zweifelsfall lieber nicht schneiden, die Labore könnten die Negative schnell zerstören.

6. Ungewollte Doppelbelichtungen sind manchmal gar nicht so schlecht.

7. Erwarte niemals zu viel von deinen kleinen Experimenten. Wenn du dir die tollsten Ergebnisse erwartest, werden sie ganz anders.

Nach so viel scheitern gab es jedoch immer wieder Fotos, für die es sich gelohnt hat, so viel Herzblut ins Fotografieren zu stecken und ich will diese analoge Welt nicht mehr missen.

In der letzten Zeit gab es dann auch nicht mehr so viele Enttäuschungen. Man lernt seine Kameras und ihre Macken, Stärken und Schwächen schnell kennen, lieben und sie richtig einzusetzen.

Was mir jetzt nur noch Bauchschmerzen bereitet, sind die Fotolabore. Hier mal was falsch entwickelt, zerschnitten und den Film verschlampt. Meine schönen Nizza-Bilder weg für alle Zeiten? Das will ich nicht hinnehmen! Also hofft mit mir, dass sie schnell wieder auftauchen und ich sie hier mit euch teilen kann.

Auf noch viele weitere Jahre analoge Fotografie!

written by wolkenmaedchen on 2011-10-20 #lifestyle #analog #cross #holga #erfahrung #missgeschick #anfang

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