Die unaufhörliche Träumerin in den roten Stiefeln: Wendy Graham

“Das Gefühl, wenn ein Bild so viel schöner raus kommt, wie du dachtest oder wenn du bemerkst, dass du im Hintergrund etwas aufgenommen hast, dass du gar nicht gesehen hattest, als du das Foto machtest; das Gefühl ist so besonders und es kann nicht von der dauernden Befriedigung nachgeahmt werden, die einem die digitale Fotografie verschafft.”

Erzähl uns etwas von dir.

Ich heiße Wendy, ich bin in meinen späten Zwanzigern und ich lebe im ländlichen Schottland in der Nähe von Edinburgh mit meinem Freund und meinem grauen, afrikanischen Papagei.
In der Arbeit fördere ich Radsport, aber in meiner raren Freizeit schreibe ich noch den Blog ‘Red Boots’ – www.red-boots.blogspot.com (=Rote Stiefel) – dort schreibe ich über mein Leben in Edinburgh und stelle die Fotos rein, die ich gemacht habe.

Wie und wann hast du mit dem Fotografieren begonnen? Was war deine erste Kamera?

Mein Vater war immer schon ein sehr produktiver Fotograf, besonders bei Familienurlauben, wo man ihn kaum ohne seine vertrauenswürdige Spiegelreflexkamera sah.
Insofern ich ein Papa-Mädchen war, wollte ich eine Kamera damit ich so sein könnte, wie er.
Bei einem Familienurlaub nach Portugal, als ich so ungefähr sechs Jahre war, war ich hin und weg als mein Vater mir eine kleine rote 110 Filmkamera schenkte. Ich war in meinem Element und verbrachte den ganzen Urlaub damit, Eidechsen zu fotografieren, die sich an die Villa heran trauten, in der wir wohnten. Und die Pfauen, die in unseren Garten stolzierten, auch die hab ich fotografiert.
In den nächsten Jahren blieb ich beim 110 Film, weil er leicht zum Einlegen ist. Als ich 12 Jahre alt war, machte ich mich an 35mm Film heran. In meiner Teenagerzeit und meinen frühen Zwanzigern hatte ich eine Fotografiepause, aber vor ein paar Jahren kaufte ich eine Holga, inspiriert durch die Blogs die ich las, die meine Leidenschaft zur Filmfotografie wieder aufleben ließen.

Beschreib deinen Fotografierstil. Was sind üblicherweise deine Bildobjekte und -themen?

Mein Stil ist sehr frei, alles geht. Ich versuch nicht viel nachzudenken, wenn ich ein Bild mache.
Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, packe ich einfach meine Kamera aus, mache ein Bild und vertraue meinen Instinkten, dass es okay wird. Meine liebsten Bildobjekte sind Gebäude, weil ich mich von schöner Architektur so inspiriert fühle. Ich mache auch richtig gerne Bilder von Jahrmarktsplätzen, weil ich finde, dass ihre natürliche Skurrilität gut zur Holga passt. Und wenn ich auf Reisen gehe, nehme ich freilich meine Holga mit, denn in Schottland ist das strahlende Sonnenlicht leider begrenzt. Meine Holga macht sich aber großartig im Sonnenschein und gab eine hervorragende Leistung in Marokko ab.
Allerdings muss ich sagen, ich bin in keinster Weise einschränkend was meine Bildobjekte angeht: wenn ich etwas Schönes sehe oder etwas, von dem ich glaube, dass es sich als Bildobjekt gut mache, versuche ich es. Fotografie kann man einfach nicht aus einem Buch lernen – es dreht sich alles um das Experiment und die Fehler, und dass man aus seinen Fehlern und Erfolgen lernt.
Man kann nur lernen Fotos zu machen, indem man immer mehr Fotos macht!

Unter deinen zahllosen Filmfotografien, was ist dein liebstes?

Ich liebe dieses Bild, das ich von einer Riesenrutsche am Weihnachtsjahrmarkt in Princess Street Garden in Edinburgh letztes Jahr gemacht habe. Es war ein schöner sonniger Tag mitten im Winter und die Riesenrutsche setzte sich großartige vom tiefblauen Himmel ab.
Ich nahm meine Holga raus und legte los.
Ich verwendete meine Holga 120CFN und Kodak Portra Vivid Colour Film. Ich finde das Bild zeigt die verträumte Persönlichkeit der Holga .

Wenn deine Fotografien einen Soundtrack hätten, was wäre dieser?

Ich fotografiere meistens mit meiner Holga, deshalb haben viele Bilder diese verwaschene, vignettierte traumartige Atmosphäre. Deshalb wähle ich so etwas wie Boards of Canada (www.boardsofcanada.com), das wäre der fotografische Soundtrack meiner Wahl, denn ich finde, die Musik entspricht am ehesten dem Zustand in einem Tagtraum.

Wir alle haben unsere Idole; welchen Fotografen bewunderst du? Wer oder was sind Einfluss auf deinen fotografischen Stil?

Ich bewundere wirklich die Fotografien anderer Blogger und benutze diese als Inspiration.
Im Vereinigten Königreich finde ich Rhianne von dem Blog For the Easily Distracted (www.fortheeasilydistracted.blogspot.com) absolut anbetungswürdig. Sie stellt immer grandiose Filmfotos rein und hat eine beeindruckende Kamerasammlung. Übersee gefällt mir Rockstar Diaries (www.tazaandhusband.com) unheimlich gut. Naomis schöne Holgas und Dianas brachten mich erst so richtig auf die Spur von Lomography.

Wenn du von irgendwem ein Porträt mit einer Filmkamera machen könntest (egal ob lebendig oder tot), wer wäre es? Welche Kamera würdest du dafür nehmen und warum?

Porträtfotografie ist wahrlich nicht meine Stärke – das ist definitiv etwas an dem ich ganz viel üben muss! Trotzdem würde ich mir die Chance nicht entgehen lassen, die Sängerin Natasha Khan der Band Bat for Lashes (www.batforlashes.com) zu fotografieren. Sie ist so ein atemberaubendes und fesselnd schönes Mädchen. Ihre Musik und Stil scheinen aus einer anderen Welt zu sein und ich denke die Holga würde sie und ihre Persönlichkeit treffend darstellen.

Analog vs. Digital. Was macht die analoge Filmfotografie besonders und damit besser als digitale Fotografie?

Nun die digitale Fotografie hat definitiv ihren Platz in unserer Welt, aber da ist nicht diese Magie und Vorfreude, die dir mit analoger Fotografie geboten wird. Sobald du auf Film fotografierst, weißt du nicht, wie die Bilder werden. Damit ist die Vorfreude beim Warten auf deine Bilder, bis sie entwickelt aus dem Labor kommen, wie damals das Warten auf Weihnachten! Das Gefühl, wenn ein Bild so viel schöner rauskommt, wie du dachtest oder wenn du bemerkst, dass du im Hintergrund etwas aufgenommen hast, dass du gar nicht gesehen hattest, als du das Foto machtest; das Gefühl ist so besonders und es kann nicht von der dauernden Befriedigung nachgeahmt werden, die einem die digitale Fotografie verschafft.

Besitzt du Lomography Kameras? Welche magst du am liebsten? Welche Lomografische Kamera hättest du gerne und warum?

Ich habe eine rote Holga 120 CFN – das ist die einzige Lomography Kamera, die ich besitze, aber ich würde wahnsinnig gerne die Blackbird Fly und die Diana ausprobieren. Ich würde auch eine L-CA+ toll finden, aber das mit den Kosten ist bei mir heikel!

Viele Leute beschäftigen sich heutzutage mit Fotografie. Was würdest du ihnen Inspirierendes mit auf den Weg geben?

Die beste Art Inspiration zu finden, ist in die Online Fotografiegemeinde einzusteigen. Zeig deine Bilder online, lies Blog und Seiten von Fotografen, die du toll findest. Mische dich in Diskussionen online ein. Wenn du nach all dem immer noch deine Inspiration zu schaffen macht, schnapp dir deine Kamera und lauf in deiner Nachbarschaft umher.

Abgesehen von Red Boots, gibt es da andere kreative online oder offline Projekte? Wenn nicht, welche anderen kreativen Ziele würdest du gerne verfolgen?

Ich arbeite Vollzeit, renoviere gerade unser altes Haus und erweitere unsere Familie (unser erste Kind kommt im Dezember), deshalb habe ich im Moment kaum Zeit für kreative Ziele. Bloggen und Fotografieren passen gut zu mir, denn das kann ich je nach den Bedürfnissen und Anforderungen meines Lebens einrichten. Wenn es mir meine freie Zeit erlaubt, würde ich gerne mehr Fotografieren, vor allem in die Richtung Lomography und Spiegelreflex-Fotografie – analog und digital – , und ich hab meine eigene kleine Dunkelkammer. Ich würde auch gerne was Richtung Grafikdesign machen. Mein Freund ist Grafikdesigner und er hat mir versprochen, mir die Grundlagen zu zeigen. Wir werden also sehen, was daraus wird.

Weitere Informationen:

www.red-boots.blogspot.com
twitter.com/redbootsblog

written by basterda on 2011-09-05 #lifestyle #interviews #fotografen #wendy-graham #top-bloggers
translated by wolkers

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