songs from a room // sofar sounds - Wohnzimmermusik in Berlin

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Konzerte sollten ein intimes Erlebnis sein. Wie könnten sie auch nicht? Es ist ja gerade die Magie, die zwischen Musiker und Publikum entsteht, welche den Abend unvergesslich machen kann. Weil sich die Musikbegeisterten den Klängen hingeben, die Musikschaffenden sich von dieser Hingabe tragen lassen. Diese Magie kann offenbar überall entstehen: in kleinen und verrauchten Clubs, in ausverkauften Fußballstadien, in Industrieruinen, Bars und – endlich – auch in den Wohnzimmern Berlins.

Was songs from a room in London schon seit mittlerweile zwei Jahren auf die Beine stellt, hat am 22.06.2011 den Weg in ein Wohnzimmer im Prenzlauer Berg gefunden. Das Prinzip dabei ist denkbar einfach: Aufstrebenden und (bisher) unbekannten Bands soll in einem privaten und kleinen Rahmen die Möglichkeit gegeben werden, sich mit jeweils vier Songs vorzustellen und die eigene Passion mit den eingeladenen Gästen zu teilen. Diese widerum bekommen die Möglichkeit dank des ausgezeichneten Musikgeschmacks der Veranstalter einem außergewöhnlichen Mini-Musikfestival beizuwohnen und wir von lowtape durften bei der Premiere dabei sein.

Die Vorfreude bei mir war gigantisch. Ich mag ja ohnehin kleine Clubs lieber als die großen Stadien, aber Live Musik in einem Wohnzimmer war was neues und schon der erste Auftritt bestätigte die Vermutung, dass ein fantastischer Abend bevorstand. Dominique Marquee eröffnete und auch wenn sie beim Dialog mit den geschätzten 60 oder 70 Leuten etwas nervös klang, raubte sie beim Singen jedem einzelnen den Atem. Sie selber wechselte zwischen akustischer Klampfe sowie E-Gitarre und ihr Kollege am Bass sorgte für das rhythmische Gefühl im Bauch, wenn die dicken Saiten gezupft wurden. Vier Songs lang verzauberte sie mit ihrer Stimme, einem Gastauftritt vom ebenfalls großartigen Sänger Wellbad, bewegte das Publikum zum spontanen Mitsingen beim Refrain von Monstas und sorgte für einen Auftakt, der traumhafter nicht hätte sein können. Als nächstes betrat die Künstlerin namens Schmidt die Bretter, die die Musikwelt bedeuten. Da ihre eigentliche Band noch in London herumlungerte, halfen ihr drei Freunde an Gitarre, Bass und Schlagzeug aus. Mit ihr wurde es ein klein wenig countrylastiger, dabei natürlich keineswegs weniger fabelhaft. In Lederjacke faszinierte sie mit einer Gestik, die zweifelsohne bewies, dass sie problemlos eine Bühne und das davor sitzende Publikum beherrschen konnte. Aktuell ist sie dabei in London ihre Platte aufzunehmen bzw. zu vollenden und so darf man sich auf ein hoffentlich bald erscheinendes großartiges Stück Musik freuen.

Nach einer viertelstündigen Pause ging es mit dem Quartett rund um Ben Galliers weiter, der begleitet von Keyboard, Kontrabass, Gitarre und wahlweise Glockenspiel oder Mandoline dem hohen Kunstwerk des Songschreibers frönt. Dazu schmeißen die in Hamburg situierten Jungs immer mal wieder ne Prise Swing in den Raum und sind dabei so dermaßen unterhaltsam wie ungekünstelt. Ein spontaner Spaziergang mitten durch die Menge (hatte ich den wirklich großen Kontrabass erwähnt?) rundete den Auftritt der unbestritten stilvoll angezogenen Jungs grandios ab und so war die Bühne frei für die aus Kassel angereiste Hip Hop Combo von Unterwegs. Und – mein lieber Scholli – was da an Beatboxing geboten wurde, lässt sich kaum in Worte fassen. Da sind Geräusche durch das Wohnzimmer geflogen, zu denen auf einmal was von Michael Jackson untergemischt wurde (alles mit dem Mund am Mikro, versteht sich), dass es eine helle Freude war. Unterstützt durch Henning Wehland (ja, genau: rising high…) und dem Bassisten von Dominique Marquee, der dieses Mal als “mitgebrachte Gitarre” fungierte, wurde dem Abend mit einer handvoll Tracks ein Stück deutscher Hip Hop zugefügt, der vielleicht deplatziert klingt, aber einen wirklich krönenden Abschluss darstellte.

Im Grunde ist es unbefriedigend über so einen Abend zu schreiben, denn man findet kaum die richtigen Worte und er spottet ohnehin jeglicher Beschreibung. Aber dieses Mal gilt mehr denn je das spread the word Prinzip, denn es wäre eine Schande, wenn songs from a room in Berlin aufgrund mangelnder Unterstützung kein weiteres zu Hause finden würde. Genauso schändlich wäre es übrigens, sich nicht über die über alle Maßen wunderbaren Künstler zu informieren, deswegen anbei nochmal die mir bekannten Seiten im Netz sowie etwas Songmaterial zum reinhören.

Und ach ja, bevor ich es vergesse: Wer ein Wohnzimmer mit genügend Platz für ein paar Menschen hat und sich denkt: “Mein zu Hause soll der Hort wunderbarer Klänge werden!”, der möge sich einfach melden. Es winken ewiger Ruhm, Dank und jede Menge Liebe!

Mehr Infos zu den Musikern unter:
Dominique Marquee
Schmidt
Ben Galliers
Unterwegs

lowtape ist ein deutschsprachiger Blog über den zwar teils recht unterschiedlichen, aber sich deswegen wunderbar ergänzenden Musikgeschmack der wunderbaren zonderbar, des grandiosen electroswing und des bescheidenen emmasknopf. Ihr findet lowtape natürlich auch bei Facebook.

written by emmasknopf on 2011-06-27 #music #lifestyle #cross #minolta #x-pro #musik #konzert #wohnzimmer #lowtape-com #sofar-sounds #songs-from-a-room

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3 Comments

  1. spoeker
    spoeker ·

    ich hätte nen großen Balkon im Angebot, mit Türen zum Schlafzimmer und Wohnzimmer, man könnte also einige leute unterbringen, allerdings in Köln ;)

  2. emmasknopf
    emmasknopf ·

    Ich kann ja mal anfragen, ob ein großer Balkon in Köln auch ginge :-D

  3. takitani
    takitani ·

    Big like! Super Fotos!

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