Stop-Motion-Technik oder: Analoge Animation

1

Jan Švankmajer – nur wenige werden ihn kennen – ist bekannt für seine wunderbar surrealistischen Animationsfilme, allen voran für “Něco z Alenky” (deu.: Alice; 1988), eine Adaption von Lewis Carrols Alice im Wunderland sowie für die Adaption von Goethes Faust. So, nun wie funktioniert Stop-Motion eigentlich? Die meisten werden es wissen: Ein Objekt, zum Beispiel eine Puppe, wird Bild für Bild fotografiert und jedes Mal ein Stück weiter bewegt; zusammen ergeben die Bilder die optische Täuschung von Bewegung.

Stop-Motion: Viele werden sich daran erinnern, wie der fleischlose Terminator im Finale vor sich hin humpelte. Ich empfehle den Film immer im Orginalton anzuschauen: Bei Schwarzeneggers starkem Akzent fragt man sich, wie der Film überhaupt so bekannt werden konnte, und man weiß sofort, wieso seine Stimme synchronisiert wurde :)

Ein viel angenehmeres Beispiel für Stop-Motion ist der Sandmann; wer kennt ihn nicht, und die Kinder, die das Lied “Sandmann lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit…” singen. Wie man sieht findet sich Stop-Motion in allen Bereichen – egal welches Extrem. Ob mit Knete, Lego oder Marionetten, im Internet findet man viele Videos, die mit Hilfe der Stop-Motion-Technik erstellt worden sind – professionell oder von Hobbyfilmemachern. Heute kann jeder solche Videos produzieren, einzige Voraussetzungen sind eine Kamera, der Einfachheit halber zumeist eine digitale, ein Computerprogramm, mit welchem man die Bilder zu einem Film ordnen kann, und natürlich sehr viel Zeit: 12-24 Bilder braucht man für eine Sekunde, je nachdem wie flüssig man die Bewegungen haben möchten. Man kann sich also vorstellen wie aufwendig es ist, einen solchen Film zu produzieren, vor allem wenn es um Szenen geht, in der mehr als nur eine Person agiert.

Die Stop-Motion-Technik lässt sich auf Albert E. Smith und J. Stuar Blackton zurückführen, die 1897 (!) den Film “The Humpty Dumpty Circus” produzierten, bei welchem ein Spielzeugzirkus zum leben erwacht. Und mit welchen Kameras hat man die Bilder gemacht? Natürlich, mit analogen Kameras!

Jan Švankmajer, 1934 in Prag geboren, ist ebenfalls einer derjenigen, die mit der Stop-Motion-Technik arbeiten. Genaugenomen vermischt er Schauspiel, Marionettentheater und Stop-Motion miteinander. Zu den bekanntesten seiner Werke zählen “Něco z Alenky” (deu.: Alice; 1988) und die Adaption von Goethes Faust im Jahre 1994. Im Film Alice wurde sogar, bis auf die Alice, alles mit Stop-Motion animiert.

Bilder aus “Něco z Alenky” (deu.: Alice; 1988)
Das Titelbild zeigt ebenfalls einen Ausschnitt aus Alice; wer kann das wohl sein? :)

Seine jüngste Veröffentlichung Šílení ist ein Gruselfilm nach Edgar Allan Poe und dem Marquis de Sade – eine interessante und hoch explosive Mischung also. Der tschechische Künstler Jan Švankmajer, u.a. auch Maler und Poet, der zunächst angewandte Kunst und dann Marionettentheater studierte, übte unter anderem Einfluss auf Tim Burton und Terry Gillam aus. Unverkennbar, wie ich finde. Ähnlich düster -wenngleich nicht immer farblich -, ähnlich verquer und ähnlich surrealistisch (ich persönlich muss auch immer an Bilder von Edgar Ende (dem Vater von Michael Ende) denken, wenn ich seine Filme sehe).

Also, wer Lust auf hausgemachten und verträglichen Grusel á la “le surréalisme” hat, dem empfehle ich Jan Švankmajer. Viel Spaß beim schauen!

Und sollte jemand den Film “The Humpty Dumpty Circus” im Internet finde – mir ist es nicht gelungen-, so möge er sein Geheimnis mit uns teilen :)

Bilder aus Faust(1994)

Quellen und Links
Die Hintergrundinformationen wurden Wikipedia entnommen, siehe dazu folgende Links:
Artikel zu Jan Švankmajer
Stop-Motion

Trailer und Filmausschnitte:
Faust
Alice

written by 12_12 on 2011-10-19 #lifestyle #technique #analoge #technik #stop-motion #jan-svankmajer #analoge-lifestyle

One Comment

  1. kumquatquat
    kumquatquat ·

    Něco z Alenky ist einer meiner Lieblingsfilme!!!!! :)

More Interesting Articles