Die Entstehung der Avant-Garde Fotografie

Dem Mainstream den Finger zeigend versuchte sich die Avant-Garde-Bewegung an der Entdeckung neuer Konzepte, vergaß Traditionelles und entfernte sich von der Norm.

“Tears” von Man Ray (1930)

Avant-Garde-Fotografie blühte in den 1920er-1930er auf, als surrealistische Fotografen die Kamera als ein Werkzeug entdeckten, um Grafiken zu erstellen, die die Grenzen des Unterbewusstseins erlangen. Der wahrscheinlich gefeierteste Fotograf dieser Bewegung ist Man Ray, Pionier in der Technik der Rayographien. Dabei werden Objekte wie Löffel oder Perlenketten auf Fotopapier gelegt und dem Licht ausgesetzt. Während surrealistische Fotografen bevorzugten, “aus der Hüfte zu schießen” (Fotos machen, ohne durch den Sucher zu schauen – das klingt doch irgendwie bekannt, nicht!?), wirdmete sich Man Ray weiterhin der Entdeckung seiner kameralosen Fotografie.

Die Technik war nicht von Man Ray selbst entwickelt. Dadakünstler Christian Schad kreierte Schadographien (ein vom Avant-Garde-Poeten Tristan Tzara geprägter Begriff), indem er verschiedene Elemente wie Papierstückchen und Müll auf lichtempfindliche Platten legte, sie mit einer Glasscheibe abdeckte und das ganze dem Licht aussetzte. Während die meisten denken, das Wort “Schadographie” käme von Schads Namen, glauben manche es käme vom deutschen Wort “Schaden” und daher, dass er Abfall und unbrauchbare Objekte in seine Arbeit einbaute.

“Schadografia Nr 2” von Christian Schad (1919)

Der ungarische Maler und Fotograf (und am wichtigsten, Lehrer am Bauhaus) László Moholy-Nagy spielte auch mit dieser Idee, welche er Fotogramme nannte. Er benutzte Objekte mit eher industriellem Hintergrund, so wie die konstruktivistische Bewegung. Er beschränkte sich nicht auf feste Gegenstände sondern experimentierte mit Flüssigkeiten, Kristallen und Linsen, um die Geheimnisse verschiedener Lichteffekte zu ergründen.

“Photogramm No.II” von László Moholy-Nagy (1929)

Fotografieclubs waren sehr hilfreich dabei, die Avant-Garde-Fotografie zu verbreiten. Alfred Stieglitz verbreitete die Bewegung im Camera Club of New York, indem er seine Kollegen dazu ermutigte, den Clubnewsletter in ein Magazin namens “Camera Notes” umzuwandeln. Daraus wurde eine angesehene Publikation, in welcher die besten Fotos und großartige Artikel verbreitet wurden.

In San Francisco gründete der amerikanische Filmemacher und Fotograf Willard Van Dyke die Group f/64, unter deren Mitgliedern sich Ansel Adams und Imogen Cunningham befanden. Sie hatten den gleichen fotografischen Stil – scharf und sorgfältig komponiert. Eine Revolte gegen den weich fokussierten Look, der Anfang des 20. Jahrhunderts so populär war. Unnötig zu sagen, dass der Name der Gruppe auf der Blendenzahl beruht, die beste Auflösung mit Tiefenschärfe kombiniert.

Auch in Asien war man nicht untätig. Japans berühmter Fotograf Kiyoshi Koishi war Mitglied des Naniwa Fotografieclubs und Pionier der japanischen modernen Fotografie. Berühmt wurde er für seine surrealistischen Bilder, die er mit Fotomontagen und Fotogramm-Techniken fertigte.

“Drunken Dream Fatigue” von Kiyoshi Koishi

Der japanische Fotograf/Filmemacher Eikoh Hosoe war für die psychologische Wirkung seiner Bilder angesehen und trat verschiedenen Künstlergruppen bei, um mit anderen Avant-Garde-Künstlern zusammenarbeiten zu können.

von Eikoh Hosoe

Heute gibt es die Wiederauferstehung der Plastikkameras. Von der Diana aus den 60ern, der Holga aus den 80ern und den verschiedensten Point & Shoot- Knipsen bis zur Bildmanipulation durch alle denkbaren Techniken und Kniffe. Die experimentelle Fotografie ist inzwischen zugänglich für jeden!

Quellen:
http://www.raster.art.pl/schad/
http://artblart.wordpress.com/
http://en.wikipedia.org/wiki/Experimental_photography
http://www.photograms.org/index.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Eikoh_Hosoe

Besonderer Dank gilt Fookshit :)

written by shhquiet on 2011-04-16 #lifestyle #kunst #geschichte #avant-garde #entstehung
translated by hippiekacke

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