Lomografico ergo sum

Ich war ein armer Tropf, verloren, einsam, im Grunde nicht mehr zu retten. Ich nahm die Umwelt nur noch flüchtig wahr, was dazu führte, dass sie mich genauso wahrnahm und so war ich auf dem besten Wege quasi zu verschwinden oder wenigstens unsichtbar zu werden.

Die Schönheit der Welt flog an mir vorbei und weil ich ihrer nicht gewahr wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich eines Abends ins Bett gehen würde, nur um den Rest meines nahezu nicht vorhandenen Daseins lethargisch und auf dem Rücken liegend zu fristen.
Doch dann kam die Rettung: Das Schicksal spielte mir über Umwege eine weiße Diana Mini in die Hände…

Dem Einen oder Anderen dürfte die Aussage in der Überschrift durchaus bekannt vorkommen. Es ist der erste Grundsatz des Philosophen René Descartes, den er nach radikalen Zweifeln an der eigenen Erkenntnisfähigkeit als nicht weiter kritisierbares Fundament formulierte und natürlich auch methodisch begründete. “Da es ja ich bin, der lomografiert, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln.”

Und wie Recht er doch hatte. Kaum hatte ich diese analoge Schönheit in meinen Händen, löste sich der graue Schleier, der stets meinen Blick getrübt, der mich stets an mir selbst zweifeln ließ und ich fand mich wieder in einer immer währenden Explosion aus Farben, Nuancen, Körnung und quadratischen Bildern.
Ich war im Grunde neu geboren, sah meine Umwelt ab diesem Zeitpunkt mit anderen Augen, die mir erlaubten mich an der Existenz des Wunderbaren zu erquicken. Selbst die Orte, die tatsächlich grau waren, bildeten einen Kontrast, der alles drum herum noch strahlender erscheinen ließ und damit übten sie ihre eigene – manchmal vielleicht morbide – Anziehungskraft aus.
Wie konnte ich im Angesicht dieser neuen Welt noch zweifeln, dass ich tatsächlich bin?
Jede Betätigung des Auslösers, jede Doppelbelichtung, ja im Grunde sogar jeder Moment, in dem ich meine Diana nur auf ein Motiv richtete, war der unwiderlegbare Beweis meines eigenen Seins.

Seit dem hat meine Diana Mini ein wenig Gesellschaft bekommen.
Welche genau spielt im Grunde keine Rolle, denn sie alle haben etwas gemeinsam: Sie haben meine Sicht auf die Dinge verändert. Trete ich mit ihnen vor die Tür, liegt mir die Welt zu Füßen und möchte entdeckt werden – und das sind die Momente, in denen ich mich besonders lebendig fühle!

Im Übrigen: Ich weiß natürlich, dass der ursprüngliche Satz “Cogito ergo sum” hieß.
Aber uns alles ist ja bewusst, was der gute, alte Descartes damit eigentlich gemeint hat, nicht wahr?

written by emmasknopf on 2011-03-17 #lifestyle #wtf #lomo #descartes

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