Die Glienicker Brücke oder die „Agentenbrücke“

“Der Blick von der Glienicker Brücke wetteifert mit den schönsten Punkten der Welt” – Das soll einst Alexander von Humboldt gesagt haben.

Mitten in Parklandschaften, Hügeln, Seen, der Havel und Glienicker Lake, der Sakrower Heilandskirche sowie den Schlössern in Potsdam, ist sie eingebettet. Dieses Landschafts- und Gebäudeensemble wurde hauptsächlich von Lenné und Schinkel gestaltet und wurde im Jahre 1990 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Der Anfang

Die erste Glienicker Brücke war eine schlichte Holzbrücke, ca. 300 Schritte lang.
1777 wurde sie durch eine weitere Holzbrücke ersetzt, die ein Geländer erhielt und in der Mitte mit einer Zugbrücke versehen war, um Schiffe durchlassen zu können.
Von der neuen Brücke dürften die Berliner damals wenig mitbekommen haben, lag sie doch fast über 25 Kilometer von der Stadtgrenze Berlins aus entfernt. Das war mit der Kutsche zu jener Zeit eine Tagesreise.

Der Nachfolger des “Alten Fritz”, Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) drängte darauf, die Strecke von Berlin, über die Glienicker Brücke hinweg, nach Potsdam zu einer preußischen Musterchaussee auszubauen. Sie entstand in den Jahren 1772-1795.

Die Holzbrücke war den steigenden Verkehrsanforderungen bald nicht mehr gewachsen, so dass sie durch eine massive, breitere Steinbrücke ersetzt wurde. Sie passte in so hervorragender Weise in die bereits erwähnte Potsdamer Parklandschaft, dass das Herz mancher Zeitgenossen bei ihrem Anblick schneller schlug.

An der Glienicker Brücke war der Verkehr inzwischen beträchtlich: An dieser Stelle fuhren in den Jahren 1900-1902 monatlich im Durchschnitt 11.400 Fuhrwerke über die Havel. Im Winter weniger, im Sommer wegen der Ausflügler entsprechend mehr. Dazu kamen in den Sommermonaten noch einmal bis zu 200 Autos täglich. Die Spitzenbelastung lag im Juni 1901 bei fast 24.000 Fahrzeugen

Die Stahlbrücke kam am 16. November 1907, dann wurde das Bauwerk dem Verkehr übergeben.

1945, kurz vor Kriegsende kam die populäre Brücke sogar noch zu Filmehren: In Helmut Käutners UFA-Streifen “Unter den Brücken”, der 1944/45 gedreht wurde.

Nach 1945

Wegen der Zerstörung Ende des Krieges, war die Brücke vorerst nicht passierbar.
1947 begann dann der Wiederaufbau der Eisen-Stahlkonstruktion. Parallel zur zerstörten Stahlkonstruktion wurde deshalb bis 1949 eine eilends errichtete Holzbrücke benutzt.
Am 19. Dezember 1949 war es soweit: Um 11 Uhr wurde das Bauwerk unter dem neuen Namen “Brücke der Einheit” feierlich eröffnet. Genau in der Mitte verlief der Grenzstrich zwischen der DDR und Berlin (West).

Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke

Seit Ende des 2. Weltkrieges verband und teilte die Glienicker Brücke zwei Welten.
Wer konnte von sich behaupten, der Osten liegt im „Westen“ (Potsdam) und der Westen liegt im „Osten“ (Berlin)? Überquert wurde die Brücke nach dem Mauerbau im August 1961 nur mit Sondergenehmigung und auch nur zu besonderen Anlässen oder illegal.

Die Bücke schaffte es mit nur drei Tagen in ihrer 300-jährigen Geschichte die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu lenken. In diesen drei Tagen wurden die Agenten von Ost und West gegeneinander ausgetauscht.
Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und weil hier keine Beeinträchtigung des Verkehrs – wie an anderen, “regulären” Grenzübergängen – zu befürchten war, eignete sie sich dazu perfekt. In den Jahren 1962, 1985 und 1986 wurden die spektakulären Austauschaktionen internationaler Agenten aus Ost und West durchgeführt.

Am 10.November 1989 wurde die Brücke für jeden geöffnet.

written by caroni on 2011-03-29 #places #landmark #location #sehenswurdigkeit #potsdam-glienicker-brucke-havel-diana-f-black-and-white-ddr-brd-grenze-border-agentenbrucke

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