Interview mit The Diceman

In den späten 90ern war Russel Harris der Star einer TV-Show mit einem ziemlich witzigen Konzept. Zusammen mit seinem Kameramann Shaun Fenton legte er mehr als 18.000 Meilen zurück. Wohin? Das lies er einen Würfel entscheiden. Es verschlug ihn an alle nur erdenklichen Orte, von Polen nach Island, über Deutschland nach Hawaii und von Dänemark bis in die USA. Das Ergebnis wurde in mehr als 60 Ländern ausgestrahlt. Erfahr mehr darüber, wie er seinem Leben Glück, Zufall und Überraschung überließ.

Hi Russel. Erzähl uns doch für den Anfang ein wenig über “The Diceman” und die Idee dahinter.

Die Idee kam mir, als ich mit einem Freund etwas Zeit in Frankreich verbrachte – Er hatte das Buch “The Diceman” von Luke Rhinehart dabei. In der Geschichte geht es um einen Psychiater, der von seinem Leben gelangweilt ist und daher beschließt, es fortan nur noch von einem Würfel und seinen Zufallsentscheidungen bestimmen zu lassen. Ich laß also das Buch und dachte sofort: das wäre Stoff für eine richtig gute TV-Show – die Idee ist so unberechenbar! Also dachten Shaun und ich uns das Konzept aus und landeten letztendlich bei 2 Regeln: 1. Wir stellen die Entscheidung des Würfels nicht in Frage und 2. brechen wir nie das Gesetz. Es ist schließlich fürs Fernsehen! Die Ideen für die Weiterreise kamen von Leuten, die wir auf unserer Tour trafen. Wir sprachen sie einfach auf der Straße an und fragten sie nach ihrer Meinung. Dann ließen wir den Würfel fallen und gingen dorthin, wohin er uns führte. Ich denke, der Reiz der Show lag in der Tatsache, dass sie einfach echt war – wir ließen einfach los und haben es durchgezogen. Ich denke, es hat die Leute träumen lassen. Leute aus den entlegensten Winkeln der Erde wie Polen und Neuseeland erzählten mir, dass sie sich die Show anschauen.

Was war die aufregenste Erfahrung, die du in dieser Zeit gemacht hast?

Wahrscheinlich 3-4 Stunden einen aktiven Vulkan auf den hawaiianischen Inseln zu besteigen – herabfließende Lavabäche eingeschlossen. Und der Tag vorher, an dem wir ankamen und unsere gesamte Filmausrüstung gestohlen wurde. Entsprechend bestiegen wir also den Vulkan mit diesem verdammt schweren Equipment, welches wir uns zuvor leihen mussten!

Gibt es die eine oder andere Würfelentscheidung, die du bereust?

Ich denke, wenn man den Zufall alle Entscheidungen treffen lässt, gibt es immer ein paar Möglichkeit, die man eigentlich lieber nicht in Betracht ziehen würde. Als wir auf der Isle of Man waren, entschied der Würfel, dass wir in ein Schloss gehen sollten um uns Geistergeschichten erzählen zu lassen – worauf ich mich nicht gerade gefreut habe. Aber es stellte sich für mich als eine der erinnerungswürdigsten Erfahrungen in der gesamten Sendung heraus. Zufälliges Glück ergibt sich einfach, wenn man ihm die Chance dazu gibt. Leben und Reisen mit dem Würfel ermöglicht dir einfach, Menschen und Situationen zu erleben, über die man sonst niemals gestolpert wäre.

Würdest du das alles wieder tun?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, ich würde es nicht mehr öffentlich machen, aber ich würde es einfach gerne wieder aus Spaß tun. Auch wenn ich jetzt bestimmt deutlich nervöser wäre, was einige der Situationen angeht, die wir in der Show erlebten…

Hat die Erfahrung dein weiteres Leben stark beeinflusst?

Nein, nicht wirklich. Ich hätte es eigentlich erwartet, aber in meinem Privatleben mag ich es, die Kontrolle über das zu haben, was mir widerfährt. Die Show gab mir einfach nur die Möglichkeit, die Dinge für eine gewisse Zeit ein bisschen anders anzugehen.

Warum denkst du, kann Zufall im Leben etwas erstrebenswertes sein?

Es befreit. Jeder Mensch macht Pläne für sein Leben und wenn wir älter werden, sichern wir uns in allem was wir tun immer mehr ab. Aber wenn man den Zufall in sein Leben lässt, kann man einfach neue, aussergewöhnliche Dinge erleben. Wenn du zu einem chinesischen Fast-Food Stand gehst und deine Essenswahl vom Würfel entscheiden lässt, wirst du am Ende etwas auf deinem Teller haben, was du sonst nicht bestellt hättest. Vielleicht wirst du es mögen, vielleicht auch nicht. In einer gewissen Art und Weise befreit der Würfel dich auch von Verantwortung. Wenn du etwas tust, was dir eigentlich keinen Spaß macht, schiebst du die Schuld einfach auf den Würfel. Auf der anderen Seite würde ich aber nicht empfehlen, sein ganzes Leben danach zu richten. Das könnte durchaus problematisch enden.

Wann ist dir das letzte mal Zufallsglück widerfahren?

Im normalen Leben? Ich würde sagen, Glück empfinde ich jeden Tag. Ich bin ein Glückskind! Aber ich denke, bei den relevanten Erfahrungen meines Lebens hat Glück keine besonders große Rolle gespielt. Ich habe nie im Lotto gewonnen oder etwas dergleichen. Eigentlich gehe ich grundsätzlich gerne optimistisch an Dinge heran. Ich habe ein schönes Zuhause und eine wunderbare Frau – und ich denke, bis dorthin hat mich auch eine Menge harte Arbeit gebracht.

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written by tomas_bates on 2011-03-04 #lifestyle #analog #future #chance #russell #uberraschung #wurfel #zukunft #harris #gluck
translated by hippiekacke

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