Palace Hotel

Findest du, dass es nach Spaß und Aufregung klingt, an Orten herumzuturnen an denen man nicht sein sollte? Ich schon! Sich in verlassene, leerstehende Gebäude einzuschleichen ist schon verdammt lange meine Leidenschaft. Genau wie auf Bäumen herumzuklettern, was auch eher keine Betätigung für ein anständiges Mädchen ist.

Einer der aufregendsten Orte, in den ich vor einigen Jahren „eingebrochen“ bin, ist das lange verlassene Palace Hotel in einer von vielen Touristenstädten an der slowenischen Küste – Portoros.
Es ist mir sofort ins Auge gestochen: Ein geheimnisvolles und unglaublich altes Gebäude, ganz typisch für das Ende des 19. Jahrhunderts. Wundervoll geschichtsträchtig.

Als ich diese Schönheit zum ersten Mal gesehen habe, wurde mir erzählt, dass dies eins der Hauptreiseziele für österreichische Touristen war, da die adriatische Küste einfach am bequemsten zu erreichen war. Das Palace Hotel war als das Wunderwerk von Portoros bekannt, gebaut über einem wunderschönen Garten, welcher bis zur Küste reichte. Bis heute hat nur ein bescheidener Teil des alten Glanz und Prunks überlebt – wilde Büsche und Bäume an der Front und ein winziger Teich samt Wasserlilien und sogar einigen Fischen darin!
Der Garten wurde durch eine Schnellstraße gespalten, die an der Küste entlangführt, um den stetig anschwellenden Touristenströmen entgegenzuwirken. Ein riesiges Bauprojekt zerstörte die filigrane Komposition des Palace Hotels in den 70er Jahren, als dem Gebäude ein riesiger, hässlicher Anbau samt Pool hinzugefügt wurde. Offensichtlich hat man sich darüber damals keine Gedanken gemacht.
Anfang der 90er Jahre wurde das Hotel schließlich geschlossen.

Ich werde niemals den Anblick der Räume in diesem traurigen Gebäude vergessen.
Im Erdgeschoss befand sich das majestätische Foyer mit seinen wundervoll verzierten Stützpfeilern, dem Vandalismus zum Opfer gefallenen Kronleuchtern und den ergrauten Vorhängen, welche die Glastüren zum Garten hin verhüllten. Als ich dem Flur hinunter folgte, wurde ich zum Raucherraum mit seiner dunklen Holzverzierung, einem Kamin und einer alten Bar aus den 70ern mit billigen, künstlichen Leder geführt.

Die Zimmer des ersten und zweiten Stocks waren nicht so eindrucksvoll wie ich es erwartet hatte.
Aber als ich mir dann den Weg zu einem Balkon erkämpft hatte, änderte sich meine Meinung schlagartig. Der Blick auf die Adriaküste war schlicht umwerfend! Blaues Meer und steile Küste am Horizont, kleine private Yachten – eine nach der anderen – und Palmen am Rand der auf Hochbetrieb laufenden Schnellstraße. Man musste nur auf den Taubenmist achten, der wirklich überall herumlag…

In all der Zeit meines langen Slowenientrips waren die Besitzer des Hotels in ein Gerichtsverfahren verstrickt. Das Letzte, was ich über diesen Ort hörte, war die Nachricht über einen frischgebackenen Besitzer, welcher gerade die ersten Schritte einer Renovierung in Angriff nahm. Endlich!

Wenn du zufällig mal an der Küste Sloweniens bist fahr runter bis Portoros und schau dir an was alles an dem Gebäude getan wurde. Es hat sich definitiv verändert, ist aber immer noch einen Besuch wert.

written by kadrike on 2011-03-01 #places #analog #kunst #location #kultur #verlassen #reiseziel #hotel-palace-hotel
translated by hippiekacke

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