Komm schon! Lass uns mal 'nen Farbfilm entwickeln!

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Seit ich mit analoger Fotografie angefangen habe, habe ich nur eine einzige Rolle in einem Labor entwickeln lassen: sie brauchten einen Tag um sie zu entwickeln und zu scannen und ich stellte fest, dass sie nicht die Sprockets – also die Transportlöcher – mitgescannt hatten.
Ich brauchte wirklich wirklich einen Scanner und das Wissen, wie man selbst entwickelt!

Ich kaufte also einen Scanner. Epson V500! Perfekt! Ich scannte den ersten Film, mit Sprockets!
Der nächste logische Schritt wäre das Entwickeln. Ich fing mit schwarz-weiß an und widmete mich später dem Farbfilm.
Schauen wir mal, wie ich das mache und was man benötigt, um Farbfilme zu entwickeln (so ziemlich der selbe Kram den ich für s/w-Entwicklung benutze):

  • eine Entwicklungsdose,
  • Plastikrollen,
  • Messbecher (jeweils 1 Liter sollte es sein),
  • einen großen Plastikbehälter,
  • ein Thermometer,
  • Gummihandschuhe,
  • einen Timer,
  • ein paar Filmklipse, an die man die Filme zum trocknen hängen kann
  • 4 Plastikflaschen für die Chemikalien (Ich benutze 500 ml Flaschen, das genügt für meinen Plastikbehälter)
  • eine Schere, um den Film zu schneiden
  • ein Wechselsack, um den Film in sicherer Dunkelheit in die Entwicklungsdose zu bekommen

Ich holte mir ein C41-Entwicklungsset. Zuerst das Nova Prospeed 41 Kit und später das Tetenal Colortec C41 Kit. Ich las mir also die Anweisungen durch, um die Chemikalienmischung, die Entwicklungszeiten und -Temperaturen herauszubekommen.
Und so hab ichs gemacht:

  • Ich mache mich auf ins Badezimmer und fülle den Plastikbehälter mit heißem Wasser aus der Dusche (meine hat ungefähr 40/42°C). Die perfekte Temperatur liegt bei 38°C
  • Anschließend lege ich die mit der Chemie gefüllten Flaschen in das heiße Wasser und gehe ins Wohnzimmer, wo ich den Film auf die Plastikröllchen spanne und sie dann in den Entwicklerbehälter lege. Das ganze mache ich im Wechselsack.
    Manchmal ist es etwas schwierig, den Film auf die Rollen zu bekommen, aber das wird mit der Zeit einfacher!

Schauen wir mal, was im Wechselsack passiert.

  • Zurück ins Badezimmer! Ich lege den Entwicklungsbehälter zu den Flaschen mit den Chemikalien ins heiße Wasser und checke die Temperatur. Zwischen 38 und 42 Grad sollte auf jeden Fall passen.
  • Zieh dir die Gummihandschuhe an, stelle den Timer auf 3:15 Minuten und fange an, den Entwickler in den Entwicklungsbehälter zu füllen. Dreh ihn, von links nach rechts, von rechts nach links! Dreh ihn, rotiere was das Zeug hergibt und achte darauf, dass er im warmen Wasser bleibt und seine Temperatur behält! Wenn die Zeit abgelaufen ist, fülle den Entwickler zurück in einen Messbecher und von da aus zurück in seine Flasche. Du kannst ihn ja schließlich wieder benutzen!
  • Stell den Timer auf 4:00 Minuten für das Bleichbad und ab damit in den Behälter! Genau wie eben, drehen und rotieren. Nach vier Minuten zurück damit in seine Flasche.
  • Zeit zum Spülen. Ich fülle den Tank mit Leitungswasser, drehe ihn 5 mal, leere ihn, fülle ihn wieder auf, drehe ihn 10 mal, leere, fülle, drehe 20 mal. Und wieder raus damit!
  • Zum Schluss der Fixierer! Ich fülle ihn in den Messbecher und lasse den Film für eine Minute darin (nur den Film, nicht die Plastikrolle).
  • Hänge den Film für mindestens 2 Stunden zum Trocknen auf.

Glaub mir, wenn ich das kann, kann das jeder!

Hier sind ein paar Ergebnisse, Farbnegative und Cross-Entwicklung. Der größte Teil meiner Fotos ist selbstentwickelt und ich finde, sie sind echt gut geworden!

Von: pepper-b

Ich hoffe, dieser kleine Artikel ermutigt euch es einfach mal selbst zu Hause zu probieren.
Habt Spaß!!

written by pepper-b on 2011-02-15 #gear #tutorials #film #diy #lab #c-41 #tutorial #lab-rat #tipster #selbstgemacht #entwicklung #entwickeln #chemie #labor #negativ
translated by hippiekacke

12 Comments

  1. marv89
    marv89 ·

    Thank you ! Anybody knows where to get this stuff cheap in germany ? ;)

  2. katinkaja
    katinkaja ·

    very interesting article, the results look really good.

  3. ck_berlin
    ck_berlin ·

    @marv89 bei www.fotoimpex.de kriegt man die Sachen zum vernünftigen Preisen. Billig wirst Du es nur in der Bucht kriegen. Mit etwas Glück...

  4. nickelallergie
    nickelallergie ·

    Schöner Artikel. Noch einfacher geht´s bei 30° C.

  5. ck_berlin
    ck_berlin ·

    Ich hab ergänzend zu diesem Artikel einen Blogartikel geschrieben, der die Entwicklung mit Hilfe eines Jobo Farbprozessors bei 30° C beschreibt: www.lomography.cn/homes/ck_berlin/blog/1800-farb-filme-selb…

  6. schommsen
    schommsen ·

    nice, really simple i guess!

  7. fakingsleep
    fakingsleep ·

    Habe gerade meine ersten beiden Farbfilme mit dem Tetenal-Kit entwickelt und so wie die Negative bisher aussehen, hat das auch ganz gut funktioniert. :)

  8. caroni
    caroni ·

    stark

  9. ebro
    ebro ·

    kleiner tip: falls ihr so ein fussbad mit einem thermostat (www.redbuy.ch/trisa-vital-feet-fussbad-massage/a-866/) herumliegen habt, dann kann man dieses sehr gut zu einem wasserbad umfunktionieren, damit man während dem entwickeln die 38° konstant behalten kann. einfach 38° einstellen und alle flaschen reinsetzen...

  10. herk
    herk ·

    hat jemand Erfahrung mit der Entsorgung der Chemie?

  11. dave94
    dave94 ·

    kann der wechselsack als ersatz einer Dunkelkammer dienen?

  12. servus_salyut
    servus_salyut ·

    Zitat: "Zwischen 38 und 42 Grad sollte auf jeden Fall passen".
    Kann das hier jemand bestätigen ? o.O

    Soweit ich weiss liegt der Temperatur-Toleranzbereich bei C-41 gerade mal bei ungefähr 0,2 bis 0,4 Grad und nicht bei bis zu 4 Grad.
    Im Gegensatz zu Schwarzweiss wo es auch mal locker um ganze 1-3 Grad schwanken darf.

    Mit nem einfachen Fühler-Thermometer aus dem Elektromarkt kann man es schon fast vergessen.
    Bei meinem ersten C-41 Versuch mit dem Tetenal Rapid Kit erhielt ich noch gerade so brauchbare Ergebnisse, beim zweiten Film war es schon eine Katastrophe. Kann mir nicht vorstellen dass man hier soviel Spielraum bei der Temperatur hat...oder liegt es am Tetenal?

    Aus dem Grund habe ich damals C-41 aufgegeben weil es doch nicht so banal ist wie oft dargestellt. Hier und da ein kleiner Schnitzer (Temperaturschwankung, Zeit zu lang oder zu kurz) und schon sind die kostbaren Negative hin.

    Ich glaube ich werde es nochmal mit deiner Methode versuchen, Die Chemie habe ich sowieso noch rumstehen. Danke für den Tipster! :-)

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