Kapitel 21: Wir wollen mehr LC-A's! Harte Verhandlungen in St. Petersburg

Im Oktober 1995, zu dem Zeitpunkt, als die LG 3000 Kameras monatlich orderte, kam eine unerwartete Antwort aus Russland: “Wenn wir weiterliefern sollen, kostet die Kamera ab sofort 50% mehr pro Exemplar.” Wie bitte! Wie war das nur möglich? Aus Sicht der LG und aus der Perspektive der freien Marktwirtschaft erschien so etwas unmöglich, aber hier wurde ja auch mit Russland gedealt.

Ilya Iosifovich Klebanov:
Der stellvertretende Premierminister der Russischen Federation
(Der LOMO LC-A sei Dank)
Ilya Klebanov begann seine Karriere bei LOMO PLC im Jahr 1977 als Ingenieur und wurde 1992 Generaldirektor der optischen Werke. Er leitete die Firma durch die schweren Zeiten der Privatisierung und entwickelte neue Pläne zur Vermarktung der Produkte, hierbei speziell auf dem Gebiet der Endoskopie und bei den Nachtsichtgeräten. Nachdem Klebanov den jungen Lomografen bei ihrem ersten Besuch eine Audienz verweigerte, empfing er sie endlich doch als Partner in spe 1995. Vielleicht hatte die 5 Liter Flasche Whisky auch ettwas damit zu tun, das die Türen zum Büro sich endlich doch öffneten?! Obgleich oft harte Verhandlungen geführt wurden, verband die beiden Parteien doch so etwas wie eine respektvolle Freundschaft.
Klebanov nahm später auch an dem legendären Meeting mit Putin teil, welches zugleich das erste zwischen dem späteren russischen Präsidenten und dem Generaldirektor sein sollte. Jahre später wurde Klebanov dann stellvertretender Premierminister von Russland, wohl auch aufgrund seiner guten Beziehungen zu Putin.

Kurz nach ihrem Besuch in Russland liessen sich unsere Jungunternehmer aus Wien den Namen “Lomographische GmbH” registrieren und eröffneten in Berlin die erste Lomographische Botschaft.
Was sind denn überhaupt Lomographische Botschaften? Nun, sie werden zunächst einmal vom Lomographischen Botschafter betrieben und dienen in erster Linie dazu das Thema Lomographie in allen wichtigen Metropolen darzustellen. Die Idee wurde geboren als in Wien tagtäglich Briefe mit immer wieder der gleichen Bitte eintrafen: “Wir möchten die Lomographie auch in unserer Stadt bekannter machen, Ausstellungen veranstalten und die LC-A an den Mann bzw. Frau bringen!” Was können wir tun?
Irgendwann wurde dann bei einer längeren Saunasitzung die Idee mit den Botschaften ausgeschwitzt!
“Wie jede Nation eine Ländervertretung hat, braucht die Lomographie natürlich auch weltweite Vertretungen.” Die Botschafter, in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptquartier taten dann ihr übriges um die kleine, analoge Fotobewegung schnell und stetig wachsen zu lassen.

Kurze Zeit später wurden dann die Berliner Botschafter, Stefan und Elisabeth in ihr Amt eingeführt.
Die offizielle Zerenomie fand in der legendären “Hafenbar” in Ostberlin statt. Die Einladung der Eröffnung beizuwohnen, wurde von Botschafterin Elisabeth höchstpersönlich in der Morgenshow von Radio Fritz verkündet. Danach machte sich halb Berlin auf den Weg um sich eine der geheimnisvollen Kameras zu sichern. Die LG benötigte deshalb mehr LC-A’s! Bestellungen gingen per Fax nach St. Petersburg und von Juli bis September wurden monatlich 1000 Exemplare ausgeliefert. Aber selbst damit konnte die Nachfrage nicht mehr gestillt werden. In der Zwischenzeit eröffneten weitere Botschaften in Bregenz, Insbruck und München. Ende eines jeden Monats war das schwarze Gold bereits wieder ausverkauft!
Im Oktober 1995, zu dem Zeitpunkt, als die LG 3000 Kameras monatlich orderte, kam eine unerwartete Antwort aus Russland: “Wenn wir weiterliefern sollen, kostet die Kamera ab sofort 50% mehr pro Exemplar”.

Wie bitte! Wie war das nur möglich?
Aus Sicht der LG und aus der Perspektive der freien Marktwirtschaft erschien so etwas unmöglich, aber hier wurde ja auch mit Russland gedealt. Gezwungen durch die wirtschaftliche Lage, hatte LOMO PLC sich vom Kameramarkt zurückgezogen und konzentrierte sich nun voll und ganz auf die Produktion von optischen Geräten für die Medizin und das Militär. Die gesamten Lagerbestände wurden geräumt und SMENA-Kamera wurden sogar kstenlos Schulen zur Verfügung gestellt. Bleibt noch zu erwähnen, das die vielen, bereits ausgelieferten LC-A’s einzig und allein aus Ersatzteilen gefertigt wurden, die nun schlussendlich zur Neige gingen. Eine Neuauflage war aufgrund der Gesetze des Marktes absolut unprofitabel und hätte exorbitante Kosten zur Folge.

Ohne dieses Hintergrundwissen waren die Lomografen natürlich verständlicherweise sehr verärgert, das hier so unverschämt an der Preisschraube gedreht wurde und setzten sich in das nächste Flugzeug nach St. Petersburg. Es begannen harte und frostige Verhandlungen. Für die Jungunternehmer aus Wien stand viel auf dem Spiel, wollten sie doch ihre gerade gegründete Firma nicht sofort wieder schliessen.
Der Generaldirektor der LOMO PLC behauptete andererseits, er würde ihnen mit 50% Preissteigerung immer noch entgegenkommen. Die Situation in den Fabriken sah auch alles andere als rosig aus.
Viele Maschinen waren komplett veraltet und auch die meisten der Arbeiter waren bereits entlassen.
Eine weitere Produktion wäre zu diesem Zeitpunkt einem finanziellen Selbstmordkommando gleichgekommen. Der Preis müsste eigentlich sogar um 100% gesteigert werden und so kamen die Verhandlungen zwischen der LG und LOMO PLC vorerst zum Erliegen.

Aus der Chefetage hörte man nur “Njet, Njet und nochmals Njet” wenn es um die weitere Produktion der LC-A ging. Ende 1995 nahm LOMO PLC dann zunächst wieder weitere Lieferungen auf. In den kommenden vier Monaten mussten sich unsere schlauen Lomografen allerdings einen Masterplan überlegen um die Produktion weiterhin finanzierbar zu halten.

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written by ungrumpy on 2011-02-14 #lc-a #library #bibliothek #geschichte #buch
translated by eyecon

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