Kapitel 17 - Die Lomografen kommen

Aufgrund der massiven Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion, hatten auch die LOMO PLC-Fabriken immense Rückgänge zu verzeichnen. Die einst so lukrativen Geschäfte gingen immer weiter zurück und durch die Werkshallen wehte der Wind der Veränderung und des Niedergangs des einst so mächtigen Landes.
Aber für die LC-A schien noch nicht alles verloren. Einige Wiener Studenten entdeckten die einst so populäre Kamera für sich und brachten sie als Souvenir mit in ihre WG in Wien.

Die Lomografen und die Lomografische Gesellschaft

Alles startete in den frühen 90er Jahren in Österreich, genauer gesagt in Wien wo sich eine Gruppe von Kunst-, Jura-, und Wirtschaftsstudenten eine Wohnung teilte und gemeinsam in die Tschechoslowakei reiste. Auf diesem Trip entdeckten sie die LOMO LC-A und waren sogleich angefixt von den unglaublich farbenfrohen Bildern, die man damit produzieren konnte.
1992 wurde dann auch sofort die Lomografische Gesellschaft gegründet und 1995 gab es erste persönliche Kontakte zu LOMO PLC, die letztendlich dazu führten das die Produktion der LOMO LC-A bis April 2005 fortgeführt wurde.
Gleich nach dem Produktionsstop wurde die Idee zur LOMO LC-A+ geboren.

Die Fertigung dieser Kamera startete dann alsbald im fernen China.
In all diesen Jahren ist die LG mittlerweile zu einem weltweiten, gesunden Unternehmen gewachsen und produziert eine ganze Palette von analogen Kameras, Filmen, Büchern und Lifestyle-Produkten.
Die Lomography.com – Webseite beherbergt über eine Millionen “Lomohomes” und ist Dreh- und Angelpunkt für eine weltweite Community.

Anfang der 90er Jahre sah sich die ehemalige Sowjetunion den grössten Veränderungen in ihrer gesamten Geschichte ausgesetzt. Gorbatschow, der mit seinen Reformen alles ins Rollen gebracht hatte, wurde 1991 durch Boris Jelzin ersetzt. Das Land brach in diverse Teilrepubliken auseinander, öffnete sich mehr und mehr dem Westen und führte die kapitalistische Marktwirtschaft ein.
Demzufolge wurde es für die einfachen Menschen immer schwieriger sich über Wasser zu halten. Viele lebten in Armut und auch LOMO PLC hatte mit der neuen Situation zu kämpfen.

Immer weniger Leute konnten sich überhaupt eine neue Kamera leisten und diejenigen die das nötige Kleingeld hatten griffen stattdessen zu den neuen Produkten aus Japan die jetzt auf dem Markt erhältlich waren.
Wirtschaftlich ging es bei LOMO PLC also immer weiter bergab. 1994 arbeiteten nur noch 30 Leute an der Produktion der LC-A.

Genau an diesem absoluten Tiefpunkt, wo bereits über 15.000 Arbeiter entlassen waren, kam eine Gruppe junger Lomografen das erste Mal nach Moskau gereist um dort vor Ort die erste Lomo-Ausstellung zu organisieren.

Wie gesagt handelte es sich genau um die Gruppe von jengen Studenten, die Anfang der 90er Jahre auf ihrer Reise die LC-A für sich entdeckt hatten und die kurzerhand die LG ins Leben gerufen hatten.
Hier noch mal in Kurzform was darauf alles geschah:
Die fotobegeisterten Freunde machten von allem und jedem in nahezu jeder Lebenslage Fotos mit der neuen Kamera., entwickelten die Filme im Billigdiscount und verschenkten die Fotos an Freunde und Bekannte.
Im Sommer 1992 wurde dann das lomografische Manifest verfasst, das auch die 10 Goldenen Regeln beinhaltet. Die Nachfrage wurde immer grösser und so mussten die Kameras in Nacht- und Nebel-Aktionen in Sporttaschen und Koffern über die einst so sichere Grenze geschmuggelt werden. Gleich darauf stellte die Stadt Wien den jungen Lomografen ein Haus in der Breitegasse im 7. Wiener Bezirk zur Verfügung was sogleich auf den Namen “Lomodepot” getauft wurde.
Hier fand dann auch erstmals eine offizielle Lomo-Ausstellung statt.
Auf diesem Event wurden über 700 LC-A´s zusammen mit einer lebenslangen Mitgliedschaft in der LG verkauft. Auch war das die Geburtsstunde der ersten LOMOWALL, den im “Lomodepot” gab es einfach nicht genug Platz für alle Fotos; also brachte man einfach alle Bilder auf eine Grösse und klebte sie nebeneinander.
Eines Nachts, erschöpft aber motiviert durch eine weitere erfogreiche Ausstellung kam es zu der Idee die ein weiterer Schritt nach vorn für die LG sein sollte.
Eine Ausstellung mit 10.000 Lomografien aus New York, die in Moskau gezeigt werden sollten und einen Tag später eine weitere Show mit 10.000 Lomo-Fotos, gezeigt in New York. Gleichzeitig sollten die gesamten Resultate aber auch im “Lomo-Depot” in Wien zu betrachten sein! Ein Monster-Projekt!

16. Was mag da wohl drin sein? 2 Lomografen am Moskauer Bahnhof.

Gesagt – getan! Für dieses Projekt musste natürlich Geld rangeschafft werden, was in diesem Fall von der österreichischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde.
Künstler und Freunde in Moskau und New York wurden kontaktiert, Einladungen wurden verschickt, undendlich viele Filme wurden auf beiden Seiten der Welt verschossen und Lomowände wurden geklebt.
Letztendlich gab es 2 Veranstaltungsorte, das Fotocenter in Moskau und die Here Gallery in New York. Am 31. September 1994 startete der erste Teil dann erfolgreich in Moskau und wurde am darauf folgenden Tag unter Teilnahme von Alois Mock, dem damaligen österreichischen Aussenminister in New York fortgeführt.

In Moskau verbrüderte man sich sogleich mit einem jungen russischen
Kunstkollektiv um Nina Kerselli, Alexander Djikia (Illustratoren), Andrej Turkin (Dichter), und Dimitrij Vrubel (Maler). Beide Freundeskreise befruchteten sich gegenseitig und die Russen feierten die Lomografie als gelungene Alternative zu der Kunst die sonst üblicherweise aus dem Westen importiert wurde.

Eine wahre Freundschaft entstand und die beiden Gruppen arbeiteten in den nächsten Jahren immer wieder an gemeinsamen Projekten. Angetrieben vom Motor der Leidenschaft inspirierten sie sich gegenseitig und glaubten dabei immer an die gemeinsame Sache: die Lomografie.
Herr Alexander Djikia, der Illustrator von damals zeichnet im übrigen heute verantwortlich für das wunderbare LC-A Big Book aus dem dieser Auszug stammt.

Lest die gesamte Story hier

written by ungrumpy on 2011-02-03 #library #lomography #geschichte #lomobooks #lomo-lc-a-big-book
translated by eyecon

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