The Hell With Perfection — Freedom for Photography!

Kapitel 13: Werbung und Marketing

Ungeachtet der begrenzten Mittel von Werbung und Marketing nahm die Nachfrage nach der LOMO LC-A beständig zu durch fotografierwütige ‘Komsomoleten’, die den Aufwand betrieben die “fantastische Plastikkamera” in Supermärkten und Kommissionsgeschäften aufzukaufen.
Durch Mund zu Mund – Propaganda hatte die scheinbar wenig reizvolle Verpackung der LOMO LC-A keinen negativen Einfluss auf die Verkäufe dieses zukünftigen Kultproduktes.

Anders als heute, wo sie praktisch den größten Teil des Produktionsbudgets verschlingt, war Werbung in den guten alten Tagen der Sowjetunion undenkbar. Reklame für die LOMO LC-A existierte nicht und zu diesem Zeitpunkt hatte die LOMO PLC nicht einmal eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, geschweige denn eine Marketingabteilung.
Wo waren wir? Das Partei-Hauptquartier in Moskau verteilte die Bestellungen und legte die Preise fest, die Fabrik war lediglich für die Produktion zuständig.
Fotografie-interessierte ‘Komsomoleten’ (junge Kommunisten) schafften es die LOMO LC-A in Kommissionsgeschäften und Supermärkten zu finden, wo die unscheinbare Verpackung der Kamera nur wenig Aufsehen erregte. Fest in eine Plastik-Box verpackt, bestückt mit einem kleinen Benutzerhandbuch, in weißes Packpapier gehüllt und verschlossen mit einer dünnen schwarzen Schnur hätte man die LOMO LC-A fast mit einem Mehlsack verwechseln können.
Dennoch war die Nachfrage nach der kleinen Kompaktkamera sehr groß, da es in Wirklichkeit auf dem sowjetischen Markt keine vergleichbaren Geräte gab. Zudem war die LOMO LC-A ganz fantastisch und das sprach sich schnell herum. Für die meisten Menschen war Film in der damaligen Sowjetunion alles andere als bunt. Der Film, der für Amateure weithin erreichbar war, war der ostdeutsche “Orwo”.
Der Name stand für “Original Wolfen” und wurde in der ehemaligen DDR in Wolfen produziert.
In den 80ern verlor die Fabrik ihr Monopol in der ostdeutschen Filmproduktion.
Dadurch wurden Farbfilme jahrzehntelang mit Techniken aus den 30ern hergestellt und dieses Format war für westliche Labors sehr schwer zu entwickeln – was sich besonders nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 nicht als vorteilhaft erwies.

Andererseits war Orwo in der ehemaligen Sowjetunion der populärste (und günstigste) Film und musste in einem zweistufigen Prozess daheim im Badezimmer entwickelt werden – wie die meisten 35mm-Filme, die zu dieser Zeit erhältlich waren. Dabei entstanden Schwarz-Weiß-Bilder. Dies spielte allerdings keine Rolle, da die Entwicklung von Farbfilm (und die Aufbereitung von Abzügen in Labors) in der Sowjetunion lange Zeit Amateurfotografen überhaupt nicht zugänglich war. Nicht nur mussten sowjetische Fotografen dieser Zeit einiges an Know-How über die Entwicklung ihrer Filme haben, es war ihnen auch nicht möglich, die farbenfrohe Wiedervereinigung in all ihren Farben einzufangen!

Die LOMO LC-A wurde nicht nur von Amateur- und Hobbyfotografen benutzt.
Die LOMO PLC stattete einige Journalisten mit der kleinen Kamera aus, um damit zu arbeiten und ein paar von ihnen waren sehr begeistert von der handlichen Größe und der automatischen Belichtungsfunktion des Apparates (die ideal war für sehr geheime Spionage-Einsätze, für die Russen schon immer ein Faible hatten). So begab es sich dass LOMO LC-A Fotografen hier und da im ITAR-TASS (Information Telegraph Agency of Russia)-Katalog der nationalen russischen Nachrichtenagentur auftauchten und auch in vielen Artikeln der Pravda, der streng kontrollierten Kommunistischen Zeitung.

Lies die glanzvolle Geschichte in voller Länge hier

written by ungrumpy on 2011-01-27 #history #library #lomography #excerpts #bibliothek #geschichte #lomo-lc-a-big-book #kapitel
translated by stadtpiratin

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