Kapitel 11: 1984: Die LOMO LC-A erscheint

Ursprünglich als sowjetische Version der Japanischen Cosina CX-2 geplant, war die LOMO LC-A (Lomo Kompakt Automat) auf die sowjetischen Massen zugeschnitten und wurde 1984 veröffentlicht. Zunächst war eine Produktion von 1.100 Geräten im Monat vorgesehen – ausschließlich für den Russischen Markt. Nachdem die ersten Hürden überwunden waren, schien bei der Produktion der LOMO LC-A alles glatt zu laufen.

Ein Artikel aus der internationalen Firmenzeitung berichtet über den Start der Serienproduktion der LOMO LC-A (21. Mai 1984).

Lomo LC-A
Die Lomo LC-A (Lomo Kompakt Automat) ist eine 35mm-Kamera, die von LOMO PLC in St. Petersburg, Russland, produziert wurde. Sie war ursprünglich als Kopie der Japanischen Cosina CX-2 erdacht, und sollte zur automatischen Kamera für die sowjetischen Massen werden.
Die letztendlich doch ganz andere LOMO LC-A wurde vom leitenden Ingenieur Mikhail Grigorievich Kholomyansky und seinem Team erfunden, und 1984 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Kamera ist berühmt dafür, leicht übersättigten Farben, knackige Schärfe und die perfekten Vignetten (sie sorgen für den Tunneleffekt auf den Fotos) zu produzieren, außerdem für das clevere Zonen-Fokus-System und die außergewöhnliche Belichtungsautomatik.
Die Kamera wählt die korrekte Blende und Belichtungszeit automatisch, bei Tag und Nacht, denn sie kann Langzeitbelichtungen bis zu einer Minute erzeugen.
1994 entdeckten ein paar österreichische Studenten die Kamera in Prag, damals noch die Hauptstadt der Tschechoslowakei, sie erfanden die Lomographie und nahmen viel auf sich, um die Produktion am Leben zu erhalten. Sie hatten damit Erfolg, bis die russische Produktion Anfang 2005 eingestellt wurde.
Als dieses Kapitel beendet war, begann ein neues, und die LOMO LC-A wurde schnell durch die LOMO LC-A+ abgelöst, die an einem anderen Ort der Welt produziert wird.

„Alles ist fertig“, sagte Mikhail Grigorievich zu Olga und rieb seine wunden Hände. „Unsere Abteilung hat für die Massenproduktion der 450 Einzelteile der LOMO LC-A erstklassige Arbeit geleistet und die Gießformen für jedes einzelne Teil sind in Rekordzeit gefertigt worden. In den Produktionshallen wimmelt es von den besten Arbeitern direkt von der LITMO-Universität für optische Präzisionsmechanik und wir haben schon zwanzig Leute für die Reparaturwerkstatt um Garantieleistungen zu erbringen, falls Arbeiten an einer LOMO LC-A anfallen“, antwortete Olga, und Mikhail scherzte: „Nur für den Fall, dass jemals Reparaturen nötig werden!“
Der leitende Ingenieur und die Produktionsmanagerin waren sichtlich zufrieden in ihrer kalten Heimat Russland. „Dawai, dawai!“ (Komm!) lockten sie beide, schalteten das gelbe Licht ihrer müden Schreibtischlampen aus und machten sich auf den Weg durch die langen Korridore der LOMO PLC Fabrik zu ihren Autos, die vor dem Gebäude in der Chugunya Straße, St. Petersburg, geparkt waren.

Die erste LOMO LC-A Serie ging 1984 in die Massenproduktion. Anfangs wurden 1.100 Geräte im Monat gebaut, allein für den Russischen Markt. Nach dieser ersten Serie und der Anlaufzeit, die etwa ein halbes Jahr dauerte, war die Produktion der Lomo LC-A auf gutem Wege. Bis zu 1.200 Menschen arbeiteten allein an der Kamera, 500 davon waren Monteure. Monteure sind die Angestellten, die mechanische Bauelemente zusammensetzen und die Endmontage vorbereiten, nämlich das Zusammensetzen der fertigen Kamera.
Im Gegensatz zu den erfahrenen und alt-ehrwürdigen Mitarbeitern in der Endmontage, waren die meisten Monteure junge Frauen. Diese wurden direkt von den technischen Universitäten für Optiken rekrutiert und in die Fertigungsbelegschaft der LOMO LC-A eingegliedert.
Die Produktionsmanagerin Olga Tsvetkova bevorzugte die jungen Arbeitskräfte ganz klar vor der Stammbelegschaft der LOMO PLC – Es war viel effizienter und einfacher diese jungen Kräfte einzuarbeiten als die bestehende Belegschaft neu zu schulen.

Nach der Endmontage musste die fertige Kamera nur noch geprüft und verpackt werden. Den zweiten großen Teil der Kameraproduktion leisteten die Ingenieure, die die komplizierten Mechanismen wie die Blende und die elektronischen Platinen fertigten. Die Mehrheit dieser Ingenieure hatte ein Diplom vom LITMO Institut „Technikum“ (technische Schule), die auch M.G. Kholomyansky und Olga Tsvetkova einst besuchten.

Das Buch in seiner ganzen Pracht gibt es hier.

written by fookshit on 2011-01-25 #library #lomography #lomobooks #lomo-lc-a-big-book #excerpt
translated by scorpie

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