Kapitel 5: Die Geburt des Lomo Kompakt Automaten

Dieser Auszug ist aus dem “Lomo LC-A Big Book”. Weitere Kapitel folgen…

Mikhail Grigorievich Kholomyansky
Kholomyansky kam zur LOMO PLC im Alter von 18 Jahren als Auszubildender. Nach seinem Studium kam er 1964 zur LOMO PLC Foto-Abteilung, wo er bis 1991 gearbeitet hat. Als der Auftrag vom sowjetischen Vize-Verteidigungsminister I.P. Komitsky kam, eine exakte Kopie der japanischen Cosina CX-2 zu bauen, war es der 40-jährige Entwickler Kholomyansky, der den Auftrag übernahm und die LOMO LC-A mit seinem Team in nur eineinhalb Jahren erschuf. Kholomyansky ist mittlerweile Direktor einer ärztlichen Hi-Tech Optik-Geräte Firma. Er ist seit 1964 verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkelkinder und genießt sein Leben in der Dacha außerhalb von St. Petersburg.

Frühling 1982, St. Petersburg, 11 Uhr morgens: “Ich hoffe nur, dass mir das nicht das Genick bricht und ich in ein Arbeitslager in der sibirischen Tundra versetzt werde”. Dieser Gedanke erschien immer wieder im Kopf des 42 Jahre alten Chef-Entwicklers, Mikhail Grigorievich Kholomyansky, der angestrengt an seiner hölzernen Arbeitsbank an den letzten Zügen seiner neusten Kreation arbeitete. Einer komplett automatischen Kamera. Unter der strengen Aufsicht von Olga Nikolaevna Tsvetkova, der Produktionsmanagerin, verbrachte er fast eineinhalb Jahre mit seinem Team in den weitläufigen Hallen des LOMO PLC und arbeite quasi Tag und Nacht, um sicher zu gehen, dass seine Arbeit den hohen Ansprüchen der Sowjet Union und im speziellen denen von Vize Verteidigungsminister Igor Petrovich Kornitsky genügen. Diesem wurde ein fremdes Kamera-Modell unter die Nase gerieben und er schrie “Ich will eine Kamera genau wie diese, einfach, handlich, funktionell und voll automatisch. Die Japaner kennen ihr Produkt gut aber unser Ziel ist es, eine noch bessere und günstigere russische Kamera für die gesamte kommunistische Welt zu schaffen!”

Die Worte des Ministers hallten wie ein Echo in den Ohren des Entwicklers, während der strenge Blick von Michail Panfilovich Panfilov, Chef der LOMO PLC Fabrik (eine der besten optischen Firmen der Sowjetischen Union und Hersteller von optischen Linsen für Wissenschaft, Raumfahrt und Militär) sich in ihn bohrte. “Ich muss eine perfekte Kopie der Cosina CX-2 liefern. Aber ich kann diesen Verschlussmechanismus nicht so leicht zusammen bauen. Unsere sowjetische Technologie ist nicht gut genug. Ich hoffe, der Vize Verteidigungsminister ist nicht zu böse mit mir”. Eine Schweißperle entstand auf den Augenbrauen des nervösen Entwicklers und rollte langsam über die Nase runter zu seinem unrasierten Kinn.

Eineinhalb Jahre vorher, als Vize Verteidigungsminister Komitsky mit seiner dicken Fellmütze, ausgestopftem Mantel und großen Visionen aus dem “Cologne Hauptbahnhof-Moscow Byelorussia Waksal”-Schnellzug ausstieg, atmete er tief die kalte Winterluft seines Mutterlandes Russland ein. Kurz danach gab er seine Befehle an das berühmte optische Institut, dem Staatlichen Optischen Institut GOI und dem LITMO Institut für Mechanik und Optik in St. Petersburg, welche zu dieser Zeit immer noch stolz den Namen Leningrad trugen:
“Macht die optischen Berechnungen für eine genaue Linse und sagt mir umgehend Bescheid, wo ich die besten Fabriken für die Konstruktion einer modernen Kamera finden kann, so eine wie ich sie mit meinen eigenen Augen auf der Photokina Köln gesehen habe” befahl er seine Anordnung. Die Experten, Spezialisten für genaue optische Kalkulationen, mussten nicht lange nachdenken und empfehlten zwei Fabriken: “Comrade Kornitsky, es gibt nur zwei Produzenten für solche komplexe Unterfangen: Unsere Freunde vom LOMO PLC in St. Petersburg, die lange Erfahrung in der professionellen Herstellung von Kameras seit 1939 haben und die Kiev Arsenal Fabrik, die bereits die Kopien der legendären Contax II und III gemacht haben und eine exzellente Qualität aufwiesen”.

So passierte es, dass zeitgleich die LOMO PLC, das Team um Mikhail Kholomyansky und Olga Tsvetkova, an einer Cosina CX-2 Kopie arbeiteten und die Kiever Arsenal an einer Minox 35EL. Diese war der Cosina Kompakt 35mm Kamera sehr ähnlich, wurde aber in Deutschland hergestellt. Die LOMO PLC hatte einen kleinen Vorteil zu Beginn, da der gerissene Direktor Panfilov genau wusste, dass es die Cosina CX-2 war, die Kornitsky auf der Photokina in Köln faszinierte. “Eine genaue Kopie”, sagte LOMO PLC Chef Panfilov, “wird den Vize Verteidigungsminister vor Freude tanzen lassen und die LOMO PLC Fabrik wird große Ehre zu teil werden”.

“Was soll das denn sein? Das Ding sieht komplett anders aus wie die japanische Cosina!”, sein Schrei hallte durch die weiten Hallen, so dass die Bürotüren des Chefs zu wackeln begannen. “Wenn ihr eine Kamera kopiert, macht es doch bitte auch richtig und nicht so wie dieses dumpfe eckige Gehäuse. Wenn ich mir das anschaue, dreht sich mir der Magen um!”

Mikhail Grigorievich versank in seinem Stuhl mit roten, müden Augen und hörte still den Kommentaren des Ministers zu. “Wenn er wüsste, dass ich absichtlich ein anderes Design wie bei der Cosina genommen habe, um Streitigkeiten mit den Japanern zu vermeiden… Hat der verehrte Minister noch nie von Patent-Recht gehört?” dachte sich der übermüdete Entwickler. “Gut, okay”, Kornitsky stimmte überein und übermittelte angespannt die erlösenden Worte an den Fabrik Chef Panfilov “dieses viereckige Gehäuse kann noch geändert werden, oder? Baut mir eine neue Verkleidung für das Gerät in Lichtgeschwindigkeit. Wenn ihr dies abändert, bekommt ihr den Auftrag”. Die nervösen Hände des Chefs zitterten als der Vizeminister den Raum verließ. “Und Du, Mikhail, hast eine super Arbeit geleistet! Ich muss nur sagen, dass der Schließmechanismus der Kamera nicht so schlecht ist, das Klicken des Auslösers ist ein schönes Geräusch in meinen sensiblen Ohren. Mach weiter mit der guten Arbeit, auf diesem Weg wird die Fabrik mit drei weiteren Aufträgen von Lenin gesichert werden”. Der erste Prototyp des Lomo Kompakt Automaten, abgekürzt zu LOMO LC-A, wurde offiziell akzeptiert und die Massenproduktion konnte beginnen.

Der Vize Verteidigungsminister war in guter Stimmung, als er wieder im Zug zurück nach Moskau saß. Er träumte von einer vollautomatischen Kamera für jeden guten sowjetischen Bürger und dachte daran, dass die LOMO LC-A zweieinhalb mal günstiger in der Herstellung war und ein vielfaches besser in der Qualität wie die Kiev 35A Kamera (die Minox 35EL Kopie), welche die Arsenal Fabrik ihm präsentierte.

Das Buch in seiner ganzen Pracht gibt es hier

written by cruzron on 2011-01-17 #library #lca #geschichte #geburt #lomo-bucher
translated by trashpilotin

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