Gedenkstätte Hohenschönhausen - das Stasi-Gefängnis.

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Obwohl Berlin ja noch eine recht junge Hauptstadt ist, stolpert man an allen Ecken und Enden über die Vergangenheit und vor allem über die dunkle Vergangenheit. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist das Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen.

Ich biege in die Freienwalder Straße in Berlin Hohenschönhausen ein. Liegt es nun an diesem trüben Herbsttag oder ist hier tatsächlich alles grauer als anderswo? An den Fassaden bröckelt der Putz, einige Fenster sind eingeschlagen andere vernagelt, schiefe Straßenlaternen ragen in einen bleigrauen Himmel.

Schaut man auf einen alten DDR-Stadtplan, so findet man an dieser Stelle nur eine weiße Fläche, denn hier befand sich militärisches Sperrgebiet. Und mittendrin, verborgen hinter meterhohen Mauern, lag der Stasi-Knast. 1945 beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände um die ehemalige Großküche der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und wandelt den Keller des Gebäudes in ein Untersuchungsgefängnis für Gefangene um, das “Speziallager Nr. 3”. “Feindliche Elemente” wurden hierher verbracht und durch Drohungen und Gewaltanwendungen, wie Schlafentzug, stundenlanges Stehen und Arrest in Wasserzellen zu Geständnissen gezwungen. Viele verhungerten oder erfroren in den ungeheizten Zellen.

Das “U-Boot”: in den engen fensterlosen Zellen des Kellers der ehemaligen Großküche wurden bis zu 10 Gefangene zusammengepfercht.

1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit die Anlage, die Zustände im Kellergefängnis wurden etwas “angenehmer” gestaltet und Ende der 50er lies das MfS einen Neubau mit 200 Zellen und Vernehmerzimmern errichten. Statt physischer Gewalt setzte man nun auf psychologische Methoden, um die “Staatsfeinde” zu zermürben. Von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt und von den Mitgefangenen streng isoliert wurden die Inhaftierten oft monatelang von eigens dafür ausgebildeten Vernehmern verhört, bis das gewünschte Geständnis auf dem Tisch lag.

Die Zellen des Neubaus waren spartanisch eingerichtet. Der Gefangene sollte sich ganz mit sich und seinen “Taten” beschäftigen. Durch die Glasbausteine kam zwar Licht, eine Sicht nach draußen war jedoch nicht möglich.
Ein typisches Vernehmerzimmer. An den Wänden in den Gängen liefen Alarmleinen über die jederzeit Wachpersonal angefordert werden konnte.

Nach der Wende wurde das Gefängnis aufgelöst. Ironie des Schicksals: Letzter prominenter Insasse war ausgerechnet der ehemalige Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit Erich Mielke selber. Er wurde jedoch bald verlegt, nachdem er sich über die Haftbedingungen beschwert hatte.

Ein winziges Stück vergitterten Himmel gab es nur beim Hofgang zu sehen in den sog. “Tigerkäfigen”
In umgebauten Lieferwagen konnten unauffällig bis zu 5 Gefangene in winzigen voneinander isolierten Zellen transportiert werden.

Seit 1994 ist das Gefängnis eine Gedenkstätte und kann besucht werden. Ein Rundgang ist nur in Form einer Führung möglich. Diese gibt es entweder für Gruppen nach Voranmeldung oder als öffentliche Führung für Einzelbesucher. Die Führungen werden in der Regel von ehemaligen Häftlingen durchgeführt und bekommen so eine erschütternde Authentizität.

Adressse
Gedenkstätte Hohenschönhausen
Genslerstr. 66
13055 Berlin

Führungen für Gruppen
nach Voranmeldung tägl. zwischen 9.00 und 16.00 Uhr

Öffentliche Führungen für Einzelbesucher
Samstags, Sonntags und an Feiertagen stündlich zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr.
Montags bis Freitags 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr von März bis November auch 12.00 und 14.00 Uhr.

Weitere Informationen hierzu gibt es auf der Internetseite der Gedenkstätte

Anfahrt
Metro Tram Nr. 5 bis Haltestelle Freienwalder Straße.
Metro Tram Nr. 6 bis Haltestelle Genslerstr.

written by fruchtzwerg_hh on 2010-11-30 #places #location #bcg #berlin-deutschland-stasi-hohenschonhausen-gefangnis-gedenkstatte-ministerium-fur-staatssicherheit-lomo-lc-a-35mm #reisetipps

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3 Comments

  1. stadtpiratin
    stadtpiratin ·

    Oh, vielen vielen Dank für diesen "Tipp" - ich dachte die ganze Zeit darüber nach ob man darüber nicht schreiben sollte. Ich war zweimal dort und zweimal wurden wir von Karl-Heinz Richter durchgeführt. Seine Geschichte fand ich wahnsinnig erschütternd:
    Er wollte im Januar 1964 mit einigen Freunden rübermachen. Nachdem sie alles ausgekundschaftet hatten entschlossen sie sich dazu, aus einem Versteck unmittelbar hinter dem Bahnhof Friedrichstraße auf den "Moskau-Paris-Express" aufzuspringen. Der fuhr immer zur gleichen Zeit in Richtung Westen. Der Fluchtweg wurde entdeckt als Herr Richter selbst als Letzter sprang, es aber nicht mehr schaffte und verletzt zurückblieb. Er hatte sich beide Beine gebrochen und landete in Hohenschönhausen.

    Sein Buch gibt es heute dort im Shop zu kaufen, seine Geschichte ist sogar verfilmt worden ("Flucht mit dem Moskau-Paris-Express").
    Ich habe während der Führung oft gemerkt wie er noch heute darunter leidet dort gewesen zu sein. Er selbst sagte dazu, dass allein die ständige Anwesenheit dort, das immer-wieder-durch-die-Räume-gehen, eine Art Therapie für ihn ist.

    Bestimmt sind die Geschichten der anderen ähnlich interessant - und ähnlich erschütternd.
    Man geht da sehr schweigsam wieder raus...

  2. fruchtzwerg_hh
    fruchtzwerg_hh ·

    Allerdings, ich war auch ein Tag lang ziemlich von der Rolle. Ist eben doch etwas anderes, ob man nur Texte auf Tafeln liest, oder den Menschen, die das erlebt haben, live gegenübersteht. Mein Führer hatte eine ganz ähnliche Geschichte, wenn auch nicht ganz so dramatisch.

  3. dive-angel
    dive-angel ·

    ich war letztes Wochenende dort und danach auch ziemlich von der Rolle.
    Mein Führer ist auch geflohen, wurde aber erst bei dem Versuch, seine Schwester rauszuholen gefasst. Er wurde zu 15 Jahren verurteilt, wurde aber nach 5 Jahre vom "Westen" freigekauft.
    Ich kann nur jedem empfehlen, diese Gedenkstätte zu besuchen.

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