Skyline aus der Retorte - der Potsdamer Platz.

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Was braucht man, um in den Club der internationalen Metropolen aufgenommen zu werden? Genau, ne markante Skyline. Wie gut, dass am Potsdamer Platz noch genug Platz war für ein paar schicke Hochhausklötzchen.

Vielleicht ist es nur ein Klischee, aber die wilden 20er in Berlin stelle ich mir so vor: mondän, wild, rauschhaft, voll von pulsierendem flirrendem Leben, Prostitution und Drogen. Und das Zentrum dieses Tanzes am Rande des Abgrunds war der Potsdamer Platz. Von einer einfachen Straßenkreuzung vor den Toren Berlins entwickelte sich der Platz Anfang des 20. Jahrhunderts zu dem Berliner Verkehrsknotenpunkt schlechthin. Hier hing Deutschlands erste Verkehrsampel und hier traf sich die kulturelle Szene und das vergnügungswillige Volk in Cafés, Varietés, Bars, Kinos und bei den Damen des horizontalen Gewerbes.

Bang, zweiter Weltkrieg, aus die Maus. Der Platz lag in Schutt und Asche. Die Jahre gingen ins Land: in den 40er blühte hier nur noch der Schwarzmarkt, die 50er brachten den Abriss und endgültigen Verfall, die 60er die Teilung und in den 70ern kamen nur noch ein paar vereinzelte Touristen, um über die Mauer Richtung Osten auf ein großes Nichts zu schauen.

In den 90ern nach der Wende dann Wiederbeatmungsversuche: Der Berliner Senat wollte eine traditionelle Berliner Blockbebauung, aber die Investoren, die sich die Grundstücke schon gekrallt hatten wollten hoch hinaus. Geld war reichlich vorhanden und das sollte auch jeder sehen. Eine Hochhaus-City für das 21. Jahrhundert war das unbescheidene Ziel und so entstand erst einmal die größte Baustelle Europas.

Und heute? Hm, sagen wir es mal so: Der Potsdamer Platz ist für mich definitiv der Ort in Berlin, der sich am allerwenigsten nach Berlin anfühlt. Berlin ist ewig unfertig, rau, überraschend, ein wenig derb, verwirrend, hässlich und trotzdem schön. Der Potsdamer Platz hingegen ist ein perfektes Hochglanz-Abziehbild moderner Städtebauträume, wie er überall weltweit stehen könnte. Schicke, glatte Fassaden, aber austauschbar und irgendwie hohl im Innern. Oder in der Sprache der Fotografie: Berlin ist analog, der Potsdamer Platz hingegen digital.

Aber fotografieren kann man ihn ja trotzdem… und dann schnell wieder zurück, nach Berlin…;)

Adresse: Potsdamer Platz, 10785 Berlin

Anfahrt: mit der U2 oder S1 und S2, Station Potsdamer Platz

written by fruchtzwerg_hh on 2010-11-30 #places #location #bcg #berlin-deutschland-bahnhof-u-bahn-nachtaufnahmen-architektur-platz-potsdamer-platz-sprocket-rocket-35mm #sehenswurdigkeit

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One Comment

  1. candeeland
    candeeland ·

    Cool, du sprichst mir aus der Seele. Ich war 2006 nach einigen Jahren mal wieder in Berlin und besuchte auch den Potsdamer Platz, aber das war nicht Berlin. Inhaltslos und leer, ohne Seele, das trifft es verdammt gut. Mittlerweile war ich schon oft wieder in der Hauptstadt und im Mai bin ich wieder dort, aber um den PP mache ich einen großen Bogen. ;)

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