Einmal Vietnam hin und zurück, bitte.

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Von Berlin Mitte nach Vietnam dauert es nur eine gute Viertelstunde. Man nimmt einfach die Linie M8 Richtung Ahrensfelde, denn die hält am Dong Xuan Center in Lichtenberg, wo das vietnamesische Herz von Berlin schlägt.

Nach Berlin-Lichtenberg verirrt man sich ja eigentlich selten, es sei denn man hat ein Faible für Plattenbausiedlungen. Doch hier in einem grauen Industriegebiet, gleich gegenüber der Haltestelle “Herzbergstraße/Industriegebiet”, liegt Little Vietnam. Wo früher einmal der VEB Elektrokohle war, erstreckt sich in vier langen schmucklosen Hallen Berlins größtes asiatisches Handelscenter mit Händlern aus Indien, Pakistan und China, der überwiegende Teil aber kommt aus Vietnam. 26.000 Quadratmeter, über 170 Shops, bis unter die Decke voll mit allem, was asiatische Sweatshops so hergeben, dazu noch Friseure, Nagelstudios, Lebensmittelläden und Restaurants.

Dong Xuang heißt übersetzt “Frühlingswiese”. Auf eine solche fühlt man sich zwar nur mit sehr sehr viel Phantasie versetzt, sobald man die Hallen durch die schweren Plastikvorhänge betreten hat, aber dafür scheinen sich sonst alle Klischees zu bestätigen: In der Luft liegt ein Geruch von Bratfett und Räucherstäbchen. Auf den Gängen zwischen den einzelnen Shops herrscht ein geschäftiges Treiben und Gewusel, viele Händler stehen oder sitzen vor ihren Läden und halten einen Schwatz mit Kunden oder dem Nachbarhändler. In den Shops erwartet einen der Overkill für alle Sinne: teilweise bis unter die hohe Hallendecke stapeln sich die Waren, beleuchtet von fahlem Neolicht. Alles ist irgendwie aus Plastik, hat Batterien, blinkt, macht Töne, oder ist zumindest schreiend bunt und mit viel Bling-Bling.

Aus den Frisörsalons dringt das Klappern der Scheren und Musik von vietnamesischen Musikvideos. Vor den Restaurants halten gelangweilte Kellner nach Kundschaft Ausschau und im dämmerigen Halbdunkel zwischen den Tischen leuchten riesige Flachbildschirme mit bunten Karaokevideos. Und in den Kühltruhen der Lebensmittelhändler findet man neben exotischem Grünzeug, wie Wasserwinde, Langkornkürbis und Wassermimose auch allerlei Getier von dem man nicht im Traum dachte, dass man es essen könnte. Apropos Essen, das kann man hier sehr authentisch, man muss allerdings ein wenig Risikofreude mitbringen, denn deutsch- oder englischsprachige Speisekarten sucht man oft vergeblich. Am besten man schaut was der Nachbar so isst und bestellt mutig das gleiche.

So richtig mit Leben füllt sich der Markt vor allem an Sonntagen, da werden die Hallen zum Treffpunkt der vietnamesischen Community von Berlin. Es empfiehlt sich vor dem Fotografieren zu fragen, denn einige Händler wollen nicht, dass man in ihren Shops Fotos macht.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 9.00 bis 21.00 Uhr. Viele Läden öffnen allerdings erst im Laufe des Vormittags.

Anfahrt: Linie M8 von Berlin Mitte bis Herzbergstr./Industriegebiet

written by fruchtzwerg_hh on 2010-11-18 #places #location #bcg #berlin-berlin-lichtenberg-vietnam-dong-xuan-center-asiamarkt-asia-shopping-mall-shopping-centre #reisetips

2 Comments

  1. takitani
    takitani ·

    wao! da muss ich hin...

  2. buddy
    buddy ·

    eine kombination aus allen gerüchen der welt... klamotten. gewürze und der geruch von nageldesign :) eine unschlagbare kombination für harte nasen :) aber.. es lohnt sich auf jeden fall sich dort in ruhe umzuschauen ;) auf jeden fall auch mal um und hinter die hallen gehen ;) auch dort finden sich interessante eindrücke.... und für leute die alles mögen das blitzt, blinkt und strom braucht.. da müßt ihr hin....

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