Der Grunewaldsee - ein Hundeparadies auf Erden

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Sommer, Badesee und Hund das passt irgendwie nicht zusammen, oder doch?
Ein Besuch an Berlins inoffizieller Hundebadewanne – Menschen müssen leider draußen warten.

Sommer 2010 in Berlin, die letzten heißen Tage im August das Gestirn bretzelt unerbittlich, der Asphalt wirft Blasen, die Stadt dampft.
Es ist Wochenende, ganz Berlin hängt an irgendeinem der vielen Badeseen… ganz Berlin?
Was ist eigentlich mit den unzähligen vierbeinigen Freunden, die Berlin auch zur Hauptstadt der Hunde machen? Wo kühlen sich Hasso, Bello und Trixie die Pfoten?

Das Hundeparadies auf Erden liegt im Grunewald, es ist einer von drei Seen, der Grunewaldsee.
Die anderen beiden, Schlachtensee und Krumme Lanke, sind noch in der Hand des Homo Sapiens… noch! Vor Jahren war der Grunewaldsee ein Badesee wie viele andere, ein wenig abgelegen und mit EINER offiziellen Hundebadestelle, jetzt ist er er DER inoffizielle Hundebadesee, menschliche Badegäste geduldet, aber nicht unbedingt erwünscht.

Der Homo Sapiens, die Krone der Schöpfung, bis in die entlegensten Winkel dieses Planeten ist er vorgedrungen und hat sie sich untertan gemacht und sogar den extraterrestrischen Raum hat er erobert. ABER immer an seiner Seite war er, der Vertreter der Canidae und nun hier mitten im Herzen der deutschen Hauptstadt hat der Nachfahre des Wolfes den Spieß umgedreht: am Grunewaldsee sind die felllosen Zweibeiner in der Rolle der Kulturfolger, allenfalls geduldet, als Chauffeur, Ball- und Stöckchenwerfer, der wahre Herrscher hier ist das Säugetier auf vier Beinen!

Ins Königreich der Hunde führen viele Wege, einer führt mit der S-Bahn zur Station Grunewald von dort entlang des – nomen est omen – Hundekehlsees. Dann über die Königsallee und danach immer dem Gebell nach.

Es ist Mittagszeit am ersten Strand des Sees steppt schon mächtig der Bär, äh pardon, der Hund.

Ein paar Dackel und andere kleinwüchsige Mischlinge sind gerade dabei einen grünen Gummiball zu erlegen. Dunja die Dalmatinerdame starrt gedankenverloren auf ihr gewelltes Spiegelbild.
Ein paar prepubertäre Terrier randalieren im Schatten der Bäume.
Iffi der Bichon Frise entsteigt elegant den Fluten, schüttelt sich kurz, um sodann das frisch von Frauchen schamponierte Fell durch ein ausgiebiges Sandbad von strahlend weiß in ein dunkles schlammgrau zu verwandeln. Derweil schnappt Dorian der Königspudel nach kleinen Wellen auf der Wasseroberfläche und Oskar die Promenadenmischung wartet geduldig darauf, dass Frauchen endlich aufhört mit einem fremden Frauchen zu reden und wieder mit dem Ballwerfen weitermacht.
Willkommen im Hundeparadies!

Am Südende des Strandes gibt es ein großes Hallo und tumultartige Szenen, eine Bullterrier Gang aus Steglitz ist angekommen und muss artgerecht begrüßt und beschnüffelt werden.
Das Getümmel wird dann sogar einigen Hunden zuviel; Kimba, die Chiahuahua-Dame aus Zehlendorf-Ost möchte jetzt bitte sofort auf den Arm genommen werden.
Gerade noch rechtzeitig denn Leeroy der braun gestromte Bullterrier Macho beginnt alles zu bespringen, was sich im Radius seiner Teleskopleine aufhält. Triumphierendes Gebell vom Nordende des Strandes: Lenny hat den grünen Gummiball nicht nur erlegt, sondern auch sauber in zwei Teile zerbissen.
Frauchen schaut ratlos.

Dann ein Rascheln im Unterholz, ein schwarzer Blitz schießt über den Strand, Wasser spritzt nach allen Seiten. Auftritt Rocky, Bullmastiffrüde, King of the Hood.
Die anderen Rüden ziehen sich ehrerbietig zurück, einige Hunddamen fangen an zu hecheln und sogar Othello, die schwarze französische Bulldogge, die schon seit Stunden wie auf Speed auf ihren kurzen Stummelbeinchen den Strand auf und ab rast hält für einen kurzen Moment inne und röchelt asthmatisch. Nur Dunja ist unzufrieden: Herrchen hat die Frisbeescheibe viel zu weit in den See geworfen, soll sie doch selber sehen, wie er die da wieder rauskriegt.

Die Zeit vergeht wie im Flug, schon seit Stunden sitze ich jetzt hier am Strand und betrachte das bunte Treiben und ich muss gestehen, es wird mir keine Sekunde langweilig.
Doch dann mache ich einen großen Fehler, wie ihn nur ein Nichthundebesitzer wie ich machen kann. Gedankenverloren öffne ich meinen Rucksack und packe das Käsebrötchen aus, welches ich mir mitgenommen habe. Als ich wieder aufsehe blicke ich in dutzende treuer Hundeaugen, die alle Varianten des klassischen Bettelblicks durchspielen. Oh, oh Bad Idea.
So viele neue Freunde auf einen Schlag hatte ich noch nie, ich fürchte nur, die wollen gar nicht unbedingt mit mir befreundet sein, sondern mit dem Weißbrotding in meiner Hand.
Raika der Huskie hat sich inzwischen von hinten angepirscht und taxiert mich mit einem grünen und einem blauen Auge, ich sehe den Jagdtrieb aufblitzen. Es gibt nur eine Lösung. Ich stopfe mir das Ding auf ein mal in den Mund und trete den geordneten Rückzug an. Unzählige traurige Hundeaugen folgen mir.

Das Brötchen in meinem Mund fängt an sein Volumen um ein vielfältiges zu vergrößern.
Ich brauch jetzt dringend einen Schluck zu trinken. Zum Glück gibt es gleich um die Ecke das Jagdschloss Grunewald mit Ausflugsgastronomie. Hier ist zwar keine hundefreie Zone, aber es herrscht Leinenzwang. Uff, ich atme auf, die natürliche Ordnung der Dinge ist wieder hergestellt.

Auch das gibt es hier: Hundeportraits. Wenn der Hund nur bloß mal 5 Minuten still sitzen würde…..

PS. Ich versichere, dass bei dieser Recherche keinerlei Tiere zu Schaden gekommen sind.
Alle Ereignisse und Namen sind fiktiv, könnten sich aber genauso zugetragen haben.

PPS. Wer noch mehr Hunde bei ihren geheimen Leidenschaften sehen möchte, aber nicht in der Nähe des Grunewaldes wohnt schaut einfach hier nach

written by fruchtzwerg_hh on 2010-09-03 #places #location #travel-tips #berlin-germany-deutschland-hunde-dogs-grunewald-grunewaldsee-diana-mini-35mm-summer

2 Comments

  1. spoeker
    spoeker ·

    Klasse! und die Fotos, herrlich! Die ganz nahen sind dann mit käsebrötchen in der hand entstanden nehm ich an ;)

  2. fruchtzwerg_hh
    fruchtzwerg_hh ·

    ...genau die Linke mit dem Käsebrötchen in der Luft und mit der Rechten noch schnell ein Foto gemacht und dann nix wie weg, der Huskie war echt scary..... der sah aus, als wollte er mich hypnotisieren. Hat zum Glück nicht geklappt.

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