Gatow, Kladow, Sacrow

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Achtung Geheimtipp: Das Beste an Berlin ist ja eigentlich das Umland.
Aber erzählt das bloß keinem Berliner…;)

Berlin ist ja wirklich großartig und kaum ist man da, will man eigentlich gar nicht mehr weg. Es gibt ja auch so viel zu sehen und ständig geht irgendwo irgendwas ab.
Aber manchmal, da wird das einfach zuviel.

X-Berg, Prenzlberg, Midde, F’hain, Bar 25, Castingalley, Panoramabar, Club der Visionäre, Badeschiff, all die ganzen Styler, Hipster, Künschtler und Pornoschwaben… Puh, manchmal da will man einfach nur noch raus.

Dann heißt es Fahrräder geschnappt, Kamera eingetütet und ab zur nächsten S-Bahn.
Wir wollten diesmal nach Wannsee und dann an die Havel, keinen genauen Plan, nur raus ins Grüne, Wasser, Sonne, chillen!

Die S-Bahn nach Wannsee kam nicht.
Hat irgendwie System hier, wenigstens darauf kann man sich verlassen.
Dafür aber die nach Spandau… Spandau? Keine Ahnung, aber warum auch nicht.
In Spandau ging’s dann nach Süden, Richtung Wasser und da tauchten auch schon die ersten Schilder auf: Gatow. Wir wussten, irgendwo da in der Ecke gibt es einen See, der zu den besten Badeseen in Berlin gehören soll. Also hin da.

Die ganze Ecke zwischen Spandau im Norden und Postdam im Süden ist ein bisschen terra incognita, selbst für die meisten Berliner, denn zu Zeiten der DDR war hier Zonenrandbezirk und Niemandsland.
Viele Orte dämmerten im Dornröschenschlaf vor sich hin. Dabei hatten schon im letzten Jahrhundert reiche Berliner die Ecke als Sommerfrische für sich entdeckt und das Havelufer mit allerlei schicken Villen zugepflastert.
Die gibt es auch heute wieder zu bestaunen, sowie die ganzen Wassersport-Clubs, die sich wie Perlen an einer Schnur entlang des Ufers der Havel ziehen.

Und dann ist da auch noch der ehemalige Flugplatz von Gatow. Erbaut von den Nazis und neben Tempelhof wichtig für das Überleben von West-Berlin während der Berlin-Blockade als Teil der Luftbrücke.
Heute landen und starten hier höchstens noch Vögelschwärme, aber dafür gibt es ein Luftwaffenmuseum der Bundeswehr.

Weiter geht es Richtung Kladow.
Die Gegend wird immer ländlicher. Unmittelbar am Uferstreifen reihen sich Kleingartenkolonien mit den absolut unglaublich, schönsten winzigsten Gärten, die man sich vorstellen kann.
Alleine hier kann man sich schon einen ganzen Tag lang rumtreiben und fotografieren.
Aber wir wollen ins Wasser und nicht nur ans Wasser. Von Kladow kann man mit einer BVG-Fähre stündlich nach Wannsee fahren. Aber wir waren ja noch auf der Suche nach dem Badesee aller Badeseen, also weiter.

Fährverbindung Wannsee - Kladow

Südlich von Kladow liegt das Gut Neu-Kladow.
Dieses idyllische Fleckchen hat seit seiner Erbauung um 1800 eine wechselhafte Geschichte hinter sich, namhafte Künstler arbeiteten hier, z.B. der Maler Max Slevogt.
Später diente es militärischen Zwecken, um dann schließlich als Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt genutzt zu werden. Seit Anfang der 90er-Jahre war es fast dem Verfall geweiht, aber seit ein paar Jahren bemüht sich eine gemeinnützige Stiftung um Sanierung und Wiederbelebung als kulturelles Zentrum mit Ausstellungen und anderen künstlerischen Aktivitäten.

Gut Neu-Kladow

Ein Café mit einem wunderschönen Ausblick über die Havel gibt es bereits wieder.

Café Luise

Fehlt noch der letzte Ort in der Reihe: Sacrow.
Auf dem Weg dahin fährt man durch ein Naturschutzgebiet zwischen Havel und dem Sacrower See. Sacrow selber ist bekannt wegen seines Schlosses und dem umgebenden wunderschönen Schlosspark. Naja “Schloss” ist vielleicht ein wenig übertrieben, eigentlich ist es eher ein ausgewachsenes Herrenhaus, oder allenfalls ein “Schlösschen”.
Aber dann kommt’s: im Schlosspark am Ufer der Havel steht die Heilandskirche und irgendwie ist man plötzlich nicht mehr am Rande von Berlin, sondern in einem Gemälde des französischen Malers Claude Lorrain: Die Sonne senkt sich über der Wasserfläche und inmitten des Grüns erhebt sich eine italienisch anmutende Kirche mit Arkadengang und freistehendem Campanile, die versonnen ihr Spiegelbild im Wasser betrachtet… hach, wie romantisch!

Mehr zur Heilandskirche

Unweit der Kirche gibt es einen Fähranleger und von dort bringt uns im schwindenden Licht der untergehenden Sonne eine Fähre zurück in die Zivilisation nach Potsdam, mit kurzen Stops bei der Meierei unweit von Schloss Cecilienhof, der Glienicker Brücke und dem Schlosspark Babelsberg.

Potsdamer Wassertaxi

Ja und was war jetzt mit dem Badesee? Richtig, gut aufgepasst.
Den haben wir diesmal leider nicht gefunden, aber hier kommen wir auf jeden Fall noch einmal her, keine Frage!!!

written by fruchtzwerg_hh on 2010-09-16 #places #location #travel-tips #berlin-spandau-potsdam-havel-gatow-sacrow-kladow-fahrradtour-badesee

One Comment

  1. sushi_9009
    sushi_9009 ·

    Ein wirklich schöne Reise ins Umland :))

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