Ghetto Novo, Venedig

Fotografie-Student Dominic Clark erinnert sich an seine Reise ins Ghetto Novo, Venedig, mit seiner
Lomo LC-A. Seine lebhaften Bilder des berühmt-berüchtigten Ghettos wurden im Juni an der Lincoln University in England ausgestellt und sind auch auf der Website von Source Magazine zu sehen.

Im Jahr 2009, zum Start meines dritten Jahres an der Universität, bekam ich die Möglichkeit, zur Biennale nach Venedig zu reisen.
Eine so riesige Kunstausstellung in einer der einzigartigsten Städte der Welt zu sehen war eine sehr inspirierende Erfahrung – und schrie förmlich danach, dokumentiert zu werden.

Natürlich nahm ich meine Holga mit, aber um sie wirklich unvergesslich zu machen, wollte ich auf dieser Reise etwas Spezielles fotografieren und mehr als nur Schnappschüsse machen. Ich wollte tiefer gehen, und wenn möglich eine genauere Einsicht in die Stadt Venedig erlangen.

Zur Verfügung standen mir außerdem eine Nikon F100 und eine Canon 5D, aber als ich meine Tasche packte, zögerte ich, sie mitzunehmen.
Durch meine Recherche hatte ich herausgefunden, dass nicht weit von unserem Hotel entfernt das alte jüdische Ghetto lag, das offenbar der Mittelpunkt der Unterdrückung der Juden im 15. Jahrhundert war.
Und damit nicht genug, es ist auch DAS Ghetto, das den Begriff „Ghetto“ überhaupt erst geprägt hat.
Es ist immer noch ein Mittelpunkt jüdischer Kultur. Aus diesen Gründen erschien es mir unpassend, diesen Bereich mit diesen Kameras zu dokumentieren.
Als ob die Stadt mir sagen wolle „noch ein Dokumentarfotograf?
Lasst euch was mal was Neues einfallen.
Darum entschied ich mich für meine Lomo LC-A.

Wir hatten nur vier Tage in Venedig und verbrachten viel Zeit auf der Biennale, was mir wenig Möglichkeiten zum Fotografieren lies.
Am letzten Tag endlich nutzte ich die Chance den Stadtteil zu besuchen und wurde nicht enttäuscht.
Wenn man zuerst zum großen Platz geht, sieht alles urtümlich und antik aus, als wäre nie etwas geschehen. Es gibt überall koschere Cafés und orthodoxe Buchläden.
Die waren ein wunderbares Fotomotiv, denn es hätte keine stärkere Gegenüberstellung der Kulturen geben können. Echos des lang vergangenen Leids waren überall zu spüren.
Es wurde aber noch interessanter, als wir in eine Seitenstraße einbogen: verfallene Gebäude und zerstörte Türen. Es war, als ob sich diese Gegend in einer Blase befände und vergessen worden war, während nur eine Straße weiter das hektische Leben Venedigs weiterlief.

In der kurzen Zeit, die mir blieb, machte ich so viele Fotos dieser trostlosen Wege und Gassen, wie ich nur konnte. Die daraus resultierenden Bilder waren sowohl eindringlich als auch großartig.
Dieses sensible Thema mit der Energie der LC-A zu kombinieren, schuf ein lebhaftes Portrait der Gegend, während es die heikle Schaurigkeit, die dieser Ort hervorruft, beibehielt.
Bis vor kurzem hatte ich die Kamera als flippig und mehr als Mode-Gag angesehen, aber dort auf diesen Straßen bekam sie eine neue Daseinsberechtigung, indem sie Leidenschaft, Bewegung und Energie in diese seltsamen Gassen fließen ließ.

Als ich das Projekt vor der Abreise meinen Tutoren vorstellte, hörte ihre Neugier schlagartig auf, als ich meine LC-A aus der Tasche nahm. An dem Projektthema selbst waren sie interessiert, aber die Mittel, mit denen ich es umsetzten wollte, wurden zur Quelle einiger Spannungen zwischen uns.
Wir waren alle überrascht, als ich meine Kontaktabzüge bekam, und wir sahen, was ich da fotografisch festgehalten hatte.

Das Projekt, das zum Teil meiner Abschlusspräsentation des dritten Jahres wurde, wurde im Juni 2010 im Thomas Parker House der Lincoln Universitiy ausgestellt und ist auch auf der Website von Source Magazine zu sehen.

Geschrieben von Dominic Clark
domclark
www.dominicclark.co.uk
www.domclark.tumblr.com

written by cruzron on 2010-12-23 #lifestyle #lc-a #ausstellung #schwarz-weiss #venedig #dominic-clark #analogue-lifestyle
translated by scorpie

More Interesting Articles