Agfa Silette - Ein Stück Fotogeschichte

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Die Agfa Silette ist eine robuste Kleinbildkamera, die für ihr alter erstaunlich gute Bilder macht.
Sie ist voll manuell und man hat somit alle Einstellungen selbst unter Kontrolle und viele Bildgestaltungsmöglichkeiten.

Als sie rauskam war sie mitte der 50er Jahre wohl eine kleine Revolution. Die meisten zur damaligen Zeit erhältlichen Kleinbildkameras waren entweder Billigmodelle ohne Einstellmöglichkeiten in Sachen Blende und Verschlusszeiten oder extrem teuer, wie die bekannte Leica.
Die meisten leistbaren Kameras hatten noch eine Balgenmechanik oder ein Objektiv, welches man herausziehen musste. Die Silette war anders, sie hatte nicht nur ein festes Objektiv, welches man vor dem Fotografieren nicht erst zeitaufwändig ausklappen musste sondern war auch noch kompakter als die meisten Kameras der damaligen Zeit, obwohl mit feststehendem Objektiv. Etwas Besonderes war damals auch der Schnellspannhebel, durch den man den Film nicht mehr getrennt vom Aufziehen des Verschlusses weiterdrehen musste. Diese ganzen Eigenschaften hat die Kamera wohl zu verdanken, dass sie zur damaligen Zeit eine enorme Verbreitung fand und man sie deswegen auch heute noch oft (und auch günstig) auf Ebay und auf Flohmärkten findet. Ich persönlich habe die Kamera allerdings von meinem Opa, bei dem sie auf dem Dachboden rumlag.

Als erstes zu den Äußerlichkeiten:
Die Kamera ist für heutige Verhältnisse jetzt nicht besonders klein aber für damalige Verhältnisse recht kompakt mit ihren 12 cm Länge und 6cm Höhe. Sie ist ziemlich schwer und komplett aus Aluminium und Messing, also ziemlich robust. Sie hat einen ziemlich kleinen Sucher und einen Blitzschuh, der aber nur als Halterung für den Blitz gedacht ist, nicht aber um ihn damit an die Kamera anzuschließen. Damit er funktioniert, ist ein zusätzliches Kabel nötig.

Das Objektiv und die Einstellungen:
Das Objektiv Apotar 1 hat die Brennweite 45, womit schon ziemlich viel aufs Bild kommt.
Vorne sitzt ein Einstellungsring zur Entfernungseinstellung. Die Entfernung muss man schätzen, was auch gut funktioniert. Die Einstellung reicht von 1 m bis unendlich, stufenlos.
Dann kommt der Zeitenring. Damit lassen sich Verschlusszeiten von 1/300 Sekunde bist eine Sekunde einstellen. Außerdem gibt es eine Bulbfunktion für Langzeitbelichtungen. Unter dem Zeitenring ist ein Selbstauslöser vorhanden. Danach kommt der Blendenring. Er geht von Blende 3.5 bis 16.

Das Fotografieren:
Wenn etwas fotografieren will, geschieht dies ganz mechanisch. Blende, Zeit und Entfernung muss man selbst wählen. Es gibt keinen Belichtungsmesser und keine Elektronik, die einem hilft.
Das ist aber kein wirkliches Problem, denn das Schätzen funktioniert ganz gut, wenn man sich einfach an folgenden Merksatz hält: “Bei ASA 100 und wenn die Sonne lacht, Verschlusszeit gleich ASA und Blende 8”
Damit fotografiert man bei sonnigem Wetter bei einem eingelegtem 100 ASA Film mit einer Vesrchlusszeit von 1/100 Sekunde. Wenn es etwas wolkiger ist, nimmt man halt Blende 5.6. Das ganze ist ales wirklich kein Problem und funktioniert überraschend gut.
Dank dem Blendenring ist es auch möglich Tiefenschärfe zu erzeugen…oder eben nicht. Man kann sein Ergebnis also ganz individuell beeinflussen. Wenn man schnelle Schnapschüsse machen will und keien Zeit zum Einstellen hat gibt es eine rot makierte sogenannte “Schnappschussstellung” . Dabei muss man die Entfernung auf 3 m stellen und die Blende auf 8. Dann ist alles von 3 m bis unendlich scharf. Dann muss man nur noch die Verschlusszeit so ungefähr an das Licht anpassen. So kann man dann auch relativ gut Schnappschüsse machen.

Die Ergebnisse:
Die alte Kamera macht erstaunlich gute Bilder. Man würde, zumindest wenn die Einstellungen von Blende, Zeit und Entfernung perfekt sind nicht an solch eien Kamera denken.
Andererseits ist dies bei Schnappschüssen oft nicht der Fall, wodurch es zu Unschärfen und verschobenen Farben, groben Korn usw. kommen kann.
Hier ein paar Fotos, allerdings gecrosste und welche, wo der Film vorher für 5 min. im Backofen war, wodurch es dann zu dem Magentastich kam.

Eignung zum Lomografieren:
Obwohl die Kamera leider keine Vignetten produziert und das Objektiv trotz des Alters perfekt abbildet, ist diese Kamera durchaus zum lomografieren geeignet. Nette lomografische Effekte können z.B. durch die wenn man nicht so genau drauf achtet, falschen Zeiten und Blendeneinstellungen oder bei der Schnappsussstellung zustande kommen.
Außerdem sind einige Kameras aufgrund des Alters bestimmt schon verzogen, wodurch sie undicht geworden sien könnten oder die Linse verkratzt ist usw….auch wenn dies bei mir nun nicht der Fall war.
Außerdem ist die Kamera sehr robust und kann deswegen überall mit hingenommen werden und verträgt auch mal unaufgeräumte Taschen ohne Schutz…auch wenn diese mal achtlos behandelt werden.

Alles in allem ist die Agfa Silette zu empfehlen, auch weil sie ziemlich oft und einfach zu besorgen ist. Vielleicht sollte man vor der Anschaffung auch mal bei älteren Verwandten nachfragen. ;)

written by crozok on 2010-11-16 #gear #35mm #agfa #review #agfa-silette #kamera #silette

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One Comment

  1. darryl1208
    darryl1208 ·

    Ich hatte gestern noch eine in der Hand und habe sie nicht gekauft, aber wirklich eine schöne Kamera.
    Stielecht wäre natürlich mit einem Blitz mit Einwegbirnen zu fotografieren.

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