Mer losse de Dom in Kölle un fahre naach Berlin

Wer hätte das gedacht, das man als Norddeutscher einen Tag vor dem Nationalfeiertag der Rheinländer, dem Rosenmontag in der bundesdeutschen Hauptstadt die Chance hat das närrische Treiben in freier Wildbahn zu beobachten? Neugierig? Hier folgt mein Frontbericht!

Ahnungslos sitze ich also in der U1, Richtung Uhlandstrasse als am Nollendorfplatz plötzlich ein weiblicher und ein männlicher Clown zusteigen.
Ich denke zunächst: Naja, Berlin – das ist normal.
Als mir dann am Kurfürstendamm aber noch mehr Clowns, Piraten, Cowboys und Ölscheichs begegnen, fällt auch bei mir langsam der Groschen.
Stimmt ja, es ist Faschingszeit und es gibt bestimmt einen Umzug.

Jetzt hieß es schnell handeln, glücklicherweise war ich gut bewaffnet mit der Contax T2 und etlichen Rollen Fuji Press 800, die bei dem Winterwetter zum Schuß kommen sollten.

Der Zug war offensichtlich gerade gestartet, so blieb mir noch genügend Zeit, mich um einen guten Platz zu kümmern. Kaum hatte ich diesen bezogen, konnte ich auch schon die Musik hören. Wenn gerade keine Live-Kapelle spielte, dröhnte aus den scheppernden Boxen der Wagen zumeist eine Karnevalsversion von DJ Ötzi’s “Ein Stern, der deinen Namen trägt” oder auch gerne mal “Viva Colonia” (müsste ja eigentlich eher Viva Berlinia heißen) aber offensichtlich kommen die meisten Schunkelhits eben doch aus Köln oder Düsseldorf.

Wenn dann wirklich mal Funkstille war, gab es genügend Entertainment von der Faschingscrew, die neben mir stand. Es handelte sich hier offenbar um zwei Paare aus dem benachbarten Umland von Berlin, die offensichtlich auf der Fahrt zum Zug schon die eine oder andere Spirituose genascht hatten (wahrscheinlich Schlüpferstürmer oder Feuchtes Pfläumchen).
Einer der Herren (natürlich ganz einfallsreich als Clown verkleidet) war besonders gut in Form und kommentierte jede Gruppe oder Kapelle die an uns vorbei zog.

Bei den Dudelsackbläsern von den “Black Kilts” legte er aber noch mal eine Schippe nach.
Hier mal einige Zitate: “Hallo, was trägt der Schotte unterm Rock?”
Ey Musik – ihr könnt uns mal kräftig einen blasen (wohl eine Anspielung auf den Dudelsack) oder Rinkel Rankel Runkel – unterm Schottenrock ist’s dunkel….

Der Mann war gut und gab sogar mit seiner Frau (auch Clown, was sonst) noch eine Live-Tanzeinlage vor laufenden Kameras des RBB.

Ein weiteres Highlight war ein völlig normal angezogener Mann, der offensichtlich stark alkoholisiert, zwischen zwei Wagen eine Art bizarren Ausdruckstanz aufführte, und von den Massen am Strassenrand mit den Worten “komm, gib alles” noch weiter angefeuert wurde, worauf er aber auch wirklich alles gab.
So was hat man echt selten gesehen!

Ob die Person offiziell zum Zug gehörte oder ob es sich um ein Berliner Original handelte, der sich wie einst der berühmte Hauptmann von Köpenick, eher auf unehrliche Zugang zum Umzug verschafft hatte, konnte ich leider nicht mehr feststellen.

Ich war letzten Endes auch ganz froh, als der Zug vorbei war und ich mit einer Tasche voller Filme weiterziehen konnte.

written by eyecon on 2010-03-01 #places #berlin #location #capital #carneval #city #karneval #stadt #fasching #hauptstadt

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