Zurück zu den Grundlagen: Das Film-Einmaleins

Gute Negative sorgen für gute Abzüge. Schlechte Negative bereiten Abzüge, die zu dunkle oder verwaschene Farben zeigen. Dieser Tipster zeigt, wie man eine Balance zustande bringt.

Das ist ein gutes Negativ: Es zeigt eine Bandbreite an sehr hellen und beinahe schwarzen Tönen und obwohl der Film gecrosst wurde, sind viele Details in den hellen und dunklen Farben zu sehen. Selbst der untere Teil, wo beinahe kein Licht ist, ist noch sehr detailreich.

Drei Dinge müssen passieren, um eine Fotografie festzuhalten, sei es auf Film oder (dun dun dahhh…) digital. Du brauchst ein Loch, damit das Licht auf ein lichtempfindliches Medium fallen kann. Das ist die Blende. Du brauchst ein Medium, auf das das Licht fällt. Das ist der Film. Du musst das Medium mit dem Licht für eine gewisse Dauer belichten. Das ist die Verschlusszeit.

neja hat einen Film mit 800 ISO benutzt, um dieses perfekt belichtete Bild bei schwierigen Lichtbedingungen festzuhalten. In der Abenddämmerung kann es noch sehr helles Licht geben und sich über die ganze Szenerie zerstreuen, während in anderen Bereichen schon sehr dunkle Schatten zu sehen sind!

Die Kunst des Erschaffens eines guten Negativs liegt in der richtigen Einschätzung des Fotografen und seinem Wissen über die Funktionsweise von Fotografie und Film.

Sogar die einfachste Kamera erlaubt dir Einstellungen zu verändern. Nimm eine Diana F+ im Pinhole-Modus. An der Blende kannst du nichts ändern, aber du kannst den Film richtig wählen und die Belichtungszeit bestimmen.

Eine kürzlich fotografierte Serie von Pinhole-Aufnahmen von neanderthalis zeigt wunderbare Negative, perfekt belichtete, fantastische Pinholes, alles richtig fokussiert, aber sehr verträumt.

Jeder Film ist wie ein Kübel oder Eimer. Er hat das ideale Fassungsvermögen. Zu viel Wasser und er läuft über. Zu wenig Wasser und er ist nicht genug gefüllt.

Wenn „der Eimer nicht genug gefüllt ist“, sind deine Negative unterbelichtet, alles sieht dunkel aus und die Schatten sind ganz ohne Detail. Wenn „der Eimer zum überlaufen gebracht wird“, hast du große überbelichtete Bereiche, die zu hell und ohne Details sind.

Das erste Bild ist ein furchtbares Negativ. Ich habe es mit einer La Sardina aufgenommen und einfach den falschen Film für den Tag benutzt. Keine Details sind in den dunklen Bereichen zu sehen und selbst die helleren Bereiche sind sehr dunkel. Es ist stark unterbelichtet. Das zweite ist überbelichtet. Ich habe die Belichtungszeit falsch eingeschätzt und deshalb sieht man fast nichts außer Licht und daher ist auch hier wenig Detailgenauigkeit zu sehen.

Wenn du von solchen Negativen Abzüge machen lässt, sind die Ergebnisse enttäuschend.

Als Fotograf musst du versuchen, den „Eimer genau richtig zu füllen“.

Kurz gesagt, die Lichtempfindlichkeit gibt an, wie lange es dauert, bis der Film „richtig gefüllt“ ist. Die Filmempfindlichkeit wird üblicherweise mit ISO oder ASA gemessen; diese Einheiten sind identisch. Ein Film mit 50 ISO braucht länger, um „gefüllt zu werden“, als ein Film mit einer ISO von 1600. Deshalb bezeichnet man Filme mit 50 oder 100 ISO als relativ lichtunempfindliche Filme, Filme mit 400, 800 oder sogar 1600 ISO dagegen als sehr lichtempfindliche Filme. Du kannst diese Ausdrücke verwenden und andere Fotografen wissen, wovon du sprichst (wenn du in ein Fotogeschäft gehst und sagst, „Ich hätte gern den lichtempfindlichsten Film, den Sie haben“, werden sie dir wahrscheinlich einen Fuji 1600 oder einen Ilford Delta 3200 anbieten).

Der ISO-Wert steht immer auf der Schachtel und auf der Filmpatrone. Fuji druckt das gern groß, Kodak nicht ganz so…

Man sagt, ein sehr sonniger, wolkenloser Tag ist perfekt für einen Film mit 100 ISO, du kannst eine mittlere Blende und schnelle Verschlusszeit auf deiner Kamera einstellen und bekommst großartige Aufnahmen. Bei Kameras mit weniger Einstellungen, wie der La Sardina oder Holga, ist ein Film mit 100 ISO für einen sehr sonnigen Tag geeignet oder ein Film mit 1600 ISO für nachts, weil die Verschlusszeit und Blende (zumindest bei der La Sardina) festgesetzt ist.

Die wunderbare LC-A hat einen Belichtungsmesser, der die Arbeit für dich macht. Die Kamera wählt die Blende und lässt den Verschluss so lange offen, wie das für den jeweiligen Film von Nöten ist, damit er „richtig gefüllt ist“. Großartig, außer du fotografierst mit einem 100 ISO Film bei Nacht – dann könnte der Belichtungsmesser den Verschluss deiner Kamera eine Minute oder länger geöffnet lassen und dann sieht man, wie du gehst oder deine Hände zittern etc. Außer du willst ein seltsames, verwackeltes Lichterbild, wirst du enttäuscht sein. Da hättest du Film mit 1600 ISO verwenden sollen.

Eine Spiegelreflexkamera, wie meine alte Praktica, oder eine Spiegelreflexkamera mit zwei Linsen, wie meine Lubitel 2, geben dir volle Kontrolle über deine Bilder. Du kannst den Film wählen, die ISO-Einstellung (nicht immer, bei meiner Lubitel geht das nicht), deine Blendeneinstellung und deine Verschlusszeit. Der Belichtungsmesser in deiner Kamera zeigt dir, wenn er richtig eingestellt wurde, ob du die Einstellungen richtig gewählt hast.

Ich empfehle hierzu einen anderen Artikel von mir für mehr Informationen über die Filmempfindlichkeit.

Das klingt vielleicht nach einem sehr simplen Tipster und viele von euch haben vielleicht wenig Interesse daran, aber für alle, die gerade von der Schnappschuss-Digitalfotografie zum Film gekommen sind, kann das sehr aufschlussreich sein. Wenn du das verstanden hast und dein Wissen verwendest, bist du bereit für den Rest dieser Tipster-Serie und dann kannst du damit beginnen, die Regeln zu brechen und interessantere Bilder machen.

Zum Beispiel musst du wissen, dass du einen Film mit geringer ISO für Nachtaufnahmen brauchst, wenn du Lichtmalerei machen willst. Wenn du einen Film mit 1600 ISO benutzt, wird dein Film schnell überbelichtet. Also brich die Regeln. Nimm einen Film mit 100 ISO und belichte ihn stundenlang (bzw. solange, wie es dein Belichtungsmesser empfiehlt) und du bekommst tolle Lichtbänder.

Gute Wahl von samwengchern, er hat tolle Effekte mit dem Licht bei Nacht erzielt!

Ein letzter Tipp: Wenn du lieber einen lichtunempfindlicheren Film wählst, wenn einer mit höherer Lichtempfindlichkeit besser gewesen wäre, dann verwende ein Stativ. Dadurch werden verwackelte Bilder vermieden.

In der nächsten Ausgabe werde ich dein Wissen über Fotografie mit einer Erklärung des allgegenwärtigen Stops erweitern. Wenn wir damit fertig sind, wirst du erst richtig Spaß mit deinen Kameras und Linsen haben.

Zurück zu den Grundlagen ist eine Tipster-Serie von Adam Griffiths, in der er technisches Wissen zur analogen Fotografie vermittelt. Jede Ausgabe dreht sich um ein fundamentales Thema der Fotografie, das von ihm schnell und einfach erklärt wird.

written by adam_g2000 on 2012-08-28 #gear #tutorials #film #slr #tipster #asa #tlr #holga #diana #iso #crossen #theorie #negativ #spiegelreflex #la-sardina #empfindlichkeit #back-to-basics #zuruck-zu-den-grundlagen
translated by wolkers

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