Muster verstehen und anwenden in 10 Schritten

Muster begegnen uns als natürliche, aber auch als von Menschen geprägte Formen und bieten Fotografen große Chancen für dramatische Schnappschüsse, die das Auge fesseln. Aber wie können wir diese Muster in unseren Arbeiten am besten nutzen? Heute werden wir einen Blick auf verschiedene Beispiele zum besseren Verständnis von Mustern in fotografischen Komposition werfen.

Geschrieben von: Simon Bray

Schritt 1. Was sind Muster?

Muster sind wiederholte Formen, Farben oder Gegenstände, die entweder regelmäßig oder unregelmäßig auftreten. Für Fotografen sind diese Formationen der Schlüssel für gute Bildkompositionen und können ein einfaches Foto in etwas Dramatisches und Fesselndes verwandeln, sofern die Muster und Formationen effektiv genutzt werden. Muster sind überall um uns herum vorzufinden – in natürlichen und von Menschen gestalteten Umgebungen. Der Schlüssel für Fotografen ist es erstens, sie zu finden und zweitens, zum eigenen Vorteil in Szene zu setzen.

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Schritt 2. Warum sind Muster nützlich?

Muster sind unbestimmte Einheiten; man kann nicht sagen, was ein gutes oder schlechtes Muster ist. Das ist völlig subjektiv. Zum Beispiel können Muster starke Strukturen präsentieren, ein gut definiertes Thema, auffällige Wiederholungen, oder Farbe, die ein Bild zum Leben erweckt.
Die Wertschätzung von Mustern wird deine fotografischen Arbeiten in allen Bereichen verbessern: Es wird dir helfen, dein fotografisches Auge weiter zu entwickeln und die Korrelationen zwischen Formen, Farben und Linien besser zu verstehen. Du benötigst keine spezielle Ausrüstung, um die Verwendung von Mustern in deinen Arbeiten zu maximieren. Ein gut geschultes Auge und die Fähigkeit neue Perspektiven zu entwickeln sind notwendig.

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Schritt 3. Wo findest du Muster?

Es ist sehr schwer vorauszusagen, wo Muster zu finden sind, da es sie überall und nirgendwo geben kann! Wichtig ist es, einfach immer in deinem Alltag die Augen offen halten und sicherzustellen, dass du deine Kamera für den Fall der Fälle immer zur Hand hast! Versuche die nächstgelegenen Städte zu erkunden und ich garantiere dir, dass du ein paar tolle Beispiele von Mustern finden wirst.
Wichtig ist der Standpunkt, von dem du das Foto schießt. Wenn du ein kleines Objekt vor dir hast, versuche so nah wie möglich heranzukommen, um alle Details des Musters zu erfassen. Oft gibt es aber Muster größeren Umfangs und dann ist es am besten, einen Standpunkt von oben zu finden. Wenn du kannst, versuche einen sehr hohen Punkt zu finden, um aus der Vogelperspektive zu fotografieren. Wer weiß, was du finden wirst!

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Schritt 4. Regelmäßige Muster

Einige der lohnendsten Muster bestehen aus Formen, Linien oder Farben, die in einer strengen Regelmäßigkeit vorzufinden sind. Diese füllen das Bild mit klaren Linien oder mit beständigen geometrischen Formationen und ergeben ein starkes, dramatische Foto. Es ist die Regelmäßigkeit der Anordnung der Objekte, die so viel Kraft ausstrahlt.
Das sich wiederholende Muster präsentiert sich dem Fotografen; es ist nicht der Fall, dass der Fotograf das Muster durch Fotografieren erstellt. Es gilt bereits bestehende Muster zu finden, die Linien zu nutzen und durch den gewählten Standpunkt (Winkel, aus dem das Foto gemacht wird) einzufangen.

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Schritt 5. Unregelmäßige Muster

Es wird oft angenommen, dass ein Muster gerade Linien beinhalten muss, um etwas Erkennbares als Muster zu erzeugen. Das ist jedoch nicht der Fall. Vor allem in der Natur können Muster mit unregelmäßigen Formationen gefunden werden. Im direkten Gegensatz zu regelmäßigen Formationen kann der Fotograf hier ein Muster aus einer Auswahl von Objekten selbst erstellen.
Ich meine damit nicht, dass materielle Objekte bewegt werden, sondern dass hier mit dem Auge und dem Perspektivenwinkeln das Potenzial für ein Muster innerhalb der gegebenen Szene gefunden werden muss. Dieser kreative Aspekt unregelmäßiger Muster macht es weitaus schwieriger als das Fotografieren regelmäßiger Muster. Aber es gibt dem Fotografen viel mehr Freiheit, aus etwas Gefundenem mehr zu schaffen.

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Schritt 6. Die Natur

Die Natur bietet eine endlose Vielfalt von möglichen Mustern, aus denen man das Beste rausholen kann. Einfache Felsformationen, Baumreihen oder Blattadern sind leicht zu finden und einzufangen. Achte darauf, sowohl in großen als auch kleineren Dimensionen zu suchen. Oft präsentieren die Details von Naturobjekten die faszinierendsten Muster. Aber genauso können zum Beispiel große Sandsteinformationen mit vielen Schichten und Farbtönen ein hervorragendes Motiv sein.

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Schritt 7. Künstliche Muster

Das gleiche Prinzip gilt für das Fotografieren von von Menschen gemachten Mustern: Detailaufnahmen von Mauerwerk oder Kopfsteinpflaster bieten vielfältige Möglichkeiten. Es ist aber genauso möglich, Muster zu finden, wenn der Blick von einem Hochhaus aus über eine riesige Stadt schweift.
Strukturen und Gebäude sind oft ein guter Ort, um zu starten, denn von dort aus lassen sich eine Menge Architekturfotos in Szene setzen, die genau diese Gebäudestrukturen, wie zum Beispiel Fenstermuster, nutzen. Autos, aber auch Menschen, eignen sich für die Musteraufnahmen, vor allem, wenn diese in Reihen angeordnet sind oder gruppiert auftreten.
Allerdings sind in diesem Fall Muster, die aus der Vogelperspektive zum Beispiel nach unten in ein Café oder von einem Dach aus, aufgenommen werden, meine Lieblingsmuster. Wenn du kannst, steig‘ also hoch hinauf!

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Schritt 8. Kompositionsprinzipien

Bei der Verwendung von Mustern in deiner Arbeit ist es wichtig, den Einfluss der Muster durch das sorgfältige Bedenken der Bildkomposition zu maximieren. Zu aller erst gilt es, zu überdenken, ob das Motiv das ganze Bild füllen soll. Wenn es das tut, wird es die Wirkung und Dramatik erhöhen, da das Auge durch nichts anderes vom Muster abgelenkt werden kann.
Du musst auch mit dem Winkel, von dem aus du das Muster fotografierst, experimentieren. Einige Formen und Linien verleiten gerade dazu, frontal als starre quadratische Struktur fotografiert zu werden. Andere Muster können besser von einer experimentellen Perspektive erfasst werden. Spiele mit den verschiedenen Winkeln, um zu sehen, was am besten funktioniert.
Als letzter Aspekt ist die Betrachtung der Kombinationen von Muster und Raum zu bedenken: Die Betonung eines Musters durch die Kombination mit einfarbiger Fläche oder einer natürlichen Umgebung.

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Schritt 9. Aufbrechen von Mustern

Sobald du es beherrschst, regelmäßige und unregelmäßige Muster zu entdecken, kannst du versuchen, Muster aufzubrechen. Damit meine ich die Verwendung eines Musters und Einbeziehung einer Anomalie innerhalb des Musters als Hingucker, zum Beispiel ein Bild von einer Reihe roter Buntstifte mit einem Blauen irgendwo dazwischen.
Solche Situationen lassen sich durch Manipulation leicht herstellen; in einer natürlichen Umgebung ist es aber sehr schwer zu finden. Wenn du dies beherrschst und effektiv nutzt, kannst du extrem dramatische Bilder herstellen, vor allem wenn ein menschliches Element integriert ist. Wenn du so etwas siehst, während du unterwegs bist, schnapp es dir!

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Schritt 10. Experimentiere!

Wie immer, versuche die Grundprinzipien zu beherrschen und steigere dann deine Kreativität. Man weiß nie, wann oder wohin man geht oder wo man Muster finden wird. Versuche also immer deine Kamera mitzunehmen, egal ob auf dem Land oder in der Stadt, und halte die Augen offen! Denke daran, Winkel, Licht und Kompositionsvarianten zu nutzen. Und wenn du etwas abenteuerlustiger bist, dann versuche verschiedene Muster mit einer Doppelbelichtung zu kombinieren …

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Phototuts+ ist eine Informationsquelle, um etwas über alle Aspekte der Fotografie zu lernen. Wenn du Fotografie liebst, wirst du eine Schatzkiste voll mit wertvollen Tipps auf Phototuts+ finden. Behalte Phototuts+ im Auge, denn sie unterstützen jeden Monat einen Lomography-Tipster. Deiner könnte der nächste sein!

written by jeanmendoza on 2012-04-03 #gear #tutorials #tipster #tipp #muster #phototuts #komposition
translated by der-lennart

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