What It Takes: Agfa Super Silette Rangefinder-Kamera

In der zweiten Ausgabe von „What It Takes“ finde ich mich unerwartet bis zu den Handgelenken im Inneren einer Agfa Super Silette wieder, nachdem es nach meinen ersten Testaufnahmen zu einem kleinen Unfall kam.

Von: dinospork

Bevor wir anfangen, erkläre ich kurz die Grundregeln von „What It Takes“:

  • Ich kaufe, finde oder erhalte auf andere legale Weise eine Kamera für maximal $50 mit allen Umkosten.
  • Ich wische den Dreck ab, poliere alles, damit die Kamera etwas hermacht und sie soll grundlegend (vielleicht auch nur primitiv) funktionstüchtig sein und man sollte mit ihr Farbnegativ- und Schwarzweiß-Film belichten können.
  • Ich zeige euch die Ergebnisse, die Kamera und berichte „What It Takes“.

Dieses Mal ist mein Patient eine Agfa Super Silette Rangefinder-Kamera, die ich ganz an meinem Preislimit ($43,75 mit Versandkosten, die Kamera stammt aus New York) auf einer Online-Auktionsseite erstand. Ich war ein wenig enttäuscht, als die Kamera in der Post lag, weil sie nicht annähernd so schäbig aussah, wie mich die Bilder auf der Auktionsseite vermuten ließen. Auf den ersten Blick schien es mir nicht viel Arbeit, bis ich genauer hinsah. Dann wurde mir klar, dass ein wenig Spucke (metaphorisch) und etwas Farbe (wortwörtlich) nötig war.

Als erstes musste ich die Linse und den externen Rangefinder-Bildsucher säubern. Ich benutze einen Blasebalg, um den Staub zu entfernen, dann verwendete ich einen kürzlich erworbenen Lenspen, um alle verbliebenen Partikel zu entfernen. Als ich das Glas säuberte, fielen mir ein paar andere Probleme (Flecken und Rost unter der Farbe) auf, obwohl das nicht die Funktionstüchtigkeit der Kamera einschränkte.

Nachdem ich mit dem Blasebalg auch den Staub aus dem Gehäuse der Kamera entfernt hatte, war ich bereit, die Funktionen der Kamera zu überprüfen (immer eine gute Idee, bevor man den Film einlegt).

Das Gehäuse des Objektivs ist ein durchdachtes System, dass es dir erleichtert, die Belichtungseinstellungen zu wählen. Es gibt keinen integrierten Belichtungsmesser in dieser Kamera, aber du kannst die Belichtung abmessen oder den Lichtwert (Exposure Value = EV) einer Szene einschätzen. Dann richtest du danach die Verschlusszeit und Blendeneinstellung ein, so dass sie mit den roten Zaheln des EVs übereinstimmen (Bild 1) und die Kamera erlaubt dir nur die Einstellungen zu wählen (Bild 2 und 3), die zu einer guten Belichtung führen. Ich denke, die Methode ist sehr zuverlässig, vor allem in Kombination mit einer Belichtungsmesser-App, die ich auf meinem Handy installiert habe.

Die Fokuseinstellung wählt man mit dem Entfernungsmesser, der mit dem Bildsucher verbunden ist. Das ist ein großer Vorteil gegenüber dem Schätzen, mit dem man z.B. die Mercury II bedient oder die geringfügig zuverlässigeren Einstellungen bei der Holga. Bequemlichkeit hat auch seinen Nachteil, wie wir sehen werden.

Der Filmspulmechanismus hat einen Hebel und der Bildzähler ist automatisch, aber du musst den Bildzähler manuell zurückstellen. Zu meinem Bedauern fiel der Zähler ab, als ich das tun wollte! Zum Glück ließ sich das leicht reparieren. Ich konnte ihn wieder oben am Spulmechanismus anschrauben und alles funktionierte, wie eh und je!

Die ISO „stellt“ man ein, indem man den Rückspulknopf innen dreht (leichter gesagt als getan). Das ist mehr eine Erinnerung als eine Einstellung, weil diese Einstellung nichts an der Funktionalität Kamera ändert.

OK, rein mit dem Film!

Es ist eine wahre Freude, mit der Kamera zu fotografieren. Der Verschluss ist leise, das Design ist leicht zu bedienen, der Entfernungsmesser einfach, klar und im Bildsucher integriert, wenn du deine Aufnahme komponierst. Ich habe als Testfilm einen schwarzweißen Rollei Retro 80 eingelegt und dann anschließend einen Fuji Astia 100 benutzt.

Von: dinospork

Von da an ging es bergab. Wie bei jedem Astia, den ich je belichtet habe, habe ich die erste Hälfte des Films überbelichtet (wann lerne ich das nur?). Dann muss ich beschämt sagen, dass ich die Kamera vom Tisch stieß, als ich ans Telefon gehen wollte und das hat den Rückspulknopf richtig demoliert. Ich konnte das aber vorerst fixieren und weiter belichten (überbelichten), aber dann fiel mir auf, dass der Entfernungsmesser anzeigte, dass ich ein Objekt in 2 Meter Entfernung fokussierte, obwohl ich eigentlich auf “Unendlich” fokussierte. Der Fall hat die Zusammenarbeit des Entfernungsmessers und der Fokuseinstellung zerstört.

Bei dem Rest der Rolle Astia habe ich nach Einschätzen fokussiert und habe mich auf die Reise ins Innere der Kamera vorbereitet.

Von: dinospork

Ich werde hier nicht die Reparatur Schritt für Schritt erläutern. Kurz gesagt, ich habe den oberen Teil der Kamera abgenommen, die passenden Schrauben fester gedreht und dabei schlimm geflucht – so schlimm, dass ich das nicht veröffentlichen oder laut in guter Gesellschaft sagen kann. Am Ende hatte ich eine Kamera, mit der man wieder richtig mit dem Entfernungsmesser mit Hilfe des Bildsuchers fokussieren kann.

Und um für mein schlechtes Verhalten gegenüber dieser alten Kamera zu büßen (und weil die Kamera beim Fotografieren viel Spaß macht), habe ich eine dritte Testrolle belichtet, einen Farbnegativfilm. Die Linse sorgt für lebendige Farben, selbst wenn der Fokus nicht perfekt funktioniert.

Von: dinospork

Wenn du diese Kamera günstig finden kannst, wirst du den Kauf nicht bereuen. Das ist ein gut designtes Präzisionsinstrument, aber wie jedes Präzisionsinstrument verdient diese Kamera eine gute Behandlung! Man kann die Kamera sicher noch besser reparieren, aber wenn du eine in gutem Zustand bekommst, kannst du mit scharfen Bildern rechnen, die sich leicht richtig fokussieren und richtig belichten lassen.

Sieh dir meine schwarzweiße Testrolle in diesem Album an. Die Astia X-Pro Testrolle findest du in diesem Album und den farbigen Testfilm in diesem Album.

Bilder und Worte von Dan Arnold. Dan lebt, schreibt und sammelt Kameras in Vancouver, Washington und arbeitet in Portland, Oregon. Lies mehr Artikel in seiner Serie What It Takes.

written by dinospork on 2012-09-02 #gear #tutorials #rangefinder #vintage #tipster #kamera #reparatur #fokus #what-it-takes-series #reinigung #agfa-super-silette #dan-arnold
translated by wolkers

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