Erstaunliche Ergebnisse: Kodak Gold 400 expired

Im letzten Spätsommer bekam ich von einem Bekannten eine große Tüte in die Hand gedrückt: “Hier, du machst doch immer noch Sachen mit Film.” Neugierig schaute ich hinein – und entdeckte eine ganze Ladung verschiedener 35mm Filme. “Die sind aber schon abgelaufen”, fügte der freundliche Spender hinzu…

… und zwar seit gefühlt Ende der 90er Jahre, obwohl im Kühlschrank gelagert. Ob ich damit noch etwas anfangen könne. Ich war schon dabei, die Filmkapseln zu durchwühlen: Schwarz-Weiß und Negativ von verschiedenen Herstellen und mit verschiedenen ISO-Werten. Eine Tüte voll mit unberechenbaren Filmen. Wie aufregend!

Die abgelaufenen Filme, die ich bisher verwendet hatte, hatten größtenteils (auf eine Ausnahme komme ich noch in einem eigenen Artikel) kaum zu nennenswerten Effekten geführt. Also erwartete ich nichts Spezielles, als ich einen Kodak Gold 400 aus dem Vorrat fischte und ihn in meine Minolta einlegte. Draußen leuchtete eine herrliche Herbstsonne, das Licht war satt und golden, die Luft noch warm. Ich machte einen kleinen Fotospaziergang am Prenzlauer Berg und in Friedrichshain. Einige Bilder verschoss ich anschließend im Lomography Gallery Store Berlin und in meiner Wohnung. Wie gesagt, ich erwartete nichts Besonderes von diesem Film. Doch als ich schließlich die entwickelten Bilder in den Händen hielt, war die Überraschung groß.

Die draußen bei strahlendem Sonnenschein aufgenommenen Bilder waren, obwohl laut Belichtungsmesser korrekt belichtet, seltsam grieselig und farbarm, und außerdem dunkler als erwartet. Was auf den Bildern teilweise aussieht wie ein drohender Weltuntergang oder wie von einem anderen Planeten, war ein ganz gewöhnlicher Herbstnachmittag. Gut, irgendwann sank die Sonne. Aber für einen normalen ISO 400 Film in einer Spiegelreflexkamera war es locker noch hell genug. Die leichte Verzerrung an den Bildrändern liegt übrigens an der Holga Fisheye-Linse, deren Gewinde dankenswerterweise genau auf meine Minolta passt.

Auch die nächste Bildstrecke – Innenaufnahmen, teilweise mit Makrolinse – sorgte für Erstaunen: Erneut wiesen die Bilder relativ matte Farben auf; dazu kam eine grieselige, weichgezeichnete Unschärfe. Wobei mir dieser Effekt bei den Nahaufnahmen durchaus gefiel.

Weniger auffällig verhielt sich der Film bei Langzeitbelichtungen mit Paul, der jährlichen Inkarnation des ausgehöhlten Kürbis in meiner Küche. Ich experimentierte mit verschiedenen improvisierten “Stativen”, unterschiedlichen Belichtungszeiten und einem Rotfilter. Und ich mag die Farben, die dabei herauskamen.

Ein Film, drei verschiedene Fotogelegenheiten und die Erkenntnis: Allen Ergebnissen gemeinsam sind die stärkere Körnigkeit und eine verringerte Lichtempfindlichkeit. Im Nahbereich gesellt sich zudem ein Weichzeichnungseffekt hinzu – wobei dieser möglicherweise von einer der Linsen oder ihrer Kombination herrührt.

Fazit: Ein Experiment, das experimenteller geriet als erwartet. Ein Film für manche, aber nicht für alle Gelegenheiten. Wer auf eine reduzierte, matte Farbigkeit steht, sollte unbedingt versuchen, einen abgelaufenen Kodak Gold Film zu ergattern – und eventuell ein bisschen überbelichten, damit das Ganze nicht zu dunkel gerät.

Man darf gespannt sein auf den nächsten Film aus der Tüte. To be continued!

Einige Dinge im Leben sind besser wenn man sie vor dem Ablaufdatum benutzt, aber diese Regel gilt nicht für alles und erst recht nicht für abgelaufene Filme. Mit ihnen erhältst du fantastische Effekte und unvorhersehbare Farbtöne. Um ehrlich zu sein können wir auch nicht mehr darüber sagen, denn jeder Film macht unterschiedliche Resultate. Aber gerade das ist ja das Spannende daran! Wirf einen Blick auf unsere abgefahrenen abgelaufenen Filmneuheiten!

written by princess_crocodile on 2012-03-20 #gear #expired #review #experiment #35mm-film #kodak-gold-400 #lomography-gallery-store-berlin #abgelaufener-film #erfahrungen #mitarbeiter-review

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