Kapitel 5 Lomo Kikuyu: Wer oder Was sind die Kikuyu?

Zuallererst sind die Kikuyu die größte ethnische Gruppe in Kenia. Sie bevölkern viele Teile dieses Landes, das so groß ist wie Österreich, die Schweiz, die Niederlande und Deutschland zusammen. Die Kikuyu leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, so, wie der Großteil der kenianischen Bevölkerung. Der Legende nach stammt ihr Name von einem Mann, den man Gikuyu nannte. Dieser soll vor vielen hundert Jahren gelebt haben.

Eines Tages wurde Gikuyu von einer Gottheit aufgefordert, gemeinsam mit seiner Frau Mumbi, welche ihm von eben dieser Gottheit zugeführt worden war, an einen Ort namens Kirinyaga zu ziehen.
Die beiden hatten neun Töchter, welche zu den großen Müttern der verschiedenen Kikuyu Stämmen wurden. Diese Stämme können auch heutzutage noch identifiziert werden. Das ist also die Geschichte von Gikuyu, Mumbi, ihren neun Töchtern, davon, wie das Volk der Kikuyu entstand und zu seinem Namen kam.

Aber nun genug von den alten Geschichten! Viel interessanter ist, worum es heute in der Augenklinik geht. Doch zunächst benötigen wir einige Hintergrundinformationen. Die Situation in Kenia und vielen anderen afrikanischen Ländern sieht ungefähr so aus: Aufgrund von Armut und Mangelernährung, miserablen Hygienebedingungen und unzureichender medizinischer Versorgung ist die Zahl von Menschen mit ernsthaft eingeschränkter Sehfähigkeit oder kompletter Erblindung extrem hoch.

Weltweit sind 37 Millionen Menschen blind, und 180 Millionen Menschen leiden unter stark eingeschränkter Sehkraft. 90% der Betroffenen leben in Entwicklungsländern.
In Kenia und Umgebung kommt ein Ophthalmologe (Augenarzt) auf eine Million Einwohner; es gibt nur wenige Kliniken, und selbst die können nicht von allen Patienten erreicht werden.
Zudem fehlen oft die notwendigen Ressourcen zur Heilung der Kranken.

Ein weiteres Problem ist das mangelnde Wissen um die Ursachen von Augenerkrankungen und deren Heilungsmöglichkeiten. In Kenia, wo der größte Teil der Bevölkerung in Stammesdörfern und Familiengruppen lebt, stammt das Einkommen aus der Landwirtschaft. Gleichzeitig fehlt es an Transport-Infrastruktur. In vielen Gemeinden weiß man nicht, dass Blindheit, die von einem Katarakt stammt, geheilt werden kann. Blinde oder sehbehinderte Menschen schaffen es irgendwie, in der Dunkelheit am Leben zu bleiben. Sie werden von ihren Kindern und Enkelkindern gefüttert und befinden sich am Rand der Gesellschaft. Sie können nicht arbeiten und sind vom sozialen Leben ausgeschlossen.

Diesen Leuten im wahrsten Sinne die Augen zu öffnen, Farbe und Licht, Formen und Facetten des Sichtbaren in ihr Leben zu bringen, ist das Ziel der Kikuyu Augenklinik. Das, und nicht weniger als das. Wären sie unsere Zeitgenossen, wären Gikuyu und Mumbi stolz auf das, was diese einzelne Abteilung in den drei Jahrzehnten seit ihrer Entstehung geleistet hat: Das Augenlicht von Hundertausenden von Menschen wurde gerettet.

Vom LKW-Fahrer bis hin zum Assistenten, von der Sekretärin über den Operateur bis zur Krankenschwester, vom Katarakt-Spezialisten bis hin zum medizinischen Direktor: Sie alle bewegen etwas mit ihrer täglichen Arbeit. Im Jahr 2004 wurde das Augenlicht von 6392 Menschen wiederhergestellt.
Man kann sagen, dass die Kikuyu Augenabteilung niemals schläft: Ärzte, Krankenschwestern und angelernte Helfer sind immer im Einsatz. Sie diagnostizieren jährlich eine unglaubliche Anzahl von Fällen (ca. 70.000) und operieren davon immerhin 8.600. Die genauen Zahlen findest du hier: Lomography.com/kikuyu!

Einem Menschen in Kenia das Augenlicht wiederzugeben, hat weitreichende Auswirkungen; Auswirkungen, die das Schicksal der Person verändern. Die Sehkraft eines Blinden wiederherzustellen bedeutet nicht nur, dass derjenige nach Jahren der Dunkelheit seine Umgebung, seine Familie und seine Freunde wiedererkennen und die Freude des Sehens erleben kann. Denn zusätzlich bekommt das Dorf oder der Stamm ein produktives Mitglied zurück. In den kleinen Familieneinheiten wird jede helfende Hand dringend benötigt! Es ist eine Katastrophe für die ganze Familie, wenn ein Mitglied wegen Blindheit ausfällt: Dann geht es abwärts in einer Spirale der Armut.

Bis zu 75% aller Krankheiten, die das Augenlicht einschränken und sogar Blindheit verursachen und eine ganze Gemeinschaft beeinträchtigen können, können verhindert werden. Einfach durch Vorbeugung.
Was fehlt, sind das notwendige Wissen und die entsprechenden Medikamente, mit denen man bei Ausbruch der Krankheit einschreiten und eine Verschlimmerung der Symptome verhindern könnte.
Im nächsten Kapitel geht es um diese Krankheiten, ihre Ursachen und Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung.

Lomo Kikuyu It’s good to see (again). Alle Lomographen, ihre Freunde und Bekannten weltweit sind aufgerufen, 5 Euro (so viel kostet das Buch im Online-Shop) zu spenden, um das Augenlicht eines Menschen zu retten. Ergreife deine Chance, indem du dir jetzt dein eigenes Exemplar des Lomo Kikuyu Book sicherst.

written by ungrumpy on 2012-02-27 #library #lomography #kikuyu #bibliothek #kenya #auszug
translated by princess_crocodile

More Interesting Articles