Faltbare Kameras: Mittelformat in der Tasche

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Faltbare Kameras waren vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis zu den 50ern sehr beliebt. Aber wie brauchbar sind solche Kameras heute noch? Was sind die Vorteile, was die Nachteile?

Faltbare Kameras waren typische Amateurkameras vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zu den 1950ern. Die meisten funktionierten mit 120 oder 620 Mittelformatfilm.

Wahrscheinlich kennen alle die typischen Balgengeräte, die wir sofort mit altmodischen Kameras assoziieren. Aber macht es Sinn, heutzutage als Lomograph solche Kameras noch zu verwenden?

Hier ist eine alte Kodak Six-20 aus den 30ern:

Von: berndtotto

…und hier ist eine modernere Fujica Six aus 1949:

Von: berndtotto

Zuallererst ist das Konzept sehr geistreich. Eine Mittelformatkamera, die du in deine Tasche stecken kannst und die nicht die Größe und das Gewicht eines Raketenwerfers hat, wie eine Hasselblad oder eine Mamiya, die wir aus den Fotostudios aus der Vergangenheit kennen.

Besonders verlockend ist das 6×9 Format. Es erlaubt einen weitwinkeligen Blickwinkel, aber mit einer extrem geringen Tiefenschärfe, weil die übliche Linse solcher Kameras eine Brennweite von 105mm hat. Auf einer 35mm Kamera wäre das eine Tele Linse, aber das 6×9 Format ist viel größer und daher erhält man einen weiteren Blickwinkel bei der gleichen Tiefenschärfe.

Anders gesagt, erlaubt die Kamera viel Kreativität, weil man die Möglichkeit hat auszusuchen, was fokussiert und was verschwommen sein soll, sogar bei einer Weitwinkelaufnahme. Ein 6×9 Bild macht wirklich was her und mit einer Digitalkamera ist das nicht zu imitieren, weil Sensoren dieser Größe noch nicht existieren (oder sie sind dem normalen Nutzer noch nicht zugänglich – die NASA oder Air Force haben vielleicht so etwas).

Kein wirklich interessantes Bild, aber ein tolles Beispiel:

Der Mann im Fokus sitzt etwa 15 Meter von der Kamera entfernt und dennoch ist der Hintergrund leicht verschwommen. Könnte man so ein Bild auch auf einen 35mm Film machen? Ja… aber du müsstest weit zurücktreten, um die gleichen Bildobjekte auf dem Bild zu haben. Oft haben wir diesen Raum einfach nicht (vor allem in geschlossenen Räumen oder auf der Straße). Also so eine Aufnahme wäre auf 35mm vielleicht nicht möglich, denn ich hätte nicht so weit zurücktreten können:

Die Idee bei der Verwendung von Mittelformat ist also, dass man “eine geringe Tiefenschärfe in einem engen Raum und/oder einen Weitwinkel” erhält. Ideal um Personengruppen festzuhalten, wie diese Aufnahme von mir und meinen Freunden. Etwas, das auf 35mm Film nicht möglich wäre:

Aber wir wissen ja, wo Licht ist, ist auch Schatten und dann macht die geringe Tiefenschärfe den Faltkameras zu schaffen, weil die meisten nur einen Bildsucher haben (aber keinen Entfernungsmesser). Das heißt, man hat keine Hilfe für Fokuseinstellungen. Man muss die Entfernung einschätzen, was ziemlich problematisch ist und man liegt eher daneben, als richtig.

Nur sehr wenige (und leider sehr teure) Faltkameras wurden mit einem Entfernungsmesser ausgestattet, wie diese Carl Zeiss Kamera (eine Super Ikonta 531/2 von 1940):

Was die meisten Leute in der Vergangenheit gemacht haben, ist das Objektiv abzublenden, also eine sehr kleine Blende wie f/16 oder f/32 zu verwenden, damit die Tiefenschärfe höher ist und damit die Toleranz für die Fokussierung erhöht ist. Dann kann man diese Kameras als “echte Lomography Kameras” verwenden, bezüglich der Point & Shoot Mentalität, aber dazu braucht man dann einen lichtempfindlicheren Film (mindestens 400 ASA). Der eigentliche Vorteil der geringen Tiefenschärfe ist dann nicht mehr gegeben. Manchmal muss man aber auch ein wenig improvisieren. Ich hatte erst einen Fuji Velvia 50 in meiner Kamera für dieses Bild. Ich habe die Belichtungszeit nur geschätzt und die Kamera auf einem Geländer abgestützt. Die Aufnahme wurde mit einer Clover Six von 1941 gemacht. Ich konnte die Linse nicht vollständig säubern und die Verschlusszeit konnte man nur auf 1/125 oder (B) stellen, aber der Film vergibt viele Fehler und so erhält man doch tolle Bilder.

Von: berndtotto

Zudem kann eine nicht ganz saubere, scharfe Linse einen gewissen altmodischen Charme haben. Hier ist eine andere Aufnahme, die ich mit der Kamera bei einer klassischen Dach-Party eines Freundes gemacht habe:

Von: berndtotto

Wenn wir schon von Formaten sprechen, 6×9 ist nicht das einzige Format, das Faltkameras aufweisen. Es gibt auch viele mit 6×6 und 6×4.5 Formaten. Manche davon sind systemeigen, manche mit einem Adapter (Maske). Hier ist ein Bild von einer Semi Minolta P von 1951, die ein 6×4.5 Format hat. Die Kamera kann somit 16 Aufnahmen auf einen 120 Film machen.

Was ist wichtig, wenn du so eine Kamera auf einer Auktion oder sonst wo kaufen willst?

Zunächst ist die Filmart wichtig. Die meisten der Kameras funktionieren mit 120 Film, der noch käuflich zu erwerben ist. Andere jedoch funktionieren mit 620 Film, der Film entspricht genau dem 120 Film ABER auf kleineren Filmrollen. Übliche 120 Filmspulen passen nicht in diese Kameras. Man kann 620 Film noch in manchem Fachhandel kaufen. Es wäre auch möglich, den Film umzuspulen. Allerdings ist es nicht leicht leere 620 Filmspulen zu bekommen. Meine Empfehlung wäre, Faltkameras zu suchen, die mit 120 Film funktionieren, davon gibt es nämlich viele.

Der essentielle Schwachpunkt dieser Faltkameras sind die Balgengeräte. Die Verkäufer behaupten oft, dass keine Lightleaks auftreten, aber das ist leider doch oft der Fall. Das ist eigentlich nicht verwunderlich nach Jahrzehnten der Benutzung, in denen sie ausgezogen und zurückgefaltet wurden. Und zudem sind Löcher in den Balgengeräten schwer zu entdecken. Es kann nur ein winziges Loch sein, versteckt in einer Ecke des Balgengerätes und schon kann ein Bild so aussehen:

Deswegen muss man aber noch nicht verzweifeln. Geh in eine Dunkelkammer und durchleuchte das Balgengerät mit einem hellen LED Licht. Leuchte in jede Ecke und dann wirst du das Loch finden. Es ist die Mühe wert, weil man nicht gleich eine Rolle Film verschwendet und wenn es nur ein kleines Loch ist, lässt es sich wirklich leicht reparieren. Falls das Loch jedoch größer ist, dann muss der Stoff des Balgengeräts möglicherweise vollständig ausgewechselt werden. Dazu gibt es viele Anleitungen, aber ich kann nicht sagen, ob das leicht oder schwer ist, weil ich das selbst noch nie gemacht habe.

Aber gute Neuigkeiten: alte Kameras sind meistens sehr einfach konstruiert, so dass sich die Linse leicht säubern lässt, aber sie bieten trotzdem viele kreative Möglichkeiten. Versuch doch 35mm Film statt 120 Film einzulegen, um eine Panorama-Aufnahme zu bekommen? Ich habe das jetzt noch nicht ausprobiert, aber ich werde das noch tun und wahrscheinlich in einer sehr alten 120 Faltkamera, wie diese 100 Jahre alte Kodak No.2 Autographic Brownie:

Sie kann solche Bilder machen:

Ist die Wiedergeburt solcher Kameras möglich? Warum eigentlich nicht? Vielleicht produziert Lomography eines Tages eine “Toy-Faltkamera”. Außerdem ist sie sehr kompakt und kann daher überallhin mitgenommen werden. Solche Kameras wurden immerhin ein halbes Jahrhundert lang von Fotografen benutzt!

written by berndtotto on 2012-02-19 #gear #review #6x6 #format #120-film #6x9 #mittelformat #620-film #vintage-kamera #tiefenscharfe-faltkameras #faltbare-kameras
translated by wolkers

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5 Comments

  1. berndtotto
    berndtotto ·

    Sehr witzig, meinen Artikel hier auf Deutsch zu lesen ;-)) Offensichtlich automatisch uebersetzt, ein wenig seltsames Deutsch ... aber immerhin noch verstaendlich ... hahaha ...

  2. zonderbar
    zonderbar ·

    @berndtotto du hättest ihn ja auch selber übersetzen können ;). automatisch wird bei uns nicht übersetzt! die artikel werden alle korrektur gelesen. wenn etwas nicht korrekt ist, dann bitte kurz bescheid geben, wir ändern das sofort! :)

  3. gemma81de
    gemma81de ·

    Ich habe eine Agfa Billy Record I ohne Löcher. Müsste ich auch mal wieder ausführen.

  4. berndtotto
    berndtotto ·

    @zonderbar: Entschuldigung. Wollte damit keinem auf den Schlips treten ;-)) Ich fand das Deutsch stilistisch halt nur etwas holprig, weil die Satzstellung und Wortwahl so ziemlich 1:1 aus dem Englischen uebernommen wurde. Vielleicht liegt diese Empfindung auch einfach nur darin begruendet, dass ich beider Sprachen maechtig bin und auf Deutsch evtl. andere Worte gefunden haette. Insofern haette ich es aber in der Tat nicht nur selbst uebersetzen sondern gleich auf Deutsch schreiben koennen. Um aber nicht nur Kritik sondern auch Lob anzubringen, ich finde es toll, dass sich die Muehe gemacht wird, Artikel auch in andere Sprachen zu uebersetzen und somit einer groesseren Leserschaft zugaenglich zu machen. Ausserdem ist auch so, dass einige Ausdruecke aus der Photographie-Fachsprache in ihrer deutschen Entsprechung einfach seltsam klingen ... so wie "Balgengeraet". Ein Wort, dass sicher kaum einer kennt und auch ich noch nie gehoert habe ... aber ich muss zugeben, dass mir auch kein besserer Ausdruck eingefallen waere.

    Na ja ... wenn Ihr Zeit habe, ein paar Schnitzer waeren vielleicht korrigierenswert:
    >>> Vielleicht produziert Lomography eine eines Tages “Spielzeug Faltkamera”. <<< "eines Tages eine" und Toy-Kamera kling vielleicht besser als "Spielzeugkamera" ;-))
    >>> Es ist die Mühe wert, weil man nicht gleich eine Filmrolle verschwendet ... <<< Vielleicht besser "eine Rolle Film" und keine Filmrolle :-))
    >>> Was die meisten Leute in der Vergangenheit gemacht haben, ist die Linse abzublenden, also sehr große Blendeneinstellungen wie f/16 oder f/32 zu verwenden ... <<< Das Objektiv, nicht die Linse ... und "kleine Blenden" und NICHT "grosse Blendeneinstellungen".
    >>> Der eigentliche Vorteil der geringen Tiefenschärfe ist dann nicht mehr relevant.<<< "gegeben" klingt besser als "relevant".
    >>> Oder manchmal muss man ein wenig interpretieren. <<< Was gibt es denn da zu interpretieren ? Vielleicht "improvisieren" ???

    Na gut, jetzt habe ich genug den Deutschlehrer raushaengen lassen ... nichts fuer ungut ;-))

  5. lomelli
    lomelli ·

    @berndtotto Danke für dein Kommentar. Wir haben deine Änderungswünsche übernommen :)

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