Sean Lotman: Er verbindet Worte und Fotografien

Sean Lotman, der Kopf hinter dem laufendem „Analogue Lifestyle“-Projekt „I Do Haiku You“, beeindruckt uns mit seinen wunderschönen Haikus, die von verträumten Fotografien seiner Diana F+ begleitet werden. Heute zeigt er uns seine analoge Welt, indem er eloquent und ausführlich über seine Vorlieben bezüglich der Filmfotografie spricht.

Erzähl uns ein wenig von dir.
Ich stamme aus Los Angeles, lebe aber in Kyoto, Japan.

Wie und wann hast du mit der Fotografie begonnen? Was war deine erste Kamera?

Ich habe zwar in meinen Zwanzigern etwas fotografiert, aber bis zu meinem 31. Geburtstag in Island war ich kein wirklicher Fotograf. Erst dann wurde ich zu dem Fotograf, der ich heute bin. Meine Freundin schenkte mir eine Holga. Ich verknipste drei oder vier Filmrollen und mir gefielen die Ergebnisse ganz gut. Die Holga brachte mich dann schließlich zur Diana F+. Das war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Die Diana F+ und die Nikon F3 sind die einzigen Kameras, die ich verwende.

Beschreib doch deinen fotografischen Stil. Was sind deine häufigsten Motive?

Ich mag gerne lebhafte, stark gesättigte und verträumte Farben. Hauptsache Farben. Ich würde meinen fotografischen Stil als „surrealistischen Humanismus“ bezeichnen. Ich möchte in meinen Arbeiten humanistische Ideen über die Universalität des Menschen widerspiegeln, die ich aus dem Kontakt mit fremden Kulturen aus Indien, Afrika, dem Osten und Südostasien habe. Im besten Falle zeigen meine Motive eine Art Gemälde, so dass möglicherweise dem Betrachter eine Nachricht vermittelt wird. Als Geschichtenerzähler ist das natürlich wichtig für mich.

Unter all deinen zahllosen Filmfotografien, welche gefällt dir am besten?

Um ehrlich zu sein, habe ich eigentlich kein Lieblingsbild. Es gibt viele Fotos, die mir besser gefallen, als andere. Aber ich würde von keinem sagen, dass es mir am besten Gefällt. Aber das folgende Bild, das einen Bettler zeigt, der über mir steht vor einer gigantischen Buddhastatue, mit abstrakten Linien zeigt wahrscheinlich meine Ästhetik besser als jedes andere Bild.

Was wäre der Soundtrack für deine Fotoserie?

Der Soundtrack währte wohl sehr verträumt (etwas wie ‘Yo La Tengo’ oder das stille ‘Animal Collective’) oder es würde die Fusion zwischen westlicher und östlicher Musik widerspiegeln. Etwas wie Bobby Callenders ‘The Way’ oder ein frühes Werk der japanischen Rockband „Happy End“ aus den 70igern oder etwas aus den gesammelten Werken des Sublime Frequencies Label.

Wir alle haben unsere Vorbilder. Zu welchen Fotografen siehst du aus? Wer oder was beeinflusst deinen fotografischen Stil?

Steve McCurry und Henri Cartier Bresson inspirieren mich sehr. Außerdem bin ich ein großer Fan von Helen Levitt und Joel Sternfeld. Außerdem gefällt mir die Arbeit von Jacob Holdt über das amerikanische Leben in den 70igern sehr.

Wenn du eine Person deiner Wahl (lebendig oder tot) mit einer Filmkamera porträtieren könntest, wen würdest du ablichten, mit welcher Kamera und warum?

Das ist eine seltsame Frage, über die ich noch gar nicht nachgedacht habe. Aber es wäre wahrscheinlich mein Urgroßvater, der ein Offizier während der russischen Revolution war. Das Chaos brach aus und mein Urgroßvater floh mit seiner Frau und seinem Bruder und dessen Frau. Sie zogen von Odessa am schwarzen Meer los, durchquerten das zerstörte Europa des zweiten Weltkrieges und waren mit der spanischen Grippe konfrontiert. Oh man. Es dauerte mehrere Jahre. Es wäre fantastisch, wenn ich ihn fotografieren hätte können, wie er am Hafen von Marseille steht und auf das Schiff wartet, dass ihn nach Amerika brachte. Ich glaube, wenn ich in der Zeit reisen könnte, hätte ich meine Diana F+ dabei.

Analog vs. Digital. Was macht die analoge bzw. die Filmfotografie interessanter als die digitale?

Die Digitalfotografie hat es geschafft, die Fotografie gewissermaßen zu demokratisieren, sie also unter das Volk zu bringen und sie hat die Art, wie wir Dinge ansehen, vereinheitlicht. Die Digitalfotografie kommt mir oft ein wenig Mainstream vor. Sie folgt einer Linie. Selbst wenn sie keiner Massenproduktion entstammt, erfüllt sie doch ein gewisses Bildklischee. Sie hat oft so wenig Gehalt und ist daher sehr kalt und wenig emotional. Daher berührt sie uns auch nicht. Die große Verlockung von Film ist, abgesehen von der Unvorhersehbarkeit, der impressionistische Anschein. Das ist vielleicht auch nur eine persönliche Vorliebe, aber ich habe schlichtweg kein ästhetisches Interesse daran, die einfach Realität abzubilden. Ich will die Realität nicht abbilden, sondern sie durch ein Bild verschönern. Das Schöne an der Filmfotografie ist, dass ein Bild, wenn es die Grenze zur Realität durchbricht, gut wird – dann ist es viel mehr wert, weil die ganze Filmfotografie ein Abenteuer und Risiko ist.

Besitzt du irgendwelche Lomography Kameras? Welche magst du am liebsten?/ Welche hättest du gerne und warum?

Ich habe eine“Diana F+“, mehr brauche ich nicht.

Viele Leute fotografieren heutzutage, was würdest du ihnen sagen, um sie zu inspirieren?

Du musst deinen eigenen Stil finden. Deine Arbeit muss deine Vision wiedergeben, so dass Leute, die dich nicht kennen, sofort deine Fotos wiedererkennen. Dein Portfolio sollte sollte ein Manifestation deiner Lebensphilosophie sein. Deine Kamera soll dir helfen, deine Geschichte zu erzählen.

Hast du noch andere kreative Projekte am Laufen (online/offline), abgesehen von deiner I Do Haiku You Serie? Welche anderen Projekte würdest du gerne angehen?

Ich bin ziemlich spät zur Fotografie gekommen. Ich bin Schriftsteller und schreibe Trainings, Essays und Kritiken, aber hauptsächlich Fiktion. Ich habe schon zwei Romane geschrieben und einige Kurzgeschichten. Ich suche immer noch nach dem richtigen Buchverlag für meine Arbeiten. Leider werde ich niemals ein guter Musik sein, aber immerhin kann ich ein guter Fan sein.

Gehe auf folgende Webseiten für mehr Informationen www.seanlotman.com, www.idohaikuyou.com, flickr.com/fondandfiend und @seanlotman.

Die Diana F+ ist eine Neuauflage der Kultkamera aus den 60ern. Sie ist weltberühmt für ihre weichen, verträumten Bilder. Die Diana F+ ist jetzt mit Extras ausgestattet, wie einer Panorma- oder Pinholefunktion. Verfügbar in unserem Online Shop.

written by basterda on 2012-01-26 #lifestyle #interviews #sean-lotman #i-do-haiku-you #film-photographers
translated by wolkers

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