Schön Grün: Carl Zeiss Werra 1

Seit ich zum ersten mal die kleine Carl Zeiss Werra 1 gesehen habe, hat es mich erwischt! Sie liefert nicht nur super Qualität ab sondern hat auch noch ein paar Besonderheiten, die nicht so alltäglich sind…

Bild von: Collectiblend

Die Werra ist eine kleine Handtaschen-Kamera, die in den frühen Fünfzigern in der DDR gebaut wurde. Damals gab es einen Gerichtsstreit zwischen Zeiss Oberkochem und Carl Zeiss Jena, weshalb die Kamera weder einen Firmennamen noch ein Logo aufweist.

Mir fiel als erstes Ihr Design auf: Moderne Form mit einem Körper komplett aus Aluminium mit einer oliv-grünen Belederung. Es gibt sie zwar auch in schwarz, aber grün war damals die Werra Standard Farbe.

Ich suchte sowieso nach einer kleinen Alltagskamera, die etwas Besonderes hat – Da kam sie mir gerade gelegen.

Auch wenn der Look der Werra jetzt nicht so aussergewöhnlich ist, hat sie doch ein paar Eigenheiten.
Es fing damit an, dass ich einen Film laden wollte und den verkehrt herum, also von rechts nach links, einlegen musste. Ich suchte den von anderen Kameras gewohnten Pin zum Einhaken oder etwas Vergleichbares. Stattdessen fand ich heraus, dass ich den Film unter eine Metallfeder auf der linken Seite einklemmen musste. Dann war das Laden ganz einfach.

Nachdem ich sie wieder geschlossen hatte, die nächste Überraschung: Wie spule ich eigentlich den Film jetzt weiter? Leichter als ich dachte: Man kann den Kranz drehen, der die Linse umgibt. Es fällt einem vielleicht nicht direkt auf, da man hier auch die Schutzkappe anschrauben kann. Das ganze funktioniert nicht immer reibungslos, daher muss man ein Gefühl dafür entwickeln.

OK, jetzt kann es losgehen, aber Moment mal… Warum ist eigentlich an dem Objektivschutz noch ein weiterer Verschluss und warum wurde das Teil eigentlich innen in mattschwarz lackiert? Nachdem ich die obere Kappe abgedreht hatte kam die Antwort prompt: Man kann sie auch noch als Gegenlichtblende benutzen. Nice!

Also wieder einmal raus in mein Testgelände um zu sehen, ob die Linsen in Ordnung sind.

Tessar Objektive haben einen guten Ruf und den auch zurecht, da sie wirklich sehr präzise sind. Wie eigentlich immer, war der erste Film nicht so berauschend, da fast alle alten Kameras ihre Eigenarten haben, die man erst einmal kennen lernen muss. Da ich auch keinen Belichtungsmesser hatte, waren die meisten Bilder überbelichtet aber sehr scharf, mit einer hübschen Farbgebung.

Von: smu

Aber was soll es, beim zweiten Mal wird alles besser! Ich habe zum Test ein paar Bilder unter verschiedenen Lichtsituationen geschossen. Die Farben der meisten Bilder waren etwas wärmer als bei anderen Kameras und wenn man erst einmal mit ihr umgehen kann, kann die Werra sogar mit einigen moderneren Kameras mithalten. Man kann sogar vernünftig mit der Tiefenschärfe arbeiten!

Blenden beginnen bei 2.8 und enden bei 16; die Belichtungszeit reicht von einer Sekunde bis zu 1/250.

Von: smu

Was ich letztendlich an der Werra mag ist, dass sie absolut scharfe Bilder macht, die aber leicht von der Realität abweichen. Das Design ist immer noch super und wegen des oliv-grünen Leders wird man öfter angesprochen, was das für eine Kamera ist.

Ich kann die Werra absolut empfehlen und habe sie meistens als Zweitkamera für Schnappschüsse dabei, wenn ich mit den Mittelformaten unterwegs bin.

written by smu on 2011-12-21 #gear #review #zeiss #camera #vintage #1 #35mm-camera #lomography #135 #carl #user-review #werra
translated by smu

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