Meine neue alte Liebe: Zenza Bronica S2A

Meine Diana brachte mich erstmals zum Mittelformat. Ich fand so großes Gefallen daran, dass ich mich dazu entschloss, mir eine weitere 6×6 Kamera zuzulegen. Vor Kurzem fand ich meine Bronica S2a in einem Kameraladen um die Ecke. Seitdem lernen wir uns immer besser kennen…

Seit ich im letzten Jahr wieder auf die analoge Fotografie zurückgeschwenkt bin, habe ich immer mehr meine Freude am Mittelformat entdeckt.
Das liegt zum einen an meiner Diana F+ “Tokyo Rising” und zum anderen an den großartigen quadratischen Bildern, die sie ausspuckt.
Da ich auch ein begeisterter Schallplattensammler bin, liegt mir dieses Format.

Nachdem ich es geschafft habe einen alten Mittelformat-Diaprojektor aufzutreiben, entschloss ich mich mir eine Kamera zuzulegen, die extrem scharfe Dias produziert (Falls ihr mal ein 6×6 Dia in der Hand hattet, wisst ihr warum). Ein Kollege zeigte mir seine Hasselblad 500 c und… BAM! Ich war vom Würfelfieber befallen.

Ich hab wochenlang das Netz nach einer günstigen 500 c abgesucht – aber keine Chance!

Als ich aber eines Tages durch das Zentrum der nächstgrößeren Stadt schlenderte sah ich sie im Fenster eines kleinen Fotoladens. Ich wusste rein gar nichts über sie, sah nur ihr “Zenza” Schild, all das funkelnde Chrom und verliebte mich sofort in sie.

Es war eine 1969er Zenza Bronica S2A mit einem 75mm Nikkor Standardobjektiv – und sie war in einem großartigen Zustand. Eine Kamera aus Edelstahl, die mich an einen alten Ford Thunderbird oder etwas Ähnliches erinnerte. Mein Herz sagte JA, mein Hirn sagte NEIN! Eine Woche lang habe ich Nachforschungen betrieben, ob das etwas für mich sein könnte, da im Netz verschiedenste Aussagen kursieren, was Ihre Zuverlässigkeit betrifft.

Die Alten sagen immer: “Zuhause ist, wo das Herz ist”, also ab in den Laden um sie von ihrem Tiefschlaf zu erlösen.

Ich war überrascht, dass ich sogar den Originalkarton, einen Gelbfilter, eine Gegenlichtblende und den Original Ledergurt (der sich noch unverpackt in der Rückseite des Styropors befand) dazu bekam. Sogar der Fokus war richtig gesetzt (ein häufiges Problem bei der S2A ist, dass die Mattscheibe nicht richtig sitzt und daher der Fokus verschoben ist)!

Da ich im Kühlschrank immer ein paar Rollfilme habe, ludt ich direkt einen in das Magazin und machte mich auf zu meinem üblichen Testareal “Phoenix West”.

Es war schon relativ spät und ich überschätzte die Lichtstärke des Objektives, daher waren die meisten Bilder unterbelichtet – aber immerhin ein paar Fotos wurden halbwegs etwas. Unterbelichtung bei meiner S2A führt zu einem seltsamen Nebeneffekt: Die Vignettierung, die ich bei der Diana bereits lieben gelernt habe, zeigte sich hier nicht in den Ecken, sondern als Balken oben und unten.

Von: smu

Ich war zugegebenermaßen etwas enttäuscht, hab aber nicht aufgegeben. Der zweite Film war zwar etwas besser, aber immer noch zu dunkel. Ich hatte mich blind auf den Lichtmesser verlassen, was sich als Fehler herausstellte. Auf dem Außengelände einer Oldtimershow konnte ich ein paar passable Bilder machen, innen funktionierte es überhaupt nicht.
Mir fiel aber die Detailschärfe positiv auf und ich wusste, dass ich aus der alten Lady bestimmt noch etwas rausholen konnte, wenn ich mir nur noch etwas mehr Zeit nehmen würde. Ich mochte schonmal die Farben und Kontraste, die mich an alte B-Movies erinnerten.

Von: smu

Die nächste Mission lautete: Paris. Auf den Spuren des Post-it War. Schlechte Lichtverhältnisse veranlassten mich “Broni” hauptsächlich in der Tasche zu lassen und nur ein paar Fotos mit Ihr zu machen. Den Rest des Films habe ich mit Langzeitbelichtungen gefüllt. Und da war es endlich: Das komplette Spektrum von Lo-Fi Bildern bis zu extrem scharfer Mittelformat-Power.

Von: smu

Die Dias kommen richtig gut, wenn man sie an die Wand wirft. Ich liebe meine “Broni”, auch wenn ich sie immer noch etwas besser kennen lernen muss…

Hier noch ein paar Tips zur Bronica S2A:

  • Wenn ihr die Wahl habt, nehmt Nikkor Objektive. Die können einiges, müssen aber in tadellosem Zustand sein.
  • Verlasst euch NIEMALS blind auf den Belichtungsmesser. Ich belichte mittlerweilerweile mit einer etwas offeneren Blende – vor allem bei Telekonvertern und solchem Zeug.
  • Wenn ihr euch eine S2A zulegen wollt, checkt ob die Mattscheibe noch richtig sitzt, da sonst der Fokus nicht stimmt. Das ist eines der häufigsten Probleme, aber es gibt eine Menge Anleitungen im Netz, mit denen man das relativ leicht selbst wieder hinkriegt!
  • Es ist eine alte, laute und schwere Kamera. Gebaut wie ein Panzer. Daher nicht gerade ideal für Tieraufnahmen oder sowas.
  • Nimm dir Zeit:

- Um deine Kamera kennen zu lernen.
- Für das Bild selbst. Sagen wir es mal so: Es ist eher eine Stativkamera ;)

  • Zubehör gibt es ne ganze Menge und man bekommt es sogar ziemlich günstig.
  • Ich empfehle ein zweites Magazin, dann kann man auch mal mittendrin den Film wechseln (z.B. Schwarz/Weiss gegen Farbe). Oder man hat ein fertig geladenenes in Reserve, das man in Sekunden dann tauschen kann.
  • Solltest du dich dazu entschließen dir eine zuzulegen, kannst du dir sicher sein, eine der schönsten Kameras überhaupt zu besitzen.

written by smu on 2011-12-13 #gear #medium-format #review #slr #6x6 #lomography #bronica #user-review #zenza #s2a
translated by smu

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