LomoAmigo Peter Höhsl knipst mit der Lubitel

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In seinem Lebenslauf sind so viele verschiedene Kategorien, man könnte ihn einen Universalgebildeten nennen. Von Illustration über visuelle Effekte hin zu Fotografie, Peter Höhsl hat offensichtlich Spaß und verdient dabei auch noch Geld. Kürzlich hat er sich eine kleine Auszeit von seinen coolen Jobs genommen, um die Lubitel an die frische Luft zu bringen.

Name: Peter Höhsl
Beruf: Spezialist für Animation und digitale Effekte
Ort: Kapstadt, Südafrika

Wie lange bist du schon Lomograph — oder bist du ganz neu dabei?

Lomography ist neu für mich. Film allerdings nicht. Ich fotografiere schon seit Jahren mit Film. Ich habe auch beruflich mit Film zu tun gehabt, was ja in der Filmindustrie nicht verwunderlich ist. Für mich ist diese Erfahrung ein bisschen wie eine persönliche Renaissance.

Bitte beschreibe die Lubitel in fünf Worten.

Ein Wunder aus der Vergangenheit.

Wenn du die Lubitel an irgendeinen Ort und in irgendeine Zeit mitnehmen könntest, was würdest du wählen? Und warum?

Sollte ich jemals einen dreimonatigen Trip durch die Wüste oder in einen andere verlassene Gegend machen, würde ich die Lubitel zum Fotografieren mitnehmen. Sie ist komplett mechanisch, du musst dir also keine Sorgen machen, wie du deinen Akku aufladen sollst oder ob der Speicher voll ist und die Bildqualität ist herrlich. Und außerdem wiegt sie fast nichts.

Das seltsamste, witzigste oder schlichtweg großartigste Lomographische Erlebnis, dass du je hattest?

Ich würde sagen, das witzigste war folgendes: Ich habe eines Nachts Sternenschweiffotografien gemacht und etwa drei Stunden die Sterne belichtet. Am nächsten Morgen wollte ich den Sonnenaufgang festhalten und in dem Moment, als ich den Verschluss auslöste, fiel mir ein, dass ich den Film nicht weitergespult hatte.

Wie ist es für einen Profi der High-Tech-Industrie mit einer analogen Waffe zu fotografieren?

Ich liebe die Einfachheit und die elementare Art des Machens. Als ich die Lubitel verwendete, musste ich an die Zeit zurückdenken, in der ich auf Film viel weniger Fotografien gemacht habe und doch viel mehr hatte, die ich benutzen konnte. Ich benutze vor allem gerne Diafilme, weil sie nur minimalen Aufwand brauchen. Du entscheidest dich ganz bewusst für die Blendeneinstellung, Verschlusszeit und die Komposition, wenn du ein Bild machst. Um den Rest kümmert sich das Fotolabor und das war es schon – du musst dich nicht um Nachbearbeitungen kümmern und wie du dein Endergebnis willst etc. – das alles entscheidest du schon mit deiner Filmwahl. Und es ist sehr schön, dass es noch so viele verschiedene Filme gibt, unter denen man wählen kann.

Außerdem hat man bei der Lubitel kein sofortiges Feedback. Du weißt nicht, wie deine Bilder aussehen werden, bis du sie vom Labor zurückbekommst. Das zwingt mich dazu, Bilder bedachter zu machen. Ich lasse mich viel mehr auf das Bildobjekt ein und die Komposition. Ich denke viel mehr an die ganze Aufnahme. Deshalb bekomme ich Bilder, die ich niemals mit einem digitalen Medium erhalten hätte. Du musst dir Zeit nehmen, vor allem mit der Lubitel und das mag ich daran. Zudem hab ich durch sie noch ein zwei Dinge gelernt, die ich in meine digitale Arbeit einfließen lassen kann.

Digitale Technologie ist wunderbar, aber auch sehr komplex. Es gibt so viele Optionen, Möglichkeiten und Entscheidungen, die man treffen muss. Kameras haben endlos viele Einstellung, Unter-Einstellung und Unter-Unter-Einstellungen etc. Das kann Spaß machen, aber das Risiko, dass man dadurch völlig abgelenkt wird, besteht nun mal.

Spezialist für Animation und digitale Effekte klingt nach einem super Job. Erzähl uns doch bitte mehr davon.

Es ist ein toller Job. Aber er verlangt auch viel. Es gibt sehr enge Deadlines und es gibt eine rießige Menge komplexer Technologie, die immer kontinuierlich auf dem neusten Stand sein und weiterentwickelt werden muss; und deine Klienten erwarten, dass du einfach alles weißt. Jedes Projekt, an dem ich arbeite, ist einzigartig und deshalb verlangt auch jedes einzelne nach einer anderen kreativen Lösung. Abgesehen davon, bin ich für alles verantwortlich, was mit Animation, Motion-Design oder visuellen Effekten in einem Film oder Video zu tun hat. Ich werde ab der Planung miteinbezogen, bin an der tatsächlichen Ausarbeitung und der Fertigstellung beteiligt.

Bist du kaffee-süchtig, wie das Klischee von Kreativen es sagt? Wenn das nicht der Fall ist, auf was greifst du dann zurück?

Oh ja, ich brauche meinen Kaffee.

Deine Fotografien aus Kapstadt zeigen hauptsächlich Pflanzen. Wie kommt das?

Ich mache gerne Bilder von Dingen, die sich meiner Meinung nach gut in einem Foto machen. Ich lebe gerade außerhalb der Stadt und deshalb sind viele Pflanzen in meinem Umfeld. Insofern ich nur aus Spaß fotografiere und nicht professionell, genieße ich die Freiheit, Bilder von allem möglichen machen zu können. Und wenn das bedeutet, ein Wochenende im Garten zu verbringen, weil ich mich nicht ins Auto setzen möchte, dann ist das nun mal so. Ich ziehe bald in die Stadt und dann werden die Bilder sich verändern. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Wenn du die Lubitel zu deiner zweiten Heimat, Wien, mitnehmen könntest, welche Orte würdest du fotografieren?

Egal was mir vor die Linse kommt. Ich würde mich vielleicht auf die historische Architektur in Wien konzentrieren, die ja dort stark vertreten ist.

Welche Tipps kannst du Lubitel Nutzern geben?

Versichere dich, dass der Film weitergespult ist, außer du machst ganz bewusst eine Doppelbelichtung. Wenn du wichtig aussehen willst, dann solltest du dir ein glühenden Belichtungsmesser besorgen.

Die Lubitel 166+ ist eine wunderbare Neuerschaffung des sowjetischen Klassikers. Sie basiert auf dem Design, das bereits mehr als 60 Jahre zurück liegt. Diese Kamera besitzt neue Eigenschaften wie beispielsweise die Möglichkeit sowohl mit 35mm Film als auch Rollfilm zu fotografieren.

written by basterda on 2011-12-13 #people #lomoamigos #lomoamigo #peter-hohsl
translated by wolkers

One Comment

  1. zonderbar
    zonderbar ·

    3. Galerie Bild 7/10 - Der absolute Wahnsinn!!

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