The Caviar Diaries – Kapitel 4: Sergey: Der Mann in Blau – Man kann es nicht Bestechung nennen

Nun, da ihr wisst, was Kaviar ist, geht es weiter mit dem Abenteuer!

Die Konferenz war gut gelaufen, und ich hatte das Gefühl, wirklich etwas beigetragen zu haben.
Ich wusste, dass es eine große Leninstatue auf dem Friedensplatz in Charkiw gibt, und ich dachte, dass entsprechende Fotos perfekt wären, um beim Leser eine echte Sowjet-Atmosphäre zu erzeugen.
Diese Bilder würden ihn zurückversetzen in die Blütezeit der Sowjetrepubliken, als Kaviar noch ein Produkt für den einfachen Arbeiter war. In jene Zeit, da Sputnik im Orbit kreiste und Yuri Gagarin Kaviarpaste auf das Sandwich strich, welches er im Weltall zu seiner Tasse Tee genoss.
Diese Zeiten sind nun vorüber und die meisten Ukrainer stehen ihrer Geschichte ambivalent gegenüber. Sie können ihre sowjetischen Wurzeln nicht verleugnen, und diese sind glorreich und beklemmend zugleich. Geschichte ist eine komplizierte Angelegenheit; sie besteht aus vielen Grautönen und nicht allein aus Schwarz und Weiß. Seit der Trennung von der Sowjetunion im Jahr 1991 haben die Ukrainer Redefreiheit, doch es existieren immer noch einige ökonomische und soziale Bande, mit denen es umzugehen gilt. Daher fühlt man sich nach wie vor nicht völlig frei; nicht einmal ich mit meinem Pass voller Visa und meinem seltsamen Auftrag: „Gehen Sie nach Osten, machen Sie viele Fischbilder mit Ihrer La Sardina und kommen Sie wohlbehalten zurück – naja, oder stellen Sie wenigstens sicher, dass Ihre Filme unbeschadet bei uns ankommen!“

Ich trage mich mit der Befürchtung, dass man jede Sekunde meine geheime Agententätigkeit durchschauen und meine Tarnung auffliegen lassen wird. Aber diese Angst hält mich nicht davon ab, freundlich zu lächeln und offen zu sein für neue Menschen und ihre Geschichten.

Als ich Charkiw in Richtung meines nächstens Zieles, Baku, verließ, wollte ich am Flughafen noch einige Postkarten aufgeben. Die Post lag unweit des Sicherheitsschalters, war aber bereits geschlossen.
So schob ich meine Karten unter der Tür durch. Das führte sogleich zu einer Konversation mit einem Polizisten in blauer Kleidung. Sergey fragte mich, was ich da täte und woher ich käme.
Dann nahm er mich mit zum Sicherheitsschalter, unterzog mich einiger Checks und befahl mich anschließend in sein Büro. Dort überprüfte er abermals meinen Pass, und ich wusste, was nun kommen würde. Er sagte, dass mit meinen Dokumenten alles in Ordnung sei. Aber es gäbe ein kleines Problem: Am morgigen Tag sei der Geburtstag seines Sohnes, und die Gehälter in der Ukraine seien niedrig.
Er fragte, ob ich ihm mit etwas Geld für ein Geschenk aushelfen könne.
Sergey war sehr aufmerksam und sein Gesicht glänzte und war rot. Ich blieb cool und fragte, ob er auch Euro nähme (denn ich wollte ihm nicht meine Kreditkarte aushändigen). Er blickte mich überrascht an und ermahnte mich, meine Stimme zu senken, nur für den Fall, das andere zuhörten.
Ich gab ihm etwa 20 Euro und er versprach, seinem Sohn in meinem Namen einen schönen Kuchen zu kaufen. Ist das Bestechung? Ich hörte von Russen, dass sie immer einige Rubel in ihren Pass legen, wenn sie die Grenzkontrolle erreichen – nur, um den Prozess zu beschleunigen und „Rückfragen“ zu vermeiden. Manche Gewohnheiten sterben nie aus.

The Cavia Diaries wurden von Willie Schumann aka wil6ka, unserem Oktober Community LomoAmigo, verfasst. Schau auf seinem tollen LomoHome vorbei.

Das Special Edition Buch “The Caviar Diaries” ist auschließlich mit einer unserer La Sardina Metal Edition Kameras Beluga oder Czar erhältlich! Mach dich bereit, mit unserer La Sardina Kollektion in See zu stechen! Diese 35mm Kameras sind mit einer spektakulären Weitwinkellinse ausgestattet. Zudem verfügen sie über einen Rückspulknopf und einen MX Schalter für coole Mehrfachbelichtungen. Alles was du brauchst für endlosen Spaß!

written by jeanmendoza on 2011-11-11 #library #herr-willie #bibliothek #buch #abenteuer #bucherei #la-sardina #caviar-diaries #kaviar
translated by princess_crocodile

More Interesting Articles