The Caviar Diaries – Kapitel 3: Kaviar – Was ist das?

Was ist Kaviar? Das erfahren wir in diesem Kapitel der Caviar Diaries.

In Charkiw lebte ich in einer süßen Wohnanlage am Strand.
Diese bestand aus märchenhaften, winzigen Holzhäuschen, die ein bisschen aussahen wie jenes einbeinige Monster von Hexenhaus, mit dem die sagenhafte Baba Yaga unterwegs ist.
Naja, oder nicht ganz, denn zumindest mein Haus hatte eine musikalische Dusche mit LED-Lichtern und einen großen Flachbild-Fernseher vorzuweisen. Das Frühstück war bezahlt, und so legte ich los mit meiner Kaviar-Diät: Es gab Pfannkuchen mit Roten Kaviar. Es war an der Zeit, tiefer in die Materie einzudringen. Was ist eigentlich Kaviar, und welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Sorten?
Ganz generell: Kaviar ist der Rogen, das heißt die Eier, des Fisches Stör.
Es existieren verschiedene Geschichten darüber, woher dieser Name stammt, wer das Rezept erfand und wer schließlich noch Salz hinzufügte und damit das Gericht in eine Delikatesse verwandelte.
Welche der vielen Geschichten man zu hören bekommt, hängt davon ab, wen man fragt.
Die Russen behaupten, dass Kaviar seinerzeit erfunden wurde, um dem Zar eine Freude zu machen, welcher das Rezept postwendend an den Shah von Persien weitergab.
Auf Russisch heißt Kaviar „ikra“ (икра), was sich grob als “Fischeier” übersetzen lässt.
Das Wort Kaviar kommt möglicherweise von der persischen Übersetzung für „Eier“: „khāyah“.
Diesen Begriff liehen sich die Türken aus, die „havyar” daraus machten.
In England wurde er dann zu „caviar“. Das ist ein bisschen wie bei dem schönen Spiel „Stille Post“.
Die Tatsache, dass der Iran momentan der weltweit größte Kaviarhändler ist, verleiht dieser Geschichte zusätzliches Gewicht. Allein die Japaner haben den ursprünglichen russischen Namen beibehalten und nennen die Fischeier immer noch „Ikura“.

Kaviar gibt es in verschiedenen Farben: Schwarz, gold, grau und rot.
Der Stör kommt hauptsächlich aus dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer.
Kaviar ist Fischrogen, sonst nichts, alles andere ist nicht das reine Produkt. Also, nächste Frage: Warum ist das Ganze so teuer? Zunächst ist das eine Sache von Angebot und Nachfrage.
Wilde Schwärme von Beluga, Ossetra und Sevruga Stör kommen vorwiegend im Kaspischen Meer vor, und diese Bestände werden hoffnungslos überfischt. Dazu kommt ein komplizierter Produktionsprozess.
Die Fischeier sind äußerst empfindlich und müssen in einem schonenden Verfahren verarbeitet werden; das heißt: per Hand und von Experten, die wirklich wissen, was sie tun.
Weiterhin sollte Kaviar am besten frisch und ohne Konservierungsmittel verzehrt werden.
Daraus ergibt sich, dass man eine dichte Infrastruktur benötigt, um die Produkte rechtzeitig zum Kunden zu bringen.

Wegen der Überfischung ist Schwarzer Kaviar in Europa derzeit mit einem Einfuhrverbot belegt.
Der Rote Kaviar jedoch, der aus Lachsrogen gemacht wird, ist in der ehemaligen Sowjetunion immer noch verbreitet. Er ist nicht billig, aber noch erschwinglich, und wird oft bei Festlichkeiten angeboten – nicht nur bei den Neureichen. Daher kann man Roten Kaviar dem eigenen Speiseplan hinzufügen und ihn als Zwischenmahlzeit, mit Brot oder Pfannkuchen essen. Manchmal wird er auch als „Banya Snack“ serviert. Die „Banya“ ist eine slawische Sauna, in der es nicht so heiß wird (nur bis zu 65°C), dafür aber schrecklich feucht, was die Sache manchmal unerträglich macht. Eine der großartigsten Erfahrungen meiner Reise war die Banya in meinem Hotel: Sie war ganz neu und vollständig mit Aromaholz und hölzernem Mobiliar ausgekleidet. In dieser Gegend der Welt ist die Banya nicht lediglich ein Dampfbad, sondern eine Wissenschaft für sich. Ich ging zusammen mit drei polnischen Mitgliedern der Euro Cup Konferenz und einem anderen Deutschen saunieren – einfach ein freundliches, internationales Schwitzen.
Wir bekamen eine Kopfbedeckung, denn nasses, heißes Haar tut wirklich weh, und es gab einen Zeremonienmeister. Dieser Kerl peitschte uns den Teufel aus dem Leib mit getrockneten Birkenzweigen, die er auf uns niederprasseln ließ.
Er benutzte diese Zweige auch kunstvoll, um die heiße Luft zirkulieren zu lassen.
Nach mehr als einer Stunde in einer Banya fühlt man sich wie ein geborenes Hündchen.

Neues von den Caviar Diaries gibt es bald. Bleib dran!

The Caviar Diaries wurden von Willie Schumann aka wil6ka, unserem Oktober Community LomoAmigo, verfasst. Schau auf seinem tollen LomoHome vorbei.

Das Special Edition Buch “The Caviar Diaries” ist auschließlich mit einer unserer La Sardina Metal Edition Kameras Beluga oder Czar erhältlich! Mach dich bereit, mit unserer La Sardina Kollektion in See zu stechen! Diese 35mm Kameras sind mit einer spektakulären Weitwinkellinse ausgestattet. Zudem verfügen sie über einen Rückspulknopf und einen MX Schalter für coole Mehrfachbelichtungen. Alles was du brauchst für endlosen Spaß!

written by jeanmendoza on 2011-11-09 #library #caviar #herr-willie #buch #abenteuer #bucherei #la-sardina #caviar-diaries #kaviar
translated by princess_crocodile

More Interesting Articles