Meine Kindheit in Analog

Ich verbringe wohl ziemlich viel Zeit damit, Fotos zu machen von meinem Baby, wie es aufwächst, benutze aber aus Bequemlichkeit eine Digitalkamera. Zu Zeiten meiner Kindheit gab es so etwas allerdings nicht und all die Fotos, die mein Vater von mir beim Erwachsenwerden aufnahm, sind ganz und gar analog. Es ist toll, dass ich mit diesen Fotos nun auf die dazugehörigen Erinnerung zurückblicken kann.

Ich schätze, dass ich ziemlich Glück hatte damit, dass mein Vater während meiner Kindheit ein Amateurfotograf war, was mich nun auf eine Menge von Erinnerungen zurückblicken lässt.
Solange ich mich zurück erinnern kann, hatte er eine Kamera und dies weckte wohl auch mein Interesse an Fotografie. Noch viel wichtiger, es ist das Zurückblicken auf die Zeit, die mich zurück brachte zum Film und zur Lomografie, zumal ich mit Vorliebe an diese Zeiten und Kameras denke.

Ich habe nicht viel Negatives über die Digitalfotografie zu sagen. Ich glaube, dass die Kombination aus Digitalkameras und dem Internet, v.a. den sozialen Netzwerken, bedeutet, dass wir alle unsere Erinnerungen, Ereignisse und Leben mehr denn je teilen können. Ganz sicher ist meine letzte DSLR ein technologisches Wunder mit einem Maximum an ISO von einer halben Million (512,000!) und den großartigen Eigenschaften drumherum.

Aber da ist immer noch etwas am Film, das mich zurückholt in längst vergangene Tage.
Das Gefühl und der Geruch des Films, das Warten auf das Entwickeln und die nicht allzu perfekten Ergebnisse, die mich zu einer einfacheren Zeit zurückbringen, als ich ein Foto nur um des Fotos Willen machte.

Lange vor meiner Faszination für die analoge Fotografie war mein Vater damit beschäftigt, meine Kindheit festzuhalten, zumeist mit seiner Chinon CE-4, und bewahrte diese Fotos in leeren Schuhkartons auf, um ab und an an einer weißen Leinwand Dias auf einem im Wohnzimmer aufgebauten Projektor vorzuführen.

Fotos, die einstmals in Schuhkartons ganz unten im Schrank versteckt wurden, werden jetzt durch Scanner und das Internet publik gemacht.

Sich einige dieser Fotos anzusehen, bedeutet, sich Erinnerungen wieder bewusst zu machen. Der Urlaub in Spanien, ein Besuch in einem Freizeitpark, Omis Wohnwagen; mit dem Foto scheint es so, als sei all dies erst gestern passiert.

Natürlich gehen mit den liebevollen Erinnerungen auch grausige Mode und peinliche Fotos Hand in Hand, wenn man auf die Vergangenheit zurückblickt. Fotos aus meiner Kindheit der 80er und 90er lassen die Mode dieser Zeit entschieden schrecklich aussehen und ich wundere mich, wie meine Eltern mich so anziehen konnten! Ich frage mich, ob mein Baby dasselbe in etwa 20 Jahren denken wird?

Ich würde für keine mir ersparte Peinlichkeit die Fotos missen wollen, da die Erinnerungen unbezahlbar sind und ich werde sie mir noch so einige Jahre ansehen. So schön es auch ist, selbst im Internet auf sie zugreifen zu können, ich werde weiterhin ab und an jene Schuhkartons durchwühlen, nur des wahren analogen Gefühls wegen.

written by veato on 2011-11-02 #lifestyle #analogue #lomography #90s #80s #mode #chinon #analogue-lifestyle #kindheit #veato
translated by selfmachine

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