Voigtländer VF101

Ich suchte im Internet nach einer neuen Kamera. Dabei fiel mein Blick auf eine hübsche Kamera mit eingebautem Entfernungsmesser der Marke „Voigtländer“. Der magische Name dieser Optischen Fabrik – und mein Wunsch nach einer coolen halbautomatischen Sucherkamera – überzeugten mich. Ich kaufte mir eine Voigtländer VF101. Nach ein wenig Recherche habe ich dann auch eine grandiose mathematische Formel für diese Kamera gefunden: „Voigtländer + Zeiss Ikon + Rollei = VF101“ – Wow, das klang nach einer kuriosen Kombination! Wie konnten diese drei angesehenen deutschen Kamerahersteller sich zusammentun, um diese kleine, niedliche und süße VF101 zu produzieren (die auch noch eine Zwillingsschwester namens Zeiss Ikon S312 hat)? Nun ja, zu dem Thema gebe ich euch jetzt mal ein wenig Geschichtsunterricht….

Fangen wir mal mit Voigtländer an (natürlich, das ist ja auch der offizielle Markenname der Kamera): Es handelt sich dabei vermutlich um den ältesten Hersteller optischer Produkte der ganzen Welt! Die Firma wurde 1758 von Johann Christoph Voigtländer in Wien gegründet. Die Fabrik stellte optische Instrumente und Präzisionsmechanik her. 1868 zog die Firma nach Deutschland. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dort mit der Herstellung der ersten „echten“ Kameras begonnen. Das „goldene Zeitalter“ von Voigtländer fällt zwischen 1931 und 1966. In diesem Zeitraum wurden die berühmten „Bessa“, „Vitessa“ & „Vito“ Kamerabaureihen produziert.

Nach 1966 wurde Voigtländer stufenweise von Zeiss Ikon (Stuttgart) übernommen (das war der Westdeutsche Teil der ehemaligen Carl Zeiss Werke, die nach Ende des zweiten Weltkrieges in zwei unterschiedliche Firmen geteilt wurde. Die Andere war Carl Zeiss Jena) und letztendlich nach 1970 komplett integriert. Als Zeiss Ikon 1972 zusammenbrach, wurde die gesamte Voigtländer/Zeiss Ikon Produktion von Rollei übernommen.

Die VF101 Kamera wurde in den frühen 70er Jahren höchstwahrscheinlich noch von Voigtländer selbst entwickelt. Die Produktion begann 1974 durch Rollei (in Singapur). Einige Teile der Kamera haben einen „Rollei 35 touch“ (So z. B. der Transporthebel oder die Film Andruckplatte). Die „Color Skopar“ 40mm-Linse hingegen scheint von der Zeiss Ikon Tessar abgeschaut zu sein.

Nun aber ein paar technische Aspekte zu dieser kleinen Schönheit: Die Voigtländer VF 101 ist eine Kompakt-Sucherkamera mit Entfernungsmesser-Kupplung und elektronischer Verschlusszeit-Automatik. Die Verschlussgeschwindigkeit wird durch die integrierte CdS-Zelle berechnet, die direkt an der Vorderseite der Linse angebracht ist (was großartig ist, wenn man vor hat, Filter zu benutzen). Wenn man durch den Sucher schaut, erhält man zwei Informationen: Blende (eine rote Markierung) und Verschlusszeit (eine Nadel im rechten Bereich). Ein sehr einfaches System, mit dem man immer die Kontrolle über die Belichtung behält.

Die Kamera erlaubt es, Verschlusszeiten von 1/500 bis 4 Sekunden zu wählen. Die 40mm „Color Skopar“ Linse hat eine Blendenreihe von 1:2.8 bis 22. So hat man genügend Möglichkeiten, in nahezu jeder Situation Aufnahmen zu machen. Wenn es mal zu dunkel sein sollte: Der Blitz läuft mit allen Zeiten synchron (oder einfach auf 1/30s stellen, dem „Blitz Modus“). Der Objektivtubus ist auf den ersten Blick nicht wirklich groß. Das kommt daher, dass man das Objektiv erst herausziehen muss, um Zugang zur ASA-Einstellung (von 25 bis 400), Schärfeneinstellung und Blendenwahl zu haben. Wirklich klug gemacht, um bei dieser kleinen Metallkamera Platz zu sparen (490g wiegt sie, das reicht um zu merken, dass man eine sehr gut konstruierte Kamera in den Händen hält). Wenn man den Ring zur Schärfeeinstellung herausgezogen hat, kann man ihn sogar als Sonneblende nutzen.

Zur Batterie muss ich auch noch etwas sagen: Wenn man den „A“-Modus verwendet, bräuchte man eigentlich 4 PX 625 Quecksilber Batterien, die aber heutzutage gar nicht mehr produziert werden. Wenn man das Batteriefach ein wenig modifiziert, kann man diese aber einfach durch eine gängige CR123 Batterie ersetzten. (Dazu einfach den roten Plastikhalter entfernen.)
Insgesamt wirklich eine richtig schöne, einfach und schnell zu bedienende Kamera, die man für alle fotografischen Aufgaben nutzen kann. Die Bilder sind sehr farbintensiv, kontrastreich und scharf. Ich mag es, mit dieser Kamera zu fotografieren, weil sie sehr diskret ist (klein, schnell einzustellen, sehr leiser Verschluss) und robust konstruiert wurde. Wenn man das Wissen von Voigtländer, Zeiss Ikon und Rollei in einer Kamera vereint weiß, ist das mit Sicherheit eine Garantie für Qualität!

Als die Kamera dann endlich bei mir angekommen war, hat sie mich als Begleiterin in allen Situationen schnell überzeugt. Ich habe dann beschlossen, die ersten Versuchsfotos in einer Gruppe von Demonstranten zu machen (siehe Bilder in der Galerie!).

Retrography
35mmcompact.com

written by somapic on 2009-07-02 #gear #review #35-mm #voigtlander

More Interesting Articles