Lubitel 166B: Mein Begleiter aus der UdSSR

Meine Lubitel 166B hat sich kurze Zeit nach dem Kauf als ein sehr vertrauenswürdiger und ernster Freund und Begleiter bewiesen. Ich zähle sie mittlerweile zu den Anti-Holga und Anti-Diana Kameras – natürlich nicht im negativen Sinne. Aber diese Kamera ist einfach all das, was die anderen beiden nicht sind – eine ernste Kamera für Leute, die ihre Bilder unter Kontrolle haben wollen.

Von: xxxanderrr

Ich muss zugeben, dass ich noch nicht lange im Besitz dieser Kamera bin – gerade mal seit Januar 2011, doch schon so kurze Zeit später muss ich sagen, dass es meine Lieblings-Mittelformatkamera ist. Natürlich habe ich davor eine Holga benutzt, und hatte auch letztens einen Diana F+ Deluxe Kit, geholt, und doch bleibt die Lubitel mein Favorit. Natürlich gilt das nur für mich und meine fotografischen Vorlieben – dazu etwas später.

Meine Lubitel kam zu mir nach einer langen Reise, die angefangen hat… tja, in der Lomo Fabrik natürlich. Doch dann wurde sie 1988 an ein Deutsches Paar in Ungarn verkauft. Zum Nachteil für die beiden (und Vorteil für mich) haben sie kein Wort Russisch gesprochen (oder lesen können), und da das Handbuch auf Russisch war, konnten sie nicht wirklich schlau werden daraus, jedenfalls nicht so weit, dass sie die Kamera nutzen konnten.
Eine zeitlang später, nämlich Januar 2011: eBay. Dies ist es, wo ich meinen Schatz aus der UdSSR entdeckt habe.
Ich hatte Glück, denn für Rund 70 Euro habe ich eine eigentlich nagelneuen unbenutzte Lubitel 166B ersteigert, inklusive Originalbox, Ledertasche und Rechnung, datiert 1988. 70 Euro mag zwar viel sein, aber für so etwas “Neues” war es mir das Geld dann doch wert.

Was genau ist also diese Kamera?

Tja, zunächst ist es eine TLR Kamera (= Twin Lens Reflex, also Doppel-Spiegelreflex). Schon darin unterscheidet sie sich schon sehr zur Holga oder Diana, die gar keine Sicht “durch die Linse” bieten (TTL= through the lens). Was ihr bei der Lubitel im Sucher seht, kommt auch auf das Negativ drauf.

Die Lubitel besitzt ein T-22 75mm Objektiv aus Glas – also relativ ähnlich zur Diana, die auch standardmäßig ein 75er drauf hat. Doch das Glas macht die Fotos um einiges schärfer und es gibt fast keine Vignettierung.

Die Blenden fangen bei f4.5 an und gehen bis f22; kleinere Blenden als f8 habe ich jedoch noch nicht benutzt, hauptsächlich weil meine Filmkollektion das einfach nicht zulässt.
Die Verschlusszeiten gehen von 1/250s bis 1/15s, und natürlich das beliebte B (Bulb).
Das Fokussieren an der Kamera bedarf ein wenig Gewöhnung – man fängt bei gerade mal 1.4m an, bis zur Unendlichkeit.
Es gibt auch einen 10s Selbstauslöser, ein Stativgewinde sowie ein Gewinde für Kabelauslöser.

Auch gibt es einen Blitz-Schuh; leider wird aber ein Diana F+ Flash selbst mit einem Adapter hier nicht funktionieren – ihr braucht einen Blitz mit einem Synchronisierungskabel (PC-Kabel soweit ich weiß). Ich benutze zur Zeit einen alten Bauer-Blitz, doch würde gerne den Fritz the Blitz ausprobieren. Sollte klappen.

Die Kamera ist aus stabilem Material gebaut und wiegt auch dementsprechend mehr als eine einfache Plastikkamera. Wenn ihr mit der Lubitel unterwegs seid, denkt ihr jedenfalls nicht, dass ihr gerade eine Spielzeugcam mitschleppt.

Von: xxxanderrr

Warum liebe ich denn diese Kamera? Der Grund ist ein einfacher – sie gibt mir jegliche Kontrolle über meine Bilder. Dies bezieht sich hauptsächlich auf meine Filmkollektion – ich habe Unmengen von Kodak Ektachrome 64, ein Film mit sehr geringem ISO-Wert. Den Film habe ich mit der Holga ausprobiert, doch die feste f8 Blende hat einen Strich durch die Rechnung gezogen. Auch die Diana F+, konnte nichts mit dem Film anfangen, und das bei voll geöffneter Blende an einem sonnigen Tag. Zwar könnte ich den Film 2-3 Stops pushen lassen, doch dies heißt wiederum Geld und Stress mit dem Fotolabor (ihr wisst bestimmt alle, wie ungerne Labors in Deutschland Filme pushen).

Die Lubitel arbeitet wirklich super mit Klein-ISO Filmen. Auch wenn die größte Blende “nur” f4.5 ist, könnt ihr die Verschlusszeiten runterdrosseln und habt ein gut belichtetes Bild. Im Gegensatz zur Diana oder Holga, die mehr “Überraschungskameras” sind, was das Ergebnis angeht (was natürlich auch Spaß macht), könnt ihr mit der Lubitel volle Kontrolle haben.
Sucht ihr also nach einer Spiegelreflex für Mittelformat – so ist die Lubitel eine super Wahl dafür.

Leider gibt’s keine Möglichkeit 35mm Film zu benutzen, außer ihr modifiziert die Kamera. Alternativ gibt es die Lomography Lubitel 166+, welche mit dem Lubikin Set einen Adaptor für 35mm Film bietet und die Fokussierung mit 0.8m etwas erleichtert.

In Zeiten der “ernsteren” Fotografie (also als Gegenteil zu einfachen Schnappschüssen) hat sich meine Lubitel wirklich als ein seriöser und solider Kumpel erwiesen und hat dafür gesorgt, dass ich nicht allzuviele leere Filmstreifen vom Labor gekriegt habe.

Aber überzeugt euch selbst:

Von: xxxanderrr
Von: xxxanderrr

Ich bin sehr zufrieden mit dem Kauf. Dies ist die Kamera, mit welcher ich meinen teuersten und wertvollsten Film verwenden werde, nämlich meinen seit 20 Jahren abgelaufenen Kodak Ektachrome 64, sowie seit 15 Jahren abgelaufenen AGFA RSX im 220er Format.

Und alle, die weniger unterbelichtete Filmstreifen vom Labor zurückkriegen wollen – überlegt euch den Kauf dieses Prachtstücks!

written by xxxanderrr on 2011-10-15 #gear #review #lubitel #lubitel-166b #166b #lubitel166b #rollfilm #ussr #mittelformat #russland #udssr
translated by xxxanderrr

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