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8 Wochen, 8 Kameras: Lubitel 166+ in Berlin

Lubitel – meine zweite Kamera, meine große Liebe. Sie ist eine Zicke, aber sie darf das, denn unter ihrem Wert verkauft sie sich nicht; das weiß wohl jeder, der sie mal ausprobieren durfte. Und wenn man sie wie die Diva behandelt, die sie ist, schenkt sie einem alles, was sie zu geben hat.

Ein gutes Wochenende, 5 verschossene 120er Filme (meine ersten Mittelformate!): Das war meine erste Begegnung mit der Lubitel 166+ . Nachdem ich in meinen ersten zwei Wochen hier in Berlin schon allerhand Reviews und traumhafte Fotos zur Lubitel 166+ angesehen hatte, war ich super aufgeregt, als ich sie schließlich ausprobieren durfte! Natürlich ruinierte ich noch vor Einlegen des ersten Filmes einen, weil ich mir nicht bewusst war, dass man die Mittelformatfilme ohne schützende Kapsel wie bei 35mm nicht einfach aufgeregt aufreißen darf, wenn es daran geht, die Kamera zu laden. Nun ja.

Dann konnte ich aber losziehen, Passanten wunderten sich vielleicht über das komische Mädchen am Gehsteig, das schwankend, aber trotzdem wie angewurzelt am Fleck stehen blieb, Kinn zur Brust gezogen. So sah ich nämlich aus, während ich durch den Sucher blickend versuchte, Herrin der abzubildenden Situation zu werden. Obwohl ich sofort mit Belichtungseinstellung und Zonenfokus klar kam, hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der horizontalen Spiegelung im Suchers (ganz am Anfang bekam ich den Sucher ja nicht einmal auf!). Als minder begabte Mario-Kart-Fahrerin erinnerte mich das verzweifelte Schwenken der Kamera (und natürlich analog dazu meines Körpers) stark an die Situation im Videospiel, wenn man gegen eine Wand gefahren ist und einfach nicht mehr weiterkommt.

Bald hatte ich aber akzeptiert, dass der Satz, den man bei jedem neu eingelegten Film durch das kleine Bildnummernfenster lesen kann – “Don’t think – just shoot” – selbstverständlich auch für Lomography Mittelformat gilt. Und sobald ich mein zweifelndes Hirn ausgeschalten hatte, ging der Spaß erst richtig los (das Tolle an Fotografie im Vergleich zu Partynächten ist ja, dass man keinen Kater haben kann am nächsten Morgen – Höchstens kein Geld mehr für mehr Film).

An meinem Lubitel-Wochenende war auch meine Familie auf Besuch (ein bisschen war ich auch froh, dass ich ein paar besondere Familienfotos machen konnte), und so kam die Lubi immer mit auf Hardcore-Touristentour durch Berlin. Die klischeehaftesten Motive habe ich ihr, mir und euch aber erspart. So konnte ich sie aber in urbaner Umgebung im Leistungsspektrum zwischen knallharter Mittagssonne und schwüler Dämmerung austesten. Und: Ich bin verliebt! Lubi und ich waren gemeinsam Bootsfahren auf der Spree, Touristen-Spotten am Alexanderplatz, Verkäufer Ärgern im KaDeWe und natürlich auch sehr oft auf der Strecke Zuhause bis Fotolabor und zurück… Jeden Tag, an dem ich fotografierte, versuchte ich am Abend noch schnell vor Geschäftsschluss meine verschossenen Filme hinzubringen, damit ich am nächsten Tag schon sehen konnte, was im Inneren der zweiäugigen Schönheit vor sich gegangen war (bin halt doch ein Kind der digitalen Generation).

Als ich meine ersten Abzüge bekam, zitterte meine Hand beim Öffnen des Kuverts. Dann strahlte ich übers ganze Gesicht – für den Rest des Abends. Anfassen und Ansehen durfte die Familie die Abzüge nach dem Abendessen erst, nachdem sie sich vor meinen Augen die Hände gründlich gereinigt hatten. Zwei zartbittere Enttäuschungen musste ich aber erleben in dieser ersten kurzen Zeit meiner Affäre mit der Lubi. Man muss dazu aber auch eingestehen, dass ich mehr als Mitschuld an diesen Vorfällen trage: Bei meinem ersten Film öffnete sich die Rückwand in meiner Tasche und ein Teil des Films wurde überbelichtet, weil ich Trampel es erst merkte, als ich die Kamera aus meiner Tasche heraus in die pralle Mittagssonne hob. Meinen letzten Film wollte ich bei einem besonderen Gasmaskenshooting am Alexanderplatz verschießen. Es war Abend und ich hatte meinen Diana-Blitz mitgenommen. Eigentlich hätte ich noch 6 Bilder gehabt, doch im Dunkeln konnte ich nicht richtig in das Bildnummernfenster sehen und spulte viiiel zu weit vor. Im Endeffekt konnte ich dann nur 3 meiner 6 geplanten Bilder machen, was schon ärgerlich ist. Also gilt für die Lubitel wohl: Nicht denken beim Abdrücken, aber schon Denken beim Weiterspulen.

Fazit: Die Lubitel ist wunderbar, Berlin in der Sommerhitze ermüdend, Touristen sind lustig und ein kühles Trendgetränk unter Baumkronen zwischen Spree und Hackeschem Markt ist nicht einmal mit Gold aufzuwiegen.

Alle Fotos, die ich mit der Lubitel 166+ gemacht habe, könnt ihr hier , hier , hier , hier und hier sehen.

Die Lubitel 166+ ist eine mit Liebe gemachte Neuauflage der klassischen Sowjet-Version. Basierend auf einer mehr als 60 Jahre alten Konzeption, wurde der Apparat mit neuen Funktionen versehen. Sie kann sowohl mit Mittelformat wie mit 35mm Film verwendet werden.

written by analogeanstalten

4 comments

  1. marcel2cv

    marcel2cv

    Das sieht doch schon sehr ordentlich aus! :)

    5 months ago · report as spam
  2. zonderbar

    zonderbar

    Ja, da geb ich @marcel2cv Recht :)

    5 months ago · report as spam
  3. candee2104

    candee2104

    Herrlich! Ich hoffe, hoffe, hoffe, dass ich Anfang September auch EEEEENDLICH in den Besitz einer Lubitel komme, momentan ist sie ja schon wieder ausverkauft. Deine Bilder machen mich jedenfalls ganz wuschig.... :)

    5 months ago · report as spam
  4. harv

    harv

    Wenn die Wartezeit zu lange ist, könntest du für das halbe Geld die Kamera erstehen die als Vorlage diente und noch einen Service durchführen lassen!

    4 months ago · report as spam