Have an account? Login | New to Lomography? Register | Lab | Current Site:

Eine kurze Reise in die Antarktis

Begleite diese australische Ozeanographie-Mission an Bord des Eisbrechers Aurora Australis (Südpolarlicht). Auf der mehr als fünfwöchigen Tour von Hobart (Tasmanien) zu der frostigen Commonwealth Bay (Antarktis) und zurück nach Fremantle (Westaustralien) siehst du Eisberge, Touristen, Stürme und Adeliepinguine.

Die Mission

Wie ich schon in meinem letzten Artikel erzählte, unternehmen wir eine ozeanographische Forschungsmission während die Wissenschaftler an verschiedenen Orten Daten sammeln. Manche Orte müssen mehrmals besucht werden, damit genauere Daten erfasst werden können. Während dieser Mission fuhren wir mehrmals auf zwei Hauptrouten der World Ocean Circulation Experiment, die SR3 (hinab) und die I9S (hinauf). Deshalb verbrachten wir viele Tage in der Mitte des Ozeans anstatt mit Pinguinen auf dem Eis zu spielen. Ein Reiseveranstalter, der eine Kreuzfahrt zur Antarktis vorbereitet und sich unsere Position zur Mittagszeit auf der Karte anschaut (siehe unten) würde sich wohl denken, dass dies der dümmste Plan aller Zeiten wäre. Vor allem der Weg zurück nach Fremantle.

Unsere tägliche Position gegen Mittag.

Doch obwohl wir auf einer ozeographischen Mission waren und nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, boten sich uns wunderschöne Dinge; und wenn wir nicht arbeiteten, benahmen wir uns wie Touristen und fotografierten einfach alles um uns herum. Keiner machte sich über jemanden lustig, weil wir alle das Gleiche taten. Natürlich belächeln dich einige, wenn du mehr als zwei Kameras um deinen Hals hängen hast, doch sie verstehen es schon. Unser Hauptziel war natürlich wissenschaftlich, doch wir feierten auf dieser Mission auch das hundertste Jubiläum der Australisch-Antarktischen Expedition von Douglas Mawson. Aus diesem Anlass begleiteten uns Historiker, Politologen und Journalisten. Einige Glückliche kamen sogar nach Mawson’s Hut, wo eine Zeremonie abgehalten wurde, inklusive gehissten Flaggen, gehaltenen Reden und – wohl verdienter – australischer Parade. Zusätzlich hatten wir, wie in den guten alten Zeiten, einen Künstler an Bord; die mehrfach ausgezeichnete Australierin Wendy Sharpe war dabei, sehr nett und lebhaft – solange sich das Schiff nicht in Bewegung befand. Sie kreierte einige tolle Werke während der Reise. Zuletzt ist noch zu erwähnen, was für Ozeanographen eine sehr wichtige Tatsache ist, dass die Aurora Australis ein ‘trockenes Schiff’ ist. Das bedeutet nicht, dass wir viel Feuchtigkeitscreme mitbringen mussten, sondern dass auf ihr der Konsum von Alkohol nicht erlaubt ist. Oder vielleicht bei ein oder zwei besonderen Anlässe, was eine neue Dynamik zwischen Besatzung und Wissenschaftlern schafft, vergleichbar mit Schiffen wie dem kanadischen Eisbrecher Amundsen… Es lief aber alles reibungslos ab und meine Frau und ich (ich assistierte ihrem Team) lernten wundervolle Leute unter der Besatzung, den Wissenschaftlern und Ärzten an Bord kennen.

Von Hobart zur Commonwealth Bay: Ab nach Süden

Da sich der antarktische Kontinent um den Pol dreht und nicht mit einem anderen Kontinent verbunden ist, umfließt ihn das größte Meer der Welt – im Uhrzeigersinn. Man nennt es auch Zirkumpolarstrom. Das bedeutet, dass jedes Schiff, dass zur Antarktis fährt, dazu verurteilt ist, von Wind und Wellen gepeitscht zu werden. Doch ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Wir hatten einige stürmische Tage, doch nichts Großes. Nur gerade so viel, dass wir immer daran erinnert wurden, dass alles befestigt, angeklebt und verschraubt sein musste. Das betrifft also die Labore, Kabinen, wissenschaftliche Geräte und Kameras.

Kurz nachdem wir die erste Eisscholle sahen, trafen wir auf ein Kreuzfahrtschiff. Einige, vermutlich sehr warm eingepackte Touristen, begaben sich auf kleine Boote, um uns von Nahem zu sehen. Ich dachte in dem Moment, dass wir aus ihrer Perspektive vermutlich nur eine weitere Sehenswürdigkeit waren, die sie auf ihrer Reise fotografierten. Doch andersherum war es genauso, sodass wir uns gegenseitig auf Film verewigten. Doch schon bald kehrten sie zu ihrem Kreuzfahrtschiff zurück und wir gingen wieder in unsere Labore.

Die Eisschollen wurden größer und größer, je weiter wir nach Süden kamen, bis wir dann die gefrorene Commonwealth Bay erreichten. Ein Platz wurde ausgesucht und mit dem Eisbrecher angesteuert. Nach kurzer Zeit hatten wir unseren Parkplatz. Hier verbrachten wir fünf Tage.

Zum Glück hatte ich eine LomoKino (mit Power-Kurbel dabei. Unglücklicherweise ging sie kurze Zeit nach unserer Ankunft an der Commonwealth Bay kaputt. Das arme Ding kam wohl nicht mit Minusgraden zurecht.

Doch ein wenig bekam ich vom Anfang unserer Mission noch aus ihr heraus.

Film von stouf

Commonwealth Bay: Heimat der Adeliepinguine

Unser Aufenthalt in der gefrorenen Commonwealth Bay war friedvoll. Feststeckend im Eis wurde das Schiff sehr stabil und man konnte die Nächte durchschlafen. Dort sahen wir viele Leute nach Tagen bunter Magen-Darm-Abenteuer erstmals wieder ihre Kajüten verlassen. Und ich mache mich hier jetzt nicht nur über jemanden lustig. Das war wirklich so.

Während wir dort an der Ecke der gefrorenen Commonwealth Bay festsaßen, hatten wir vor uns die Küste der Antarktis und hinter uns ein sehr langes Stück voller Eisberge und Eisschollen die vorbeizogen. Es sah aus wie ein fortwährendes Ballett gefrorener Wunder und weißer Kirchen.

Kurz nach unserer Ankunft erschienen Adeliepinguine (Pygoscelis adeliae), um einen Blick auf uns zu werfen. Unser großes rotes Schiff war wohl weithin sichtbar und womöglich kamen sie aus reiner Neugierde zu uns. Doch ich vermute, sie wählten diesen Ort aus dem gleichen Grund wie wir: Die Nähe zur Küste. Auf jeden Fall stieg die Anzahl der Pinguine stetig an und so waren wir bald von beschäftigten und lauten Vögeln umgeben .

Ich kann mir nicht vorstellen, zum ersten mal einen Pinguin zu sehen und nicht lächeln zu müssen. Diese Tiere haben etwas an sich, dass sie einfach lustig macht. Zum Beispiel wie sie mit ihren geweiteten Flügeln rennen, dann über das Eis schlittern, hinfallen, wieder aufstehen, erneut hinfallen, irgendwann das Laufen aufgeben und nur noch schlittern und mit ihren Füßen Schwung holen – da fällt es schwer, sie ernst zunehmen. Und dann verlängern sie ab und zu ihren Hals. Es scheint, als wollen sie dich aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Es wäre verlockend, einen Tag lang ihr Leben führen zu können, immer mutig in dieser harten Umwelt zu überleben, nackt herumrennend und in das kälteste Meer dieses Planeten springend. Sie sind perfekt an ihre Umgebung angepasst und ich denke, es ist mit dieser Fettschicht und den Federn gemütlicher, als wir es uns zunächst vorstellen (mit unseren dünnen, haarlosen Körpern). Sie haben auch gut isolierte Füße, die riesengroß sind!

Da die Pinguine an Land so wenige Feinde haben (wobei es im Wasser schon wieder ganz anders aussieht) sind sie sehr unerschrocken und neugierig. Unsere Anweisungen zum Betreten des Eis waren, dass wir nicht auf sie zugehen und Abstand halten sollen. Doch diese Anweisungen waren recht unnötig, denn sobald wir auf dem Eis waren, rannten sie zu uns und knabberten an Schuhen und Hosen, ohne von unserer Größe irgendwie verängstigt zu sein. Sie beobachteten aufmerksam, was wir taten, näherten sich uns, hörten uns zu (und versuchten manchmal uns zu antworten) und manchmal schliefen sie sogar direkt neben uns ein.

Manchmal begannen einige ohne ersichtlichen Grund miteinander zu kämpfen. Dann pickten sie sich mit ihrem Schnabel an, schlugen mit ihren Flügeln und versuchten furchterregend auszusehen, indem sie einige Federn am Kopf aufstellten. Ab da konnte sich niemand mehr das Lachen verkneifen – außer du bist ein Pinguin, der das Ganze schon seit 30 Jahren mit ansehen muss.

Nur über eine Sache kann man sich bei Pinguinen nicht lustig machen; etwas, durch das sie sich hervortun und wegen dem sie wirklich Anerkennung verdienen: ihre Schwimmkünste. Als Vögel sind sie dafür nicht wirklich geschaffen und so lernten sie es auf die harte Art, aber sie beherrschen es perfekt. Von der Oberfläche aus betrachtet sieht es aus, als seien sie kleine Torpedos, die ins Wasser hinein und wieder heraus springen. Doch das mit einer Geschwindigkeit und Leichtigkeit, die kein Schwimmer erreichen könnte. Sie springen auch wieder zurück aufs Eis, genießen noch einen Moment Grazie in der Luft, bis sie mehr oder weniger erfolgreich landen und wieder wie glitschiges Federvieh aussehen.

Ein Tag im Leben eines Adeliepinguins muss sehr anstrengend sein. Sie rennen in Gruppen zum Ozean, besorgen dort etwas zu Essen und bringen es dann wieder rennend zurück zu ihrer Familie. Manchmal entspannen sie etwas abseits auf dem Eis, schlafend oder wartend, als bräuchten sie eine Pause von ihrer lauten und stinkenden Herde. Doch die meiste Zeit, wenn sie einfach von A nach B laufen, wirken sie sehr beschäftigt, ohne dich zu beachten.

Eine Schlauchboottour

Bevor wir die Commonwealth Bay verließen, unternahmen diejenigen von uns, die bei der Mawson’s Jubiläumsfeierlichkeiten an Bord bleiben mussten, eine Schlauchboottour. Es war bewölkt und nicht sehr windig und auf der Wasseroberfläche spiegelte sich das Licht der niedrig stehenden Sonne. Wir fuhren zwischen den Eisschollen und blieben in der Nähe des Schiffes. Es war eine schöne Fahrt mit diesem Gefühl, dass man sehr weit von zu Hause entfernt ist, und ohne die ständigen Motorengeräusche des Schiffes.

Die Rückkehr: Von Eisbergen zu einer leuchtenden Sonne

Nach einigen Vorbereitungen (alles befestigen was runterfallen könnte) lösten wir uns vom Eis und begannen unseren langen Heimweg.

Auf unserem Weg nach Hause begegneten wir sehr großen Eisstücken.

Der Weg nach Hause war lang und arbeitsreich. Wie üblich arbeiteten alle in 12 Stunden Schichten. Die Eisschollen wurden immer kleiner und kleiner, bis irgendwann kein Eis mehr zu sehen war und die Lufttemperatur stetig anstieg. Eines Nachts fuhren wir durch einen Sturm und alles flog uns um die Ohren. Mir wurde gesagt, dass das Schiff dort einmal so stark geneigt war, dass es beinahe umgekippt wäre. Es haben nur 2° gefehlt!
Dieses Bild wurde während des Sturms von einer Schiffskamera gemacht:

Während des Sturms

Diese Mission war ein großartiges Abenteuer, an das ich mich auch noch erinnern werde, wenn ich alt bin. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder so weit nach Süden fahren werde, doch ich hoffe es. Und falls nicht, sehe ich mir meine Fotos an und schwelge in Nostalgie.

written by stouf and translated by vivie

6 comments

  1. dermanu

    dermanu

    Aus dem einen Artikel hätte man aber auch gut und gerne drei oder vier machen können. ;-)

    about 1 year ago · report as spam
  2. stouf

    stouf

    @vivie Vielen Dank für die Übersetzung! @dermanu Leider spreche ich kein Deutsch, und Google Translate nicht mit Ihrem Kommentar zu arbeiten : )

    about 1 year ago · report as spam
  3. lomoherz

    lomoherz

    Ich find ihn großartig <3

    about 1 year ago · report as spam
  4. stouf

    stouf

    @lomoherz Vielen Dank! : )

    about 1 year ago · report as spam
  5. brommi

    brommi

    Unglaublich ♥_♥ WOW

    about 1 year ago · report as spam
  6. stouf

    stouf

    @brommi Danke schön! : )

    about 1 year ago · report as spam

Where is this?

Nearby popular photos – see more

Nearby LomoLocations

Read this article in another language

The original version of this article is written in: English. It is also available in: Русский.