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Die Demilitarisierte Zone in Korea – Die heißeste Grenze der Welt

Sie ist höchstwahrscheinlich die einzige Grenze, die dauerhaft im Fokus des Weltgeschehens steht: Die Demarkationslinie zwischen Nordkorea und Südkorea steht immer unter Spannung. Bei einem Besuch ist man am besten ganz entspannt und macht keinen Blödsinn, denn die Soldaten haben ihren Finger immer am Abzug. Aber davon abgesehen kann die Demilitarisierte Zone (DMZ) in Südkorea auch als eine politische Version von Disneyland angesehen werden.

Der Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 zerriss einen Staat und sein Volk in einer Weise, die einzig mit der Teilung Deutschlands in den sozialistischen und westlichen Bereich vergleichbar ist. Vielleicht hat mich gerade deshalb die Geschichte Koreas schon immer so sehr interessiert.

Zwischen den beiden Nationen Koreas herrscht ein greifbarer Schwelbrand, und formell befinden sie sich noch immer im Kriegszustand. Nach Ende des Krieges 1953 wurde eine entmilitarisierte Zone geschaffen, die Korea ziemlich genau in zwei Hälften teilt. Diese Zone ist voller Minen, sie ist ca. 250 Kilometer lang und 4 Kilometer breit. Da die Zone nicht betreten werden darf, hat die Natur das Gebiet zurückerobert und in ein Naturparadies mit vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten verwandelt. Naja, fast ein Naturparadies. Mittlerweile hat die südkoreanische Militärpolizei irre Roboter dort eingebracht, um die Zone zu überwachen. Vögel und Roboter – welch eine friedliche Welt könnte das sein! Seit kurzem gibt es sogar eine Mineralwassermarke, die frisches Quellwasser aus diesem Naturparadies verkauft. Die Koreaner sind ziemlich clever und ehrgeizig, wenn es ums Geschäft geht, und so haben sie ihren eigenen Weg gefunden, um die DMZ touristisch zu vermarkten und dabei ihre Seite der Geschichte zu erzählen. Es gibt auch Busse, die von Seoul aus Fahrten in den Norden inklusive Führungen unternehmen. Die Fahrten können in jedem Touristenbüro und in Hotels gebucht werden.

Auf dem Rückweg wird dann auch ein Stopp beim Ginseng Museum eingelegt, wo zu stolzen Preisen die heilsamen Ginseng-Dragées angeboten werden. Vielleicht seid ihr für solche Sachen empfänglich, aber ich fand es blöd. Aber zurück zum Thema. Für die Busfahrt wird man meistens direkt am Hotel abgeholt, was sehr praktisch ist. Den Bus muss man dann aber ein paar mal wechseln, denn im Bereich der DMZ werden von den Soldaten nur deren eigene Busse erlaubt.

Aber es gibt auch andere Wege zur DMZ. Von Norden her kann man durch Tunnel dorthin gelangen, zumindest war das früher einmal der Plan des Nordregimes. Sie haben in Richtung Süden mit einer beeindruckenden Energie durch den härtesten Fels gegraben. Aber vier Tunnel wurden vom südlichen Gegner entdeckt und verschlossen. Es wird vermutet, dass sich unter der Oberfläche noch viele weitere Tunnel verbergen. Heute fahren kleine Züge in die Tunnel, sie stehen den Besuchern zur Besichtigung offen. Man fühlt sich wie Indiana Jones, nur mit ein wenig Bling Bling, denn LED Lichter strahlen an den Felswänden. Zurück an der Oberfläche kann man ein paar Filme über die DMZ ansehen. Sie sind interessant anzuschauen, wirken aber wegen des amerikanischen Voice-Overs wie Trailer für Kriegsfilme. Nach meinem persönlichen Empfinden verlieren sie dadurch ein wenig von ihrem originalen Charakter.
Aber ich lebe auf einer unzugänglichen Halbinsel, bedroht durch mein eigenes Volk aus dem Norden, also sind die Bemühungen um ein gutes Image wohl verständlich. Und ich verstehe auch, dass man eine Art touristische Infrastruktur schaffen möchte, um den Fragen der Besucher gerecht zu werden.

Nach dem Besuch der Tunnel fahren die Busse zur Aussichtsplattform, von der aus man mit Fernrohren zum Norden sehen kann. Fotos machen ist jedoch verboten. Aber wenn man nicht gerade über einen Photosniper verfügt, ist das sowieso sinnlos – aber das wäre mal ein Aufruhr, wenn man dort so ein Teil aus der Tasche ziehen würde!

Ach übrigens, hier noch eine kleine Anekdote: Ich war im Winter 2011 an der DMZ, es war an einem Sonntag. Erst einen Tag später haben wir erfahren, dass der oberste Machthaber von Nordkorea, Kim Jong Il, während einer Zugfahrt gestorben ist. Aber er starb schon samstags. Wir waren also am Tag nach seinem Tod an der Grenze, aber niemand wusste davon. Kurz danach wurde der Tod von Kim Jong Il bekannt und das ganze Militär war in höchster Alarmbereitschaft und hat die Grenze geschlossen.

Einen Besuch der DMZ würde ich definitiv empfehlen. Es ist lebendige Geschichte und ein sehr interessanter Ort. Und außerdem, wie lange wird es diesen Ort wohl noch geben? Ich bin überzeugt, dass Korea eines Tages wiedervereint wird, man kann ein Volk nicht teilen. Das geht einfach nicht! Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber heute setzt die DMZ erst einmal noch ihre Zeichen in vielen Bereichen des koreanischen Lebens. Vor ein paar Jahren habe ich mir eine gebrauchte Armee-Tarnhose gekauft, in deren Taschen noch ein rotes Taschentuch gesteckt hat. Schon auf den ersten Blick fand ich sie klasse, als ich sie auf einem Flohmarkt in Seoul gesehen habe. Sie hatte meine Größe und sie kam aus dieser Gegend. Ein lebendiges Stück Geschichte umgibt nun meine behaarten Beine – welch ein Gewinn!

written by wil6ka and translated by minimuff

2 comments

  1. wil6ka

    wil6ka

    @minimuff danke fürs Übersetzen :)

    about 2 years ago · report as spam
  2. minimuff

    minimuff

    Bitteschön :-) War ein laaaanger Text, aber der Bericht ist auch super interessant.
    about 2 years ago · report as spam

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