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Vom Reisen

Von Haridwar nach Varanasi - Eine lange Reise.

Dienstag, 15. Juni 2010
Haridwar, Busse und Ellifents

Um der städtischen Hitze (über 40°C) in schattige Waldluft zu entfliehen, war unser Ausflugsziel ein Naturschutzgebiet mit Elefanten, Tigern, Leoparden u. Ä.
Das Gebiet war mit dem Bus ca. eine Stunde entfernt.
Nachdem wir uns zuvor sicherheitshalber ganz genau informiert hatten, wo und wann Busse fahren sollten, stellten wir zunächst fest, dass es zwei Busbahnhöfe fast direkt nebeneinander gab.
Wir entschieden uns erstmal zu einem der beiden zu gehen. Mangels Schildern fragten wir alle Busfahrer, Verkäufer, Passagiere und Passanten nach dem Bus. Keiner konnte uns auch nur die geringste Auskunft geben, deshalb gingen wir langsam schweißgebadet zum anderen Abfahrtsbahnhof.
Hier fragten wir wiederum alle Busfahrer, Verkäufer, Passagiere sowie Passanten nach dem Bus, welche uns wiederum zur ersten Busstation verwiesen.
So ging es dann mehr als eine Stunde hin und her: Alle schickten uns entweder zum anderen Abfahrtsbahnhof, wieder zum Ersten zurück, erklärten uns, dass es gar keinen Bus nach Chilla gäbe oder deuteten einfach in irgendeine Richtung (nachdem es in Indien als unhöflich gilt, einem Fremden keine Auskunft zu geben).

Aber siehe da, kurz bevor wir aufgeben wollten und statt Bus ein verhältnismäßig sehr teures Taxi nehmen wollten, rief uns ein Rikschafahrer zu, dass drüben gerade in dem Moment der Bus nach Chilla losfahren würde! Wir rannten und konnten gerade noch aufspringen.

Endlich in der kühlenden Natur angekommen, wurden wir im verhältnismäßig sehr teuren Naturschutzpark in Jeeps durch die Landschaft gefahren und ließen uns von einem Guide „spotted deer“, Vögel und wilde Elefanten (“ellifents“) zeigen…

Sonntag, 20. Juni 2010
Rien ne va plus….

Jetzt sitzen wir nach 1600 km Fahrerei irgendwo in einer Kleinstadt in den Ausläufern des Himalajas fest, denn die öffentlichen Verkehrsmittel streikten auf den letzten 60 km.
Es regnet, dank des hier bereits beginnenden Monsuns.

Freitagmittag brachen wir in Haridwar auf, mussten jedoch erst einmal mühsam das Zugfahren lernen.
Der Plan war nach Varanasi oder Jaipur zu fahren.
Obwohl schon davon gelesen, stellten wir zunächst einmal fest, dass man alle Züge reservieren muss.
Also stellten wir uns in die lange Schlange vor dem Schalter, was eine überaus brutale Angelegenheit ist. Die Menschen stehen nicht hintereinander, nicht nebeneinander, sondern aufeinander und drängeln sich vor. Direkt vor dem minimalistisch gehaltenen Schalter-Fenster quetschen mindestens fünf Männer und wollen irgendetwas. Dementsprechend lange dauert das Reservieren.
Am Schalter teilte man uns mit, dass alle Züge für die nächsten 15 Tage ausverkauft seien, deshalb nahmen wir erst einmal einen Zug nach Delhi, um von dort aus evtl. besser weiter zu kommen.
Nach einer 8-stündigen Fahrt erreichten wir um ca. 23:00 Uhr die „Old Delhi“ Station.
Wir stellten uns an irgendeinem Schalter an. Hier wurde uns mitgeteilt, dass ein Zug um 04:30 Uhr abfahren würde und wir sollten doch um 02:30 Uhr noch einmal wiederkommen. Erst dann könnten wir das Ticket reservieren. Nachdem auf dem Bahnhof schon hunderttausend Leute schliefen – beinloser Bettler neben Anzugmann, neben Straßenhund, neben Mutter mit Kind, neben muslimischer Familie, etc. – legten wir uns dazu und schützten uns mit einer dicken Wolldecke gegen die unerträgliche Hitze, die der nächtliche Asphalt abstrahlte.
Einmal pro Stunde wurden wir von mehreren Polizisten mit Schlagstöcken wie eine Herde Vieh in eine andere Ecke vor dem Bahnhof vertrieben, da es eigentlich verboten war am Bahnhofsvorplatz zu schlafen.
Um 03:00 Uhr durften wir uns wieder am Schalter anstellen, woraufhin der freundliche Bahnbeamte uns mitteilte, dass der Zug restlos ausverkauft und vollgestopft sei. Also haben wir uns so um 04:00 Uhr doch noch ein Hotel in Delhi gesucht.

Am nächsten Nachmittag reservierten wir dann problemlos einen Zug nach New Jalpaiguri (gleich mit Retourzug 6 Tage später), was 60km vor unserem eigentlichen Ziel Darjeeling liegt.
Am Abend setzten wir uns in den Zug und fuhren über 30 Stunden und 1400 km quer durch Indien.
Mit anderen Worten: Eine Nacht und einen Tag und eine Nacht in einem überfüllten Zug, in dem die Menschen z.B. einfach so unsere Schuhe anzogen, damit herumliefen, an den Stationen aus dem Zug hinaus, auf die Toilette, Wasser holen, etc…

Jetzt, wo wir fast am Ziel sind und es nur noch 60 km bis Darjeeling wären, heißt es: Busse, Jeeps und überhaupt alle Verkehrsmittel überall hin streiken.

Samstag, 26. Juni 2010
Zugfahrt nach Varanasi

Wir gönnten uns den großartigen Luxus nicht wie gewohnt Sleeper Class (die 4. von 5 möglichen Klassen) zu reisen, sondern 3ac (die 3. von 5 möglichen Klassen, mit Klimaanlage und Bettwäsche).
In der Sleeper Class kostet eine 12-stündige Fahrt ca. 3€ pro Person, bei 3ac immerhin 17€ – was durchaus nicht wenig ist…aber was wir dafür an Essen bekommen haben!

Zuerst ein ausgiebiges Mittagessen,
dann ein Joghurt,
dann ein Eis,
dann einen süßen Snack mit Tee und Kuchen und Sandwich,
dann einen salzigen Snack,
dann ein ausgiebiges Abendessen,
dann wieder ein Joghurt
und dann noch ein süßes indisches Dessert!

Und das alles von 13:00 bis 22:00 Uhr, d.h. 8-mal Essen in 9 Stunden.
Was müssen sich Inder denken, die nach Europa kommen und mit dem Zug fahren?
Um ein vielfaches teurer, nur zwei Klassen und dann kommt nicht einmal Essen!

written by annaesss

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