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VEB Horch und Guck

Die warme Welle der Ostalgie, die einem heute überall entgegen schwappt, lässt manchmal fast vergessen, dass es auch eine dunkle Seite gab im Arbeiter- und Bauernstaat. Deshalb ein Besuch im ehemaligen Reich der Finsternis, dem heutigen Stasimuseum in der Normannenstraße.

Was hier so spießig piefig harmlos aussieht war einst der Arbeitsplatz eines der mächtigsten Männer der DDR, Erich Fritz Emil Mielke, Minister für Staatssicherheit und Herr über ca. 260.000 – 300.000 offizielle und inoffizielle Mitarbeiter. Hier in der Normannenstraße residierte das Ministerium für Staatssicherheit in einem komplett von der Außenwelt abgeriegelten Areal. Im Volksmund wurde der Geheimdienst, der sich selbst als “Schild und Schwert” der Partei (SED) verstand auch “VEB Horch und Guck” genannt. Und wer sich die Ausstellung in den original Räumen ansieht, der merkt schnell, wie zutreffend diese Bezeichnung war. Denn Ziel des MfS war es, so viel wie möglich über das eigene Volk zu wissen, alles zu sehen und alles zu hören, um etwaige regimekritische Umtriebe sofort im Keim zu ersticken.

Und so gibt es im Bereich “Operativtechnik” allerlei unglaubliche Exponate zu bestaunen, die stark an Qs Gadgets aus den James Bond Filmen erinnern und die zeigen mit welch ausgeklügelten Bespitzelungsmethoden die Stasi den Bürgern der DDR zu Leibe rückte. Winzige Kameras in Krawatten, Thermoskannen, Jackentaschen oder sogar Stiften versteckt und dazu die entsprechende Technik mit der Wohnungen und Büros abgehört werden konnten.

Ebenfalls kurios ist die Sammlung von Orden, Wimpeln und Leninbüsten und anderen Devotionalien, welche im Rahmen der “Traditionsarbeit” dem MfS zur „Pflege und Bewahrung des revolutionären und tschekistischen Erbes” dienten, sprich zur Indoktrination der jüngeren Mitarbeiter.

Wer etwas Zeit mitbringt sollte sich auf jeden Fall eine Führung geben, die die Vergangenheit auf ziemlich drastisch Weise lebendig werden lässt. Führungen gibt es leider nur nach einer vorherigen Anmeldung und ab einem Minimum von 10 Personen. Aber mit etwas Glück kann sich auch einfach an eine bestehende Führung mit dranhängen.

Internetseite des Museums

Stasimuseum Berlin, Ruschestraße 103, Haus 22 10365 Berlin

Anfahrt:
U-Bahnlinie U5 bis Bahnhof Magdalenenstraße, Ausgang Ruschestraße.

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 11.00 – 18.00 Uhr
Sa, So: 14.00 – 18.00 Uhr

Hinweis: Da das eigentliche Hauptgebäude Haus 1 bis etwa Ende 2011 saniert wird, ist das Museum bis zum Ende der Baumaßnahmen in ein Ausweichquartier umgezogen. Es befindet sich nun direkt gegenüber in Haus 22. Hier war die frühere Generalskantine für den Führungsstab des MfS, die deshalb von den Stasimitarbeitern „Feldherrenhügel“ genannt wurde.

written by fruchtzwerg_hh

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