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Le(e)(h)r(n)orte

Lernorte, Lehrorte, manchmal auch ästhetische Leerorte: Schulen, Universitäten, Fachhochschulen. Nehmt eure Kamera mit, zum Lernen und zum Lehren.

Wie viel Zeit unseres Lebens verbringen wir in Schulen, Universitäten, Fachhochschulen? Kurz, wie lange bewegen wir uns (oder besser: sitzen still) in Räumen von Bildungs— und Ausbildungsinstitutionen? Hier sollte eine Rechnung folgen. Soundsoviele Stunden in soundsoviel Lebensjahren. Aber schon die Ansätze fühlten sich zu sehr nach Matheklausur an, trieben mir den Prüfungsschweiß in die Poren. Also keine Rechnung, jeder mag sie für sich selber aufstellen oder schätzen.

Wir verbringen viel Zeit in höchst funktionell ausgerichteten Gebäuden und Räumen. Nicht nur die optische sondern auch olfaktorische Erlebnisswelt wiederholt sich.
Grundschule: Der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln überlagert Bohnerwachs und das Odeur vergessener Turnbeutel und halb gegessener Pausenbrote. Ein Fuß klebt an einer getrockneten Pfütze Capri-Sonne. Papiergirlanden verkünden bunt das Alphabet, die Bemühungen des Töpferunterrichts verstauben seit 30 Jahren in Vitrinen.

In Klassenräumen weiterführender Schulen hängt noch der Angstschweiß der Politikklausur, hieroglyphenartige Liebesbezeugungen sind in Tische geritzt. Auf dem Lehrerpult verströmt eine kümmerliche Topfpflanze ein erdiges Aroma. Aus dem Hauswirtschaftstrakt weht eine Brise den Geruch stundenlang gekochten Gemüses herüber, die Wände verkünden Jahreszahlen, 30-jähriger Krieg und Aufstieg und Niedergang des römischen Reiches.
Gesprächsfetzen hallen über die weitläufigen Korridore altehrwürdiger Unis und durch die labyrinthartigen Gänge von Fachhochschulen. Die sonore mikrofonverstärkte Stimme eines Soziologiedozenten ist kurz durch eine geöffnete Lesesaaltür zu hören, verstummt beim Schließen der Tür und bringt einen Schwall verbrauchter Luft mit. Papiergeraschel und trockene Luft in der Bibliothek, die Mensa unbeschreiblich und einzigartig für Ohren und Nase, jeden Tag aufs Neue.

Bauten und Interieur zweckdienlich, uniform. Von tausend Gesäßen glattgeschliffene Stühle, ergonomisch zwar, aber nur für den uniformen Körper, wer hat den schon. Unsägliche Farben an den Wänden. Türen, Lampen, alles in schier unendlicher Wiederholung. Immer wieder Nischen des Aufbegehrens gegen diese Gleichförmigkeit. Hier ein gekritzeltes Graffiti, dort ein altes Plakat, ein Sticker, vielleicht etwas subventionierte Kunst.

Die sonstige Ästhetik eher zweckdienlich als schön. Farben, Formen, Gestaltung, alles hat Funktion, wenig dient dem reinen Selbstzweck. Wer Wiederholungen und Muster Fotografieren möchte findet seine Motive.
Die Ästhetik öffentlicher Gebäude, ihre Funktionalität gibt uns nicht nur einen Einblick in das Menschenbild ihrer Planer sondern auch in unser Denken, das Menschen gleich gemacht werden können. Die Orte an denen wir lernen beeinflussen, wer wir sind und wie viel Wertschätzung wir denen entgegenbringen, die dort so viel Zeit verbringen müssen.

written by zark

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