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Jagd nach dem „Großen Gelben“ oder als ich das erste Mal gefressen wurde

Zitternd, nach Atem ringend, krampfend umklammerte ich den Auslöser. Doch in Anbetracht dieser wilden Masse verlor ich jeden klaren Gedanken sofort wieder. Get Close! Get Close! Immer wieder wie ein Mantra! CLACK! CLACK!

Nennt mich Takitani. Vor einigen Jahren – wie viele es sind, tut nichts zur Sache -, als mein Geldbeutel so gut wie leer war und an Land mich nichts Besonderes hielt, kam mir der Gedanke, ich könnte ein bisschen nach Norden fahren und mir den Berliner Teil der Welt besehen.
Viel war mir zu Ohren gedrungen, von Fabelwesen, Riesen und Ungetümen die hier anzutreffen wären.
Aber wer ein junger Lomograph ohne etwas zu verlieren, für den der Tag auf den letzten folgt und je und je ein Abenteuer bringt, der scheut nicht, noch meidet er was fremd und neu und mancher Orts bedrohlich scheint.

Über ein ganz besonderes Wesen war mir von alten, gezeichneten Freibeutern deren Augen nie mehr den Glanz jener ausufernden Begegnungen verloren haben, berichtet worden. Geschichten, die man nicht erzählt.
Weil man weiß um ihre Anziehungskraft, um die Gefahr. Es sind Legenden, wie die vom „großen Gelben“.

Einem Ungeheuer an Masse. Einer Bestie von einer Kraft und Stärke beseelt, die den Boden schon aus der Ferne erzittern lässt. Über 3 kräftige Männer hoch und an Länge ungemessen! Nährt er sich von Menschen, die er durch seine 3 Mäuler saugt und kennt dabei keine Unterschiede zwischen Alten, Männern, Frauen und Kindern.
Kennt nur Durst und Hunger und nie Erbarmen.

Lange war ich schon in Berliner Gewässern unterwegs, hatte nie mehr als ein Geräusch, einen Schatten, eine Ahnung erhascht, als ich eines Tages an einer Gabelung stand und froh des Lebens meine Gerätschaften reinigte und meine lomographischen Apparaturen mit Munition lud. Da vernahm ich in der Ferne ein donnerndes Grollen, ein Raunen, Schniefen und Schnauben, ein zornerfülltes Wüten auf mich zukommen. Ohne Zweifel war es ein großer Gelber der auf mich zu raste.

Zitternd, nach Atem ringend, krampfend umklammerte ich den Auslöser. Doch in Anbetracht dieser wilden Masse verlor ich jeden klaren Gedanken sofort wieder. Get Close! Get Close! Immer wieder wie ein Mantra! CLACK. CLACK. Endlich lösten sich einige Schüsse und machten sich auf den Weg zu jener Bestie die kaum noch 10 Fuß von mir entfernt war und sich vor mir auftürmte wie eine ungezähmte, grollende Gebirgskette aus poliertem Metall. CLACK, CLACK, CLACK! Ich hielt den Atem an. CLACK! Und plötzlich war es für einen kurzen Augenblick ganz still. Vollkommen still.

Als der Lärm die Stille durchbrach, merkte ich, dass ich verschlungen worden war. Ich befand mich jetzt im Inneren des Ungetüms. Ich war gefressen worden. Too close! Too close! Too close! Mantren verändern sich, dachte ich kurz. Die Luft war dick. Es roch nach Schweiß, und Verdauung. Nach Körpersäften und Gärung. Wo meine Hand hinfasste war es feucht und tropfte. Es war heiß. Fürchterlich heiß und ich hatte das Gefühl eine dickflüssige Luft zu atmen die mir mehr und mehr die Kehle verklebte. Ich hatte das Gefühl zu ersticken.

KLONG. KLONG. KLONG! Machte es in meiner Hand. Die dichte, stickige Atmosphäre dämpfte das Geräusch des Auslösers merklich. Der Gestank, die wilden Bewegungen, die Säfte, das ganze organische Durcheinander, ich dachte nur I LOVE IT! Das Monster hier lebt! KLONG. KLONG. KLONG! Und den modrigen Beschlag von der Linse wischen.
Unter dem Ächzen und Schnaufen steige ich tiefer in den Bauch des Wales und bahn mir den Weg nach oben, höher immer höher, KLONG, KLONG. Ahab? Ismael? Ich habe eine gute Schule hinter mir. Wenn man anfängt über sich hinauszuwachsen gibt es kein Halten mehr. KLONG. KLONG. Get close! Es gibt keine Halten! Ich bin ganz oben.

Durch die riesigen Augen des Wales, des großen Gelben Ungetüms, das rasend durch die Straßen schwimmt, stöhnt, stinkt, verdaut, schreit und röhrt, rüttelt und reißt, KLONG. KLONG! KLONG! blicke ich in eine Welt wie ich sie nie zuvor sah. Weit und offen liegt sie uns zu Füßen. Jeder seiner Atemzüge wird zu meinem Atemzug. KLONG! Meine Bewegungen passen sich seinen an. Sein Schnaufen wird zu meinem wilden Herzschlag. Es sind nun meine riesigen Augen, mein Schnaufen, mein ungezügelter Körper vor dem die ganze Welt liegt. KLONG! KLONG! KLONG! Die Apparaturen laufen heiß. Ich lebe. KLONG! KLONG! Bahne mir den Weg durch Straßen und Kreuzungen, verschlucke und fresse Frauen und Kinder, alte und kräftige Männer zu Hauf. Ich kenne kein Erbarmen. ICH BIN DER WAL KLONG! Ein Ungetüm, eine Bestie der Straße. KLONG! KLONG! Vor mir die offene Welt und nach mir die Sintflut.

Shoot different!

euer Takitani

Location Tipp Berliner Omnibus-Wale, die „Großen Gelben“:
Am Besten trifft man die großen Gelben in ihren Jagdgebieten, wo sie Menschenschwärme verschlucken und oft auch in Gruppen anzutreffen sind. Allen voran in der Nähe des Bahnhof Zoos. Aber nicht vergessen: Jeder kämpft für sich, und vorher besser Abschiedsbriefe schreiben an die Lieben zu Hause.

written by takitani

3 comments

  1. annegreat

    annegreat

    Einfach genialer Text!!!

    over 4 years ago · report as spam
  2. saito

    hammer text - macht echt freude!
    over 4 years ago · report as spam
  3. eyecon

    eyecon

    Takitani, bitte schreib ein Buch - ich kaufe es!

    over 4 years ago · report as spam

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