Edvard Munch - Das moderne Auge

Die Edvard Munch Ausstellung im Tate Modern London erinnert uns daran, dass er als Maler seiner Zeit voraus war und zeigt uns, wie seine Fotografie ihm half, seine Kunst voran zu bringen.

Eine der Überraschungen der Ausstellung “Edvard Munch: The Modern Eye” sind die Fotografien des norwegischen Malers. Die Abwesenheit seines bekanntesten Bildes, “Der Schrei”, lenkt die Aufmerksamkeit auf seine weniger bekannten Arbeiten. Eine der Überraschungen ist, dass “The Modern Eye”, zu deutsch “Das moderne Auge”, im Titel teilweise auf seine fotografischen Experimente und wie sie ihm zu seinen Gemälden inspirierte verweist.

Seine geisterhaften Doppelbelichtungen und verschwommene Langzeitbelichtungen werden sofort Lomografen berühren. Man kann ihn experimentieren sehen, sich auf Dinge einlassen, die andere als Fehler sehen, aber Munch schafft dabei Bilder, die nur auf Film existieren können.

Munch war ein sporadischer Fotograf, der zuerst 1902 mit einer Kodak Bulls-Eye No. 2 pocket camera fotografierte und diese ungefähr acht Jahre nutzte. Er brach absichtlich die Regel der konventionellen Fotografie. Die Kuratoren deuteten an, dass die verschwommenen Aufnahmen vielleicht seine faszinierenden Auras auslösten, die in welligen Linien um Figuren in einigen seiner bekanntesten Werke zu sehen sind.

Wenn sie Seite an Seite mit seinen Gemälden hängen, kann man sehen, wie deren radikale Perspektiven seine Fotos widerspiegeln. 1926 wurde sein Interesse an der Fotografie wieder erweckt und er kaufte eine Kodak Pocket Vest Camera für sich selbst und eine für seine Schwester. Die Kamera war gefaltet 2,5 cm dick. Er nutzte sie über sechs Jahre, zusammen mit einer kleinen Pathé Baby-Cine-Filmkamera.

Ein Drittel seiner erhaltenen Fotografien sind Selbstportraits. Manchmal sind sie zwanglos, manchmal sehr sorgfältig inszeniert. Er wandte die Technik an, wie wir heute unsere Kameras auf Armlänge halten, um Selbstporträts aufzunehmen oder manchmal lief er während Langzeitbelichtungen durch das Bild.
Er fotografierte sich im dreiviertel Winkel, um Selbstporträts zu schaffen, die ihm erlauben sich selbst so zu sehen, wie er es in einem Spiegel nie könnte.

Andere Lieblingsmotive beinhalten seinen Hund Fips und seine Bilder, die er manchmal als seine Kinder bezeichnete und manchmal draußen sitzend aufgenommen wurden.

Munch ist bekannt, als Maler seiner Zeit voraus gewesen zu sein. Aber er war es womöglich auch als Fotograf, das umsetzend, wo wir ein Jahrhundert später stehen und analoge Fotografie nur mehr als die Dokumentation unserer Umgebung ist. Munch war vielleicht der Prototyp der Lomographen!

Die Ausstellung “The Modern Eye” kann noch bis zum 14. Oktober 2012 im Tate Modern in London besichtigt werden.
Mehr Informationen erhältst du ihr.

written by decisivemoment on 2012-09-05 in #news #geschichte #fotografie #malerei #norwegen #london #tate #kunstler
translated by northernsoul

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