Eine Frage, die sich mir immer wieder stellt, wenn junge Menschen mit ihren Digicams Fotos schießen.
So ziemlich jeder, der ein Fotohandy/iPhone hat, spielt sich zumindest ein Mal mit den lustigen Motivprogrammen (z.B. Gefängnis-Rahmen, Sprechblasen drüber, …).
Wenn mir jemand seine kompakte Digi-Knippse gibt, spiel ich mich auch mit den kreativen Einstellungen (S/W, Sepia, Diafilmmodus, Kräftige Farben, Zoom-Effekt, Mustererkennung).
Ich erinnere mich an die Schulzeit zurück, wieviel Fun damals die wasserdichte digitale Olympus mju bei der Thermen-Exkursion gemacht hat.
Bei so ziemlich jedem Event hat heute jemand eine Digicam mit.
DIGICAM – der ultimative Begriff für billig viele Fotos machen, ohne sie nachher nachbearbeiten zu müssen (und quasi der Inbegriff für “zur Sicherheit noch eins!”).
Wie wir Lomographen wissen, sehen aber all diese Digicam-Fotos langweilig, mehr oder weniger perfekt und nicht sehr abwechslungsreich aus.
Wie kann man aus diesen Millionen unnötiger Fotos interessante Bilder machen, wenn sich die Digicam-Person nicht zur Lomographie oder digitalen Nachbearbeitung überreden lassen will?
Wir brauchen eine digitale ToyCam!
Oder besser: eine FunCam. Es soll ja keine Spielzeugkamera für Kleinkinder sein, sondern eine Kamera zum Spaß haben.
Eine Canon Funshot / IXUS CreativeEdition / whatever.
Ein paar mögliche Funktionen/Eigenschaften:
- MX (Multiple Exposure): Was gibts leichteres, als digital simulierte Mehrfachbelichtungen? Trotzdem hab ich diese Funktion noch nirgends gesehen. Grund der Hersteller ist wohl: “Das geht so leicht am Computer!”. Aber welcher Digicam-User bearbeitet seine Fotos schon nach?
- ActionSampler-Modus: Ein normales 4-Bilder-auf-einem-Foto. Auch diese Funktion wäre denkbar einfach. Menü → Action-Modus → Anzahl der Bilder wählen (2, 4 8) —> 1 von 5 Verschlusszeiten wählen → [ OK ]. Abdrücken.
- Random-Modus: Wählt eine aus vielen verschiedenen Einstellungen (Farbstich, Sepia, Cross-Farben, Vignettierung, Action-Modus, … )
- Megapixel: Brutal gesagt: 5 reichen sicher. So viele Leute protzen mit ihrer neusten Digicam “mit 12 Megapixel!!!” und haben dann unter den Einstellungen eine Auflösung von 2048×1600 eingestellt – FAIL).
- Live View: Quasi die Echtzeit-Sicht des Bildes auf dem LCD Bildschirm. Eigentlich könnte man darauf verzichten und den LCD Monitor nur zum Ansehen der aufgenommenen Bilder und für die Einstellungen verwenden. Ein alter normaler ViewFinder genügt auf alle Fälle. Allerdings würde das die bisher angesprochene Zielgruppe abschrecken (auch wenn dadurch die Akkulaufzeit vervielfacht würde).
- Erweiterungen übers Internet per USB: iPhone Apps gibts genug. Warum nicht diesen Virus auf den Kameras fortsetzen? Gerade bei so eine digitalen FunCam bietet es sich so ein Feature förmlich an.
So, ich sehe schon, ich hab zu viel Zeit und investiere auch zu viel davon in Foto/Lomographie.
Trotzdem verstehe ich nicht, warum noch keiner der großen Kamera-Hersteller einen einfachen Fotoapparat für junge Leute gebaut hat? Es gibt so viele billige Digicams, aber lustige, abwechslungsreiche, kreative Software auf den Kameras, die noch dazu extremst unaufwändig zu programmieren wäre, gibt es nicht.
(Bin gespannt, ob ein paar Meinungen/Feedbacks in den Kommentaren kommen – was haltet ihr von der Idee?)
Marktlücke_Ende
Edit:
Bevor unpassende Kommentare kommen: Ich bin Lomograph aus Leidenschaft und liebe Aufnahmen auf Film. Die hier beschriebene Idee kann auf keinen Fall die analoge Lomographie ersetzen! Es wäre nur eine Möglichkeit, aus dem riesengroßen Datenmüllberg der Digicams brauchbare, interessante Fotos zu bekommen! Kreative Fotografie für die Masse, sozusagen.
4 comments
floriansimon
Ich finde den Artikel recht spannend, da ich mich auch schon mehrfach gefragt habe, warum es keine "Digital-Lomo" gibt.
Meine Meinungen:
1. Gerade bei der Lomographie finde ich es spannend, dass man eben nicht sofort weiß, wie das Bild aussieht. Und wenn ich die Bilder sofort habe und bei Bedarf neu aufnehmen kann, sinkt für mich auch derern Werigkeit.
2. Es scheint so, als bauen die Digicam-Hersteller immer mehr Funktionen ein, dass die Bilder "automatisch besser" werden, also man sich keine Gedanken machen muss. Allerdings werden sie das in meinen Augen nicht (im Gegensatz zur Lomographie, bei der es ja auch dazugehört, sich keine Gedanken zu machen). Und ein nachträglicher Grünstichfilter ist nicht das gleiche wie ein gecrosster Sensia 200.
3. Digital Harinezumi. Die wird ja immer wieder als Digital-Lomo angeführt. Die Meinung kann ich gar nicht teilen, weil einfach der Bildsensor zu schlecht ist. Das Letzte, was ich auf einem Bild haben möchte, sind Bildrauschen und jpg-Artefakte.
Möglicher Kompromiss: Guter Sensor mit guter Software.
Das ist übrigens die erste Digicam, bei der ich eine Funktion zur Doppelbelichtung gesehen habe:
http://www.youtube.c(…)vynolVbd6Pg
t0m7
@ Youtube-Like: Coole Sache (OMG, die Frau ist unausstehlich!), wusste nicht, dass es doch schon so eine Funktion in einer Kamera gibt :-)
@ Punkt 1: Da hast du Recht. Da macht die Holga D schon was richtig: Die hat nämlich keinen Monitor auf der Rückseite!
@ Punkt 3: Digital Hazemuschi: Mir ist das Teil auch unsympatisch. Eine digitale FunCam muss nicht dermaßen schlecht sein.
Eigentlich würde ja eine 5 Jahre alte Digicam mit passender Software alle Wünsche erfüllen ?
Auch hier machts die Holga D wieder richtig: In die sollen laut Concept Last-Gen-Sensoren verbaut werden. Also nicht das aktuellste Zeug, aber auch kein billiges uraltes Klumpert.
t0m7
@ Youtube-Like: Coole Sache (OMG, die Frau ist unausstehlich!), wusste nicht, dass es doch schon so eine Funktion in einer Kamera gibt :-)
@ Punkt 1: Da hast du Recht. Da macht die Holga D schon was richtig: Die hat nämlich keinen Monitor auf der Rückseite!
@ Punkt 3: Digital Hazemuschi: Mir ist das Teil auch unsympatisch. Eine digitale FunCam muss nicht dermaßen schlecht sein.
Eigentlich würde ja eine 5 Jahre alte Digicam mit passender Software alle Wünsche erfüllen ?
Auch hier machts die Holga D wieder richtig: In die sollen laut Concept Last-Gen-Sensoren verbaut werden. Also nicht das aktuellste Zeug, aber auch kein billiges uraltes Klumpert.
a_kep
Also in Asien gibts mehrere solche Dinger wie die Digital Harinezumi, aber eben alle mit Sensoren die vor 10 Jahren in den ersten Handy-Cams eingebaut waren.