Vorfreude

Nun ist die Weihnachtszeit schon wieder vorbei und ich schreibe von Vorfreude. Allerdings bezieht diese sich auf die Fotografie. In den letzten Wochen habe ich meine Vorräte an Filmen wieder aufgestockt, so dass ich die nächsten Jahre wohl überstehen werde. Für neue fotografische Experimente steht mir nun die Diana Pinhole zur Verfügung und ich freue mich (Vorfreude) auf die Bilder. Für mich ist die Lomography die Freude am (Licht)bild und zum Glück muss ich nicht die Frage beantworten: “Wie lange bearbeitest du deine Bilder nach? - Was, du speicherst die Bilder unbearbeitet?!” So oder ähnlich laufen die Dialoge in unserem Fotoclub ab und ich frage mich voller Entsetzen, ob es nicht auch andere Themen für Fotointeressierte gibt. Ich zähle mich zu den Fotointeressierten, die sicher nicht Geld mit der Fotografie verdienen werden. Aber Spass möchte ich beim Bilder machen haben und den Moment des Drucks auf den Auslöser genießen. Ich möchte nicht beim Fotografieren an die Möglichkeiten der Bildbearbeitung denken, sondern Bilder so gestalten, dass ich keine Bildbearbeitung brauche. Warum müssen alle Innenaufnahmen völlig unnatürliche strahlend grüne Blicke durchs Fenster vor super durchgezeichneten Vordergründen zeigen (HDR-Wahn!)? Ist es nicht auch möglich, die Aufnahme so zu gestalten, dass ein überstrahltes Fenster die Bildaussage unterstreicht? Diese Fragen kommen mir in letzter Zeit zu kurz. Irgendwie machen viele perfekt belichtete Bilder und verwenden Zeit auf eine umfangreiche Nachbearbeitung. Ich habe früher meine Negative so belichtet, dass der Aufwand in der Dunkelkammer so gering wie möglich war. In den Fotoclubs von heute erzählen alle über Bildbearbeitung und kaum einer über Bildgestaltung (das lässt sich durch eine Veränderung des Ausschnitts sicher verbessern…..).
Irgendwie geht es mir wie Anfang der 90’er Jahre. Da habe ich mir meine Canon EOS 100 (die leiseste bezahlbare Spiegelreflex seinerzeit) mit dem Tamron 28-200 gekauft und einen Urlaub hindurch wie wild Dias belichtet. Als ich die mir mit dem Projektor anschaute stellte ich fest, dass die Bilder irgendwie langweilig waren. Bin ich im Urlaub des Vorjahres noch mit meiner Praktica umhergelaufen, um einen besseren Standort für die Aufnahme zu finden, habe ich nur am Zoomring gedreht und den scheinbar besseren Blickwinkel gewählt. In Wirklichkeit habe ich nur das gemacht, was die Digitaljünger heute machen: Nicht über das Foto nachdenken, das mache ich später bei der Postproduktion. Die Canon EOS 100 habe ich heut noch, das Tamron habe ich mir Mitte der 90’er in ein 50’er Macro und eine 28’ Festbrennweite getauscht.
Und jetzt lege ich meine Digitalreflex immer öfter bei Seite und lege Filme in Kameras, die bis auf die Filmperforation belichten und es macht Spass.
Gibt es in Magdeburg nicht auch Fotoclubs, die nicht nur digitale Bildbearbeitung zum Hauptthema erhoben haben?
Meine nächsten Bilder werden wohl mit der Lochblende und bunten Filtern auf RedScale 120-Film belichtet. Und darauf freue ich mich!

written by fotohelmut on 2013-01-03